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Vom Schnaps zum Saft

Berentzen geht neue Wege Vom Schnaps zum Saft

Berentzen geht völlig neue Wege, der Hoffnungsträger heißt TMP Technic-Marketing-Products usd ist Systemanbieter für frisch gepressten Orangensaft. Die Pressen, „technisch und qualitativ die ausgefeiltesten am Markt“, so der Berentzen-Chef Frank Schübel.

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Oben kommen die Orangen rein, unten wird der frisch gepresste Saft in die Flasche gezapft: Für sein neues Geschäftsfeld sieht Berentzen ein „Riesenpotenzial“.

Quelle: dpa

Hannover. So gut gelaunt war Frank Schübel lange nicht. Der Chef des Schnapsherstellers Berentzen glaubt, für das Traditionsunternehmen im emsländischen Haselünne endlich eine „Wachstumsstory“ gefunden zu haben. Mit Berentzens eigentlichem Metier hat sie nichts zu tun. Gerade deshalb könnte sie  dem Spirituosenfabrikanten, der wie die gesamte Branche unter stagnierendem Alkoholkonsum und hartem Verdrängungswettbewerb leidet, nach Jahren der Krise neue Perspektiven eröffnen.

Der Hoffnungsträger heißt TMP Technic-Marketing-Products. Ende 2014 hat Berentzen das Familienunternehmen im österreichischen Linz mit 12 Millionen Euro Umsatz erworben. Der Kaufpreis von über 15 Millionen Euro wurde aus der 2012 von Berentzen begebenen Firmenanleihe über 50 Millionen Euro finanziert. TMP macht sein Geschäft als Systemanbieter für frisch gepressten Orangensaft. Verkauft werden die Orangenpressen unter der Marke „Citrocasa“ an die Gastronomie und den Lebensmitteleinzelhandel. Die Pressen, „technisch und qualitativ die ausgefeiltesten am Markt“, so der Berentzen-Chef, lässt TMP von einem chinesischen Partner produzieren. Patente und Werkzeuge gehörten jedoch Berentzen.

Wie passen Fruchtpressen zu Berentzen? „Prima“, sagt Schübel. Es sei das gleiche Geschäft wie mit Cola, die der Spirituosenproduzent über 50 Jahre im Auftrag von Pepsi hergestellt und vertrieben hat. Der Verlust der Konzession war 2013 ein Schock. Dank einer Entschädigungszahlung von Pepsi in Höhe von 5,5 Millionen Euro, mit der sich Berentzen 2014 in die schwarzen Zahlen rettete, und dem neuen Partner Sinalco hat das Unternehmen ihn verschmerzt – und kann jetzt laut Schübel die Vertriebsstrukturen der Erfrischungsgetränke-Tochter Vivaris für TMP nutzen. Das sei kein neues Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Ob Zapfanlagen für Sinalco oder für Fruchtpressen – „das ist unser Geschäft“. TMP sei mit zweistelliger Umsatzrendite sehr profitabel, freut sich Schübel. Die neue Tochter werde die Kennzahlen des Konzerns schon 2015 „deutlich verbessern“.

Neben Hotels und Restaurants setzt Berentzen dabei auf Handelsriesen wie Rewe oder Edeka. Sie suchten nach Produkten, mit denen sie sich von den Discountern absetzen könnten. Je nach Zubehör kostet eine Fruchtpresse, die in der Obstabteilung im Supermarkt aufgestellt wird, einen Händler bis zu 10.000 Euro. Oben kommen unbehandelte Saftorangen hinein, unten zapft der Kunde frisch gepressten Saft in mitgelieferte Einwegflaschen. Das System floriert, weil Verbraucher bei frisch gepresstem Orangensaft wenig preissensibel sind, wie Schübel erklärt.

Zunächst will Schübel den Absatz in Deutschland ankurbeln, dann in Frankreich und den USA. Mittelfristig erwartet der Firmenchef ein „zweistelliges Umsatzwachstum“ bei TMP. Mit der neuen „Wachstumsstory“ will der Mehrheitsaktionär, der Münchener Finanzinvestor Aurelius, Berentzen auch für den Kapitalmarkt attraktiv machen. Eine außerordentliche Hauptversammlung soll im Juli die Verschmelzung von Stamm- und Vorzugsaktien beschließen. Damit sollen die Aktien, die im General Standard gelistet sind, leichter handelbar werden, um Berentzen für Investoren zu öffnen.

Weil Schübel fest an die Zukunft des Unternehmens glaubt, hat er sich selbst bereits ein kleines Paket Stammaktien von 0,4 Prozent zugelegt.

Aktionäre erhalten höhere Dividende

Leichtes Plus im Schnapsgeschäft erwartet: 2015 soll für Berentzen die Wende zum Besseren markieren. Grund dafür ist die neue Tochter TMP, die erstmals voll bilanziert wird. Eine Prognose scheut Firmenchef Frank Schübel zwar. Aber das Betriebsergebnis (Ebit) im Konzern werde deutlich höher ausfallen als 2014 mit 5,1 Millionen Euro. Für das Spirituosengeschäft mit den Dachmarken Berentzen und Puschkin erwartet Schübel ein leichtes Plus. Die Tochter Vivaris, die mit Erfrischungsgetränken und Mineralwasser ein Drittel zu den 2014 von 152,5 auf 153,4 Millionen Euro gestiegenen Konzernerlösen beitrug, werde etwas schlechter abschneiden. Sie könne den Verlust der Pepsi-Konzession nicht ganz durch den neu gewonnenen Kunden Sinalco ausgleichen. Für 2014 erhalten die Aktionäre, darunter der Mehrheitseigner Aurelius, eine von 0,13 Euro auf 0,19 Euro erhöhte Dividende auf die an der Börse gehandelten Vorzugsaktien. Die Stammaktien werden mit 0,13 Euro bedient, nach 0,07 Euro 2013.

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