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Deutschland / Welt Neue Abgas-Manipulation bei Opel entdeckt
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Neue Abgas-Manipulation bei Opel entdeckt
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13:19 12.05.2016
Opel hat bei der Abgasreinigung stärker manipuliert als bisher bekannt. Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa
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Berlin

Bei der Untersuchung der geheimen Motorsteuerung eines Opel Zafiras konnte ein Rechercheteam des ARD/WDR-Magazins "Monitor" und des Nachrichtenmagazins Spiegel bislang unbekannte Abschalteinrichtungen finden. Experten halten die Abschalteinrichtungen für illegal. Die Untersuchungen sind besonders brisant, weil sie den bisherigen Darstellungen des Rüsselsheimer Autobauers sowie des Bundesverkehrsministeriums offensichtlich widersprechen.

Die Behörde von Alexander Dobrindt (CSU) hatte vergangenen Monat in einem Untersuchungsbericht behauptet, "bei keinem weiteren Fahrzeug eine unzulässige Abschalteinrichtung wie bei bestimmten Fahrzeugen des VW-Konzerns nachgewiesen" zu haben. Opel wiederum hatte angesichts vielfach überhöhter Stickoxid-Emissionen seines Modells Zafira (Diesel) lediglich eingeräumt, dass die Abgasreinigung nur bei Außentemperaturen "im Bereich von 20 bis 30 Grad vollumfänglich" funktioniere.

Doch die Erkenntnisse der Recherchen zeigen, dass auch in diesem Temperaturbereich die Abgasreinigung häufig nur eingeschränkt arbeitet. Beschleunigt der Motor auf über 2400 Umdrehungen pro Minute oder auf Geschwindigkeiten über 145 Stundenkilometer, dann reduziert sich die Abgasreinigung deutlich.

Dies konnte auf Prüfständen etwa beim TÜV Nord in Essen nachgewiesen werden. "Wie bei VW gibt es auch bei Opel technische Vorkehrungen, die dafür sorgen, dass die Abgasreinigung nicht so funktioniert, wie die EU-Verordnung das vorsieht. In beiden Fällen handelt es sich um eine nicht zugelassene Abschaltvorrichtung", erklärt Prof. Martin Führ, Experte für Umweltrecht an der Hochschule Darmstadt gegenüber Spiegel und "Monitor".

Entdeckt hat diese in der Software der Motorsteuerung programmierten Abschaltbefehle ein in der Hacker-Szene sehr bekannter Computerspezialist. Offenbar hat Opel die Behörden über diese Abschalteinrichtungen nicht informiert. Das Bundesverkehrsministerium bestätigte dies auf Anfrage. Man wolle die neu gewonnenen Erkenntnisse des Rechercheteams aber dem zuständigen Kraftfahrt-Bundesamt zur Prüfung übergeben.

Kritik kommt von der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die die Recherchen von Spiegel und "Monitor" unterstützt hat. Das Fahrzeug sei offenbar gezielt so gebaut worden, dass es nur in Ausnahmefällen sauber erscheine, so DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch.

"Das Bundesverkehrsministerium hat in den letzten Monaten aktiv weggeschaut. Es wurde eben nicht nachgeprüft, ob tatsächlich Abschalteinrichtungen, die eindeutig verboten sind, zusätzlich verbaut sind zu den Temperaturabschaltungen."

Auf Anfrage dementierte Opel die neu entdeckten Abschalteinrichtungen nicht. Das Unternehmen bekräftigte aber, dass "wir keine Software einsetzen, die feststellt, ob ein Auto einem Abgastest unterzogen wird." Weiter heißt es: "Unsere Software war nie darauf ausgelegt, zu täuschen oder zu betrügen."

ots

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