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Volkswagen hofft auf ein gutes Jahr 2016

Nach Abgasskandal Volkswagen hofft auf ein gutes Jahr 2016

Seit 150 Tagen steht Matthias Müller an der Spitze von VW. Trotz Milliardenkosten, Imageschäden und Vertrauensverlusts gibt er sich kämpferisch: Die Abgas-Affäre sei nicht der Anfang vom Ende.

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Seit 150 Tagen im Amt: Matthias Müller

Quelle: dpa

Berlin . Volkswagen-Chef Matthias Müller sieht den Autobauer in den USA wegen des Abgas-Skandals in der Verliererrolle. Doch das Bild sei nicht von Dauer, betont der Manager im Interview der Deutschen Presse-Agentur. VW werde am Ende als Gewinner zurückkehren.

Frage: Herr Müller, können Sie noch ihren geliebten Porsche 911er fahren? Oder müssen Sie jetzt immer auf der Rücksitzbank Platz nehmen, sich chauffieren lassen und Akten studieren?

Antwort: Beides ist noch möglich. Wobei das 911er-Fahren vorzugsweise am Wochenende in Stuttgart stattfindet. Und den Rest, den nehme ich gerne in Kauf.

Frage: Haben Sie trotz Abgas-Affäre noch einen Ausgleich zur Arbeit?

Antwort: Ja, natürlich, man muss da schon ein bisschen darauf achten, wie man mit sich selbst umgeht. Und man kennt sich ja mittlerweile und weiß, wie man sich etwas Gutes tun kann und wie man auch mal ein bisschen Abstand zu dem Montag-bis-Freitag-Geschäft findet. Und bei mir ist 911er-Fahren eben ein Teil meines Lebens - und das gebe ich auch nicht mehr auf.

Frage: Können betroffene Kunden erwarten, ihr Auto nach dem Rückruf so zurückzubekommen, wie sie es kannten - etwa in puncto Verbrauch oder Wartungsintervalle?

Antwort: Das ist unsere Zielsetzung, das Vertrauen der Kunden dahingehend zurückzugewinnen, indem wir unter anderem eben dafür Sorge tragen, dass die Autos in keinem Kennwert schlechter werden als vorher.

Frage: Schlägt sich der Skandal auf die Verkaufszahlen nieder, sind Leiharbeiter-Jobs in Gefahr?

Antwort: Es ist so, dass Leiharbeiter natürlich eine gewisse Flexibilitätsgröße darstellen und im Grunde ohne Diesel genauso in Frage zu stellen sind wie mit Diesel. Also, von daher muss man schauen, wie sich das Geschäft im Jahr 2016 entwickelt. Die Verkaufszahlen, die sind unterschiedlich. Das hat etwas mit den regionalen Bedingungen zu tun. In China funktioniert das Geschäft nach wie vor sehr gut, auch in europäischen Standorten wie Italien und Spanien haben wir uns nach einem kurzzeitigen Tief erholt. Wir sind ganz zuversichtlich, dass wir - indem wir das Vertrauen unserer Kunden und auch der Öffentlichkeit und unserer übrigen Stakeholder wiedergewinnen - dahingehend dann ein gutes Jahr 2016 erleben werden.

Frage: Was halten Sie von Kanzleien, die Jagd machen auf unzufriedene Kunden, um dann Musterprozesse zu führen?

Antwort: Na, das scheint deren Geschäftsmodell zu sein. Es ist ja eine geübte Praxis in den USA, die offensichtlich jetzt auch versucht wird, nach Europa und Deutschland zu transportieren. Wir sehen dem ganz gelassen entgegen.

Frage: Sie sind verantwortlich für gut 600.000 Mitarbeiter weltweit. Können Sie angesichts der möglichen Regressforderungen überhaupt noch gut schlafen?

Antwort: Ich kann schon gut schlafen. Es ist natürlich so, dass wir mit Strafen zu rechnen haben und rechnen müssen. Und wir werden in den USA sicherlich ein Verlierer sein. Aber das Schöne in den USA ist auch: Da gibt es eine gewisse Sympathie für Verlierer. Und es gibt auch die Möglichkeit, in Amerika durch gute Arbeit eine Renaissance zu erleben. Und das werden wir tun.

Frage: Also wird VW überleben?

Antwort: Mit Sicherheit. Und zwar sehr gut.

ZUR PERSON:

Matthias Müller lernte nach dem Abitur in Ingolstadt Werkzeugmacher bei Audi. Danach studierte er in München Informatik. Seit Herbst 2015 ist Müller als VW-Konzernchef Nachfolger des in der Abgas-Affäre zurückgetretenen Martin Winterkorn. Er hatte zuvor lange als dessen Kronprinz gegolten. Als neuer Chef ist er als Krisenmanager gefragt, muss das Unternehmen aber auch umbauen. Der 62-Jährige kennt den Konzern seit Jahrzehnten und will VW weg vom Wolfsburger Zentralismus zu mehr Teamplay, Verantwortung und Eigenständigkeit führen.

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