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Was brachte die Ladenschluss-Liberalisierung?

20 Jahre Was brachte die Ladenschluss-Liberalisierung?

Bis vor 20 Jahren gab es keine Frage: Wer am Sonntag frische Brötchen wollte, musste Aufbackware von der Tankstelle kaufen, und Supermärkte waren werktags um 18.30 Uhr zu schließen. Seitdem hat sich viel geändert. Eine Bilanz.

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Frische Brötchen am Sonntag: Das war erstmals am 3. November 1996 möglich. Foto: dpa

Quelle: Franz-Peter Tschauner

Düsseldorf. Das Ladenschlussgesetz in Deutschland war strikt - und wenig verbraucherfreundlich. Das änderte sich jedoch am 1. November 1996. Die Öffnungszeiten wurden liberalisiert, von einer „Zeitenwende im Einzelhandel“ war damals die Rede. Doch was haben die längeren Öffnungszeiten gebracht?

Die Gesetzesnovellierung vor 20 Jahren erlaubte es den Geschäften erstmals, an Werktagen bis 20 Uhr zu öffnen, an Sonnabenden bis 16 Uhr. Und Bäcker durften frische Sonntagsbrötchen verkaufen. Was heute nicht mehr wegzudenken ist, sorgte damals für heftige Auseinandersetzungen. Rund 50.000 Verkäuferinnen und Verkäufer demonstrierten in Bonn gegen das Gesetz. Wissenschaftler kritisierten den „Ausverkauf der Arbeitszeiten“ und warnten vor sozialen Verwerfungen. Selbst die Kunden nahmen die neue Regelung zunächst nur zögerlich an.

Dennoch war die weitere Liberalisierung der Öffnungszeiten nicht zu stoppen. Im Jahr 2003 wurden auch für den Sonnabend die Öffnungszeiten bis 20 Uhr verlängert. Seit 2006 bestimmen die Länder unabhängig über den Ladenschluss - und ein weiterer Liberalisierungsschub folgte. In den meisten Bundesländern können die Läden heute werktags rund um die Uhr öffnen. In Bayern etwa ist jedoch nach wie vor um 20 Uhr Schluss.

Trotz aller Veränderungen fällt die Bilanz des Handelsverbandes Deutschland (HDE) eher ernüchternd aus. „Der Umsatz ist erwartungsgemäß nicht gestiegen“, stellt der Hauptgeschäftsführer Stefan Genth fest. Doch könnten Berufstätige „seitdem stressärmer einkaufen“. Ob zusätzliche Arbeitsplätze entstanden sind, ist umstritten. Der HDE sagt Ja. Insbesondere der Lebensmittelhandel habe mehr Personal eingestellt. Die Gewerkschaft Verdi sagt Nein. „Das große Versprechen, dass es deshalb mehr Arbeitsplätze geben wird, hat sich überhaupt nicht bewahrheitet“, sagt Verdi-Sprecherin Eva Völpel. Durch die längen Öffnungszeiten gebe es nur mehr Teilzeit-Stellen, mehr Minijobs und mehr Leiharbeit.

Neu angefacht wird der Streit durch den Boom des Online-Handels. Der Marketingexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU meint. „Durch den Siegeszug des Online-Handels ist es noch wichtiger geworden, dass die Geschäfte mehr Flexibilität bei den Öffnungszeiten haben.“ Auch das sieht Verdi naturgemäß anders.

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