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Welt-Finanzfeuerwehr im Visier von Hackern

Internationaler Währungsfonds Welt-Finanzfeuerwehr im Visier von Hackern

Als hätte der Internationale Währungsfonds (IWF) nicht schon alle Hände voll zu tun. Erst Weltwirtschafts- und Schuldenkrise in Europa, dann der Skandal um Fonds-Chef Strauss-Kahn und das Tauziehen um seine Nachfolge - und nun noch ein mysteriöser Hackerangriff.

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Der IWF ist Angriffsziel von Hackern geworden.

Quelle: dpa

Seit Anfang des Monats hatten sich die Warnungen gehäuft. „Wichtig: Virusattacken“, hieß es am 1. Juni in einer E-Mail der Technologieabteilung des Internationalen Währungsfonds (IWF) an die Belegschaft. Wenige Tage später dann ist in einem Memo von „verdächtigen Datentransfers“ die Rede. Am 9. Juni warnte laut der Finanznachrichtenagentur Bloomberg IT-Chef Jonathan Palmer vor „verstärkter Phishing-Aktivität“, also Datenklau. Doch da war es wohl schon zu spät. Bereits vor Wochen sollen die Hacker zugeschlagen haben.

„Ausgeklügelt und ernst“ sei die Cyberattacke gewesen, sagte ein Insider der „New York Times“. Eine „große Menge“ Daten sei verschwunden, heißt es. IWF-Sprecher David Haley versichert, die globale Finanzfeuerwehr sei „voll funktionsfähig“ - wichtig in Zeiten des längst nicht ausgestanden Schuldendramas in Europa. Man untersuche den Vorfall.

Worauf könnten es die Datendiebe abgesehen haben, wer steckt dahinter? Eine Hackergruppe namens Anonymus hatte unlängst zu Angriffen auf das Datennetz des Fonds aufgerufen, „als Zeichen des Widerstandes gegen die korrupten Sparpläne der griechischen Regierung und des Internationalen Währungsfonds“ - Anarcho-Töne wie in den Siebzigern. Doch kreisen die Spekulationen über die Hintergründe vor allem um wertvolle Wirtschaftsdaten, die in den IWF-Computern schlummern. Und immer wieder fällt bei der Frage nach den möglichen Hintermännern der Name eines Landes: China.

Niemand zweifelt, dass die sensiblen Informationen im Besitz des Fonds wie etwa Details über Kreditprogramme für Krisenstaaten marktbewegende Macht haben. „Politisches Dynamit in vielen Ländern“ seien die Abkommen über Finanzhilfen, sagte ein IWF-Mitarbeiter der „New York Times“. In den vergangenen Jahren sei der Fonds schon mehreren Cyberattacken ausgesetzt gewesen, heißt es, verstärkt allerdings erst seit dem Ausbruch der globalen Wirtschaftskrise.

Unlängst hatten sich Berichte über Hackerangriffe gegen Großunternehmen gehäuft: Unterhaltungsgigant Sony, der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin, Finanzriese Citigroup und schließlich Google - alles in den vergangenen drei Monaten. Unter den Zielen war auch die Firma RSA Security, die Sicherheitsschlüssel zum Schutz vor unbefugten Zugriffen auf Computersysteme liefert und weltweit Tausende von Unternehmen und Organisation als Kunden hat - auch den IWF. Google nahm kein Blatt vor den Mund, dass der Suchmaschinen-Marktführer den Ursprung der Attacken gegen sich in der Volksrepublik vermutet.

Könnte es China auch auf internationale Organisationen abgesehen haben? „In den vergangenen Jahren hat sich ein Muster von Cyber-Spionage gegen wichtige wirtschaftspolitische Institutionen abgezeichnet“, schrieb die „Washington Post“. Und einige Experten vermuten den Goliath in Fernost dahinter. „Attacken haben oft mit Entscheidungen in Bereichen wie der chinesischen Währungspolitik oder Handelspraktiken zu tun“, sagte John Mallery, Cyberexperte am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT), der Zeitung. Vor zwei Jahren seien vor einer Runde von wirtschaftspolitischen Beratungen Washingtons mit Peking sensible Daten aus den Computern hoher Beamter des US-Finanzministeriums gestohlen worden.

Auch hier vermuten Ermittler die Drahtzieher in der Volksrepublik. Bedient hätten sich die Hacker bei dem Fall einer Methode mit Namen „Spear Phishing“, die auf bestimmte Personen abzielt und mit ausgeklügelter Software, sogenannter Malware, operiert, die per E-Mail an Mitarbeiter des Ministeriums geschickt wurde.

Möglicherweise setzten die Cyberdiebe „Spear Phishing“ auch gegen den IWF ein. „Solch eine Malware hat man zuvor noch nicht gesehen“, sagte Tom Kellermann, Ex-Cybersicherheits-Experte bei der Weltbank, dem „Wall Street Journal“. Bevor die Angreifer zuschlugen, hätten sie die Daten-Infrastruktur ausgespäht und spezielle Software geschrieben, um ins Netz des Weltwährungsfonds einzudringen. Auf der Webseite des Fonds war am Wochenende von all dem keine Rede. Ganz oben ging es dort um die Gefahren für Staaten durch Überalterung ihrer Bürger.

dpa

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