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Deutschland / Welt Wal-Mart will nach Afrika expandieren
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Wal-Mart will nach Afrika expandieren
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13:01 05.06.2011
Wal-Mart will eine Großoffensive in Afrika starten. Quelle: dpa
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Südafrikas Starkarikaturist Zapiro zeichnete die Manager des US-Konzerns Wal-Mart so, wie sie von vielen im Land gesehen werden: In den Gewändern der niederländischen Kolonialisten, die vor etwa 360 Jahren am Kap landeten. Für die Afrikaner bedeutete das den Beginn einer Geschichte von Rassendiskriminierung und Unterdrückung.

Auch der Versuch des größten Einzelhandelsunternehmens der Welt, in Südafrika - und damit ganz Afrika - Fuß zu fassen, wird von vielen als eine Art „imperialistischer Akt“ interpretiert. „Die Risiken für unsere Produzenten sind größer als die Vorteile von billigeren Produkten“, sagt der Generaldirektor des Handels- und Industrieministeriums, Lionel October.

Also erwägen Regierung und Gewerkschaften noch einen letzten juristischen Abwehrversuch gegen den Einstieg des US-Giganten in Südafrika. Allerdings weiß auch die Regierung von Präsident Jacob Zuma, das dies dem Land erheblichen Schaden zufügen könnte. Denn Wal-Marts Vorstoß gilt als Testfall für die Bereitschaft Südafrikas, weiter ausländische Direktinvestitionen zuzulassen.

Die nationale Wettbewerbsbehörde gab Wal-Mart vergangene Woche grünes Licht: Für 16,5 Milliarden Rand (1,7 Milliarden Euro) darf der US-Konzern 51 Prozent an der südafrikanischen Supermarkt-Kette Massmart erwerben. Wal-Mart verspricht „Dutzende neuer Geschäfte und tausende neuer Arbeitsplätze“. Selbstverständlich werde Wal-Mart - wie überall in der Welt - vor allem einheimische Produkte anbieten, versicherte Unternehmenschef Doug McMillon. „Wir wollen so schnell wie möglich Vertrauen schaffen.“

Aber Südafrikas Gewerkschaften und die Regierung sorgen sich um Arbeitsplätze und Mittelstand. Die Kartellbehörde hatte die Hoffnungen auf scharfe Auflagen für den US-Konzern enttäuscht. Er wurde lediglich verpflichtet, einer zweijährigen Arbeitsplatzgarantie zuzustimmen, die bestehenden Tarifvereinbarungen drei Jahre lang zu respektieren und die Gewerkschaften als Tarif-Verhandlungspartner zu akzeptieren.

Gewerkschaften wollen die Offensive von Wal-Mart in Afrika verhindern

„Wir zweifeln die Entscheidung stark an“, erklärte enttäuscht Gewerkschaftsführer Bones Skulu (Saccawu). Denn das Gericht hatte Wal-Mart nicht dazu verdonnert, 500 im letzten Jahr entlassene Massmart-Mitarbeiter wieder einzustellen oder sich zur bevorzugten Abnahme südafrikanischer Produkte zu verpflichten. Das aber hatten die Gewerkschaften gefordert.

Das Unternehmen aus Arkansas hofft nun endlich mit seiner seit einem Jahr geplanten Groß-Offensive in Afrika südlich der Sahara beginnen zu können. Wal-Mart, das mit seiner Expansion in Ländern wie Deutschland und Russland gescheitert ist, wird dank Massmart und seiner Töchter Präsenz in 14 afrikanischen Staaten haben. Afrika gilt dank der Wachstumsraten der Wirtschaft in der letzten Dekade von durchschnittlich etwa fünf Prozent als lukrativer neuer Markt - zumal es auf dem Kontinent nur wenige moderne Supermärkte gibt.

Noch droht Wal-Mart neues Ungemach von den mächtigen Gewerkschaften, die mit Massenprotesten und einem Boykottaufruf gedroht haben. „Wir werden mit der Anti-Wal-Mart Koalition vor Gericht gehen und anderes tun“, drohte zornig der Generalsekretär der Nahrungsmittel-Gewerkschaft Fawu, Katishi Masemola.

Südafrikas Wirtschaftsverbände allerdings sind erleichtert. Sie klagen seit Jahren über eine „unternehmerfeindliche“ Politik der Regierung, die seit dem Ende der Apartheid 1994 vom Afrikanischen Nationalkongress (ANC) dominiert wird. Kritisiert werden vor allem strenge Arbeitsschutzgesetze, hohe Mindestlöhne und investitionsfeindliche Vorschriften. Das verhindere die Schaffung neuer Arbeitsplätze - obwohl Südafrika unter Massenarbeitslosigkeit leidet. Offiziell liegt die Arbeitslosenrate bei über 25 Prozent.

Eine Zurückweisung Wal-Marts würde dem Ansehen des Wirtschaftsstandorts Südafrika sicher schaden. „Südafrika muss aufpassen, dass es bei den ausländischen Investitionen in Afrika nicht übergangen wird“, warnte die Wochenzeitung „Mail & Guardian“. Tatsächlich wurde in Südafrika in den vergangenen Jahren weniger stark investiert als in den großen Vorbildern Pretorias - den neuen Partnern im Rahmen von BRICS, den aufstrebenden Schwellenländern Brasilien, Russland, Indien und China.

dpa

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