Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt So arbeiten die Tacho-Betrüger
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt So arbeiten die Tacho-Betrüger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:43 22.10.2015
Ein Tachometer mit Kilometerstandsanzeige – schnell lässt sich dieser von Betrügern manipulieren. Quelle: Oliver Berg/dpa
Anzeige
Köln

Gebrauchtwagenkauf ist Vertrauenssache – das gilt nach einer Studie des TÜV Rheinland besonders beim Thema Tachobetrug. Demnach halten 44 Prozent der Befragten illegale Tachomanipulationen für ein Problem. Sie gehen davon aus, dass bei knapp einem Drittel aller gebrauchten Autos der Kilometerstand heimlich zurückgedreht wurde.

Der Wagen kann so für viel mehr Geld verkauft werden, als er in Wirklichkeit wert ist. Für seine Umfrage hatte der TÜV sowohl private Käufer als auch private Verkäufer von Gebrauchtfahrzeugen befragt. Tacho-Betrüger verursachen jährlich einen Schaden von hochgerechnet sechs Milliarden Euro, jedes dritte Auto sei betroffen, berichtet der ADAC.

Hersteller und Händlerverbände halten dies für zu hoch gegriffen, valide Zahlen liegen nicht vor. "Es gibt ein riesiges Dunkelfeld. Oft ist es schwierig, den Betrug nachzuweisen", sagt Martin Lotz, der Leiter der Direktion Verkehr bei der Polizei Köln.

ADAC plädiert für eingebauten Chip

Geräte zum Verändern des Tachostandes kann jeder frei im Internet kaufen. In Sekundenschnelle lässt sich damit die Kilometerzahl reduzieren. Ein argloser Käufer zahlt dann nicht nur beim Kauf zu viel, sondern habe als Folge möglicherweise auch höhere Reparaturkosten, sagt TÜV-Bereichsvorstand Jürgen Brauckmann.

Hinzu komme das Sicherheitsrisiko, weil der Neubesitzer Wartungsintervalle oder den Austausch von Verschleißteilen verpassen könnte. Bislang wird Tacho-Betrug mit höchstens einem Jahr Haft bestraft.

Der ADAC fordert technische Lösungen: Ein schon in Neuwagen eingebauter Chip könne Tacho-Manipulationen zumindest erheblich erschweren, sagt ein Sprecher. "Die Hersteller könnten das schon seit Jahren tun, es wäre für sie im Grunde ein Klacks", erklärt auch die Verbraucherschutzbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Mechthild Heil.

Datenbanken für mehr Kontrolle

Doch die Industrie sagt: "Technik allein kann Manipulation nicht verhindern", betont ein Sprecher des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Die Hersteller arbeiteten kontinuierlich daran, Maßnahmen gegen Tachomanipulation zu verbessern, sähen sich aber im Wettlauf mit den Betrügern: "Bei dem ständigen technischen Fortschritt geht es immer darum, dem jeweils anderen eine Nasenlänge voraus zu sein." Um Tacho-Betrug zu erschweren, seien deshalb zusätzliche Datenerhebungen von Fahrzeugen sinnvoll.

Mehrere Unternehmen arbeiten bereits am Aufbau von Datenbanken, die regelmäßig die Kilometerstände von Autos erfassen sollen, etwa bei Werkstattbesuchen und Hauptuntersuchungen. Dabei setzt die Unionspolitikerin Heil auf freiwillige Teilnahme – alles andere sei datenschutzrechtlich schwierig.

Nach Auffassung des ADAC dagegen suggerieren Datenbanken einen nicht vorhandenen Schutz. "Das ist Augenwischerei", sagt ADAC-Experte Arnulf Thiemel. Denn Betrüger könnten den Kilometerstand schon vor der ersten Wartung zurückdrehen. "Im Endeffekt würden Täter nur angespornt, noch systematischer vorzugehen."

Von Petra Albers, dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wendelin Wiedeking war einst die Lichtgestalt der deutschen Autobranche - dem Mann wollte alles gelingen. Doch dann verzockte sich der Manager und musste gehen. Spielte Wiedeking damals mit gezinkten Karten? Diese Frage soll ein Stuttgarter Prozess klären.

22.10.2015

Die Hiobsbotschaften im Fall VW reißen nicht ab: Der Autokonzern prüft derzeit, ob weitere Motoren von dem Abgas-Skandal betroffen sind. Besonders ein Motor ist in Verdacht geraten.

22.10.2015

Sie stehen bei Kindern weltweit auf dem Wunschzettel und sorgen am Heiligen Abend vielerorts für leuchtende Augen: Lego-Steine. Der dänische Spielzeugriese rechnet zum Jahresende mit einen Lieferengpass. Grund sei die hohe Nachfrage.

24.10.2015
Anzeige