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Deutschland / Welt Negativzinsen für Normalkunden bei erster Bank
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Negativzinsen für Normalkunden bei erster Bank
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19:37 07.06.2017
Von Albrecht Scheuermann
Eine Sprecherin der Volksbank Reutlingen betonte am Mittwoch, momentan verlange die Bank keine Negativzinsen von ihren Privatkunden. Die Änderungen am Preisaushang seien „prophylaktischer Natur“.  Quelle: dpa
Reutlingen

Das Vergleichsportal Verivox hat jetzt nach eigenen Angaben erneut die Tagesgeld-Zinssätze von rund 800 deutschen Banken unter die Lupe genommen. Dabei stellte sich heraus, dass immer mehr Institute auch Privatanleger mit Negativzinsen für ihre Einlagen belegen. Auffällig dabei: Es handelt sich ausschließlich um kleine Genossenschaftsbanken.

Allerdings greift der Strafzins in der Regel erst bei hohen Guthaben: Zum Beispiel muss man bei der genossenschaftlichen Volksbank Stendal schon 100.000 Euro einzahlen, bei der Volksbank Pinneberg-Elmshorn sind es 250.000 Euro, bei der Volksbank Ermstal-Alb eine halbe Million und bei der Dresdner Volksbank sogar eine Million.

Doch mit der Volksbank Reutlingen hat nun erstmals eine Bank auch für kleine Kunden das Negativzeichen vor dem Zinssatz stehen: Ein halbes Prozent wird fällig, wenn das Guthaben auf dem Tagesgeldkonto 10.000 Euro übersteigt. So besagt es jedenfalls der Preisaushang der Bank im Schwäbischen.

Banken beobachten den Markt

Bislang ist dies aber offenbar nur Theorie. Eine Sprecherin des Instituts erklärte Mittwoch, dass die Bank derzeit entgegen dem Preisverzeichnis keine Negativzinsen von ihren Privatkunden verlange. Aktuell sehe man keinen Handlungsbedarf. „Wir sichern uns damit für mögliche Fälle für die Zukunft ab“, sagte sie.

Bei den Geldhäusern in Hannover gibt es noch keine Negativzinsen für Privatkunden. So jedenfalls hieß es Mittwoch übereinstimmend bei der Sparkasse Hannover, der Hannoverschen Volksbank und der Sparda-Bank Hannover. Auch die PSD Bank winkte ab. Allerdings wird in allen Banken eingeräumt, dass man „den Markt beobachtet“. Für alle Zukunft will kein Banker Negativzinsen für Privatkunden ausschließen.

Allerdings haben die meisten Geldhäuser, auch auf Anraten der Bankenaufsicht und der Bundesbank, einen anderen Weg gefunden, um ihre durch die Niedrigzinsen lädierte Ertragsrechnung auch ohne Negativzinsen für Sparer aufzubessern. Branchenweit gab es Gebührenerhöhungen – auch bei den Instituten in Hannover. Das kostenlose Girokonto gehört bei vielen Banken und Sparkassen der Vergangenheit an

Individuelle Regelungen

Besonders kreativ zeigt sich hier die Volksbank Raiffeisenbank Niederschlesien in Görlitz in Sachsen. Sie weist für ihr Tagesgeldkonto zwar einen minimal positiven Zinssatz von 0,01 Prozent aus, zugleich aber monatliche Gebühren von 5 bis 50 Euro. Im Ergebnis wird der Anleger dadurch belastet, ohne dass die Bank negative Zinsen ausweisen muss.

Für viele gewerbliche Kunden der deutschen Banken und Sparkassen sind Negativzinsen ohnehin schon ein alter Hut. Sie müssen schon seit Längerem Geld für ihre Einlagen bezahlen, soweit sie bestimmte Größenordnungen übersteigen. Allerdings gibt es hier in der Regel individuelle Regelungen zwischen dem Kunden und der Bank.