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Deutschland / Welt Wer am Ökostrom verdient, soll auch fürs Netz zahlen
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00:15 10.10.2017
Von Jens Heitmann
„Die Energiewende ist eine gesellschaftliche Aufgabe.“ Quelle: Fotolia
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Hannover

„Das Grundproblem des deutschen Energiemarktdesigns ist das Fehlen von regionalen Preissignalen“, schreiben die Autoren in einem Sondergutachten, das am Freitag vorgestellt wurde. Bisher orientieren sich die Planer von Wind- und Solarparks bei der Standortsuche vor allem an den Windverhältnissen und der Zahl der Sonnenstunden, da ihr Ertrag in erster Linie davon abhängt: Für die erzeugte Kilowattstunde bekommen sie an jedem Standort den gleichen Preis. Wie der Strom zu den Abnehmern gelangt, ist Sache der Netzbetreiber.

Das hat zur Folge, dass die Masse der Windkraftanlagen im Norden installiert ist und Solarparks meist im Süden entstehen - die Verbrauchszentren befinden sich jedoch eher in Ballungsräumen wie dem Ruhr- oder dem Rhein-Main-Gebiet. Folglich müssen die Netzbetreiber für viel Geld neue Leitungen bauen.

Windstärke allein zählt

In der Zwischenzeit fallen hohe Ausgaben für das Management von Engpässen im Netz an, die sich daraus ergeben - etwa Kosten für das schnelle Anfahren oder Abschalten von Großkraftwerken in Zeiten einer „Dunkelflaute“, wenn zu wenig Wind weht und die Sonne nicht scheint. Auf der anderen Seite bekommen die Betreiber von Windturbinen und Solaranlagen auch dann Geld, wenn deren Strom wegen der Überlastung des Netzes nicht abgeführt werden kann.

Diese Kosten reichen die Netzbetreiber an die Stromkunden weiter. Sie machen mit 7,5 Cent je Kilowattstunde inzwischen etwa ein Viertel der Rechnung aus. Mit steigender Tendenz: Amprion, das Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland versorgt, will seine Preise im nächsten Jahr um 45 Prozent anheben. Tennet, dessen Hochspannungsnetz von Flensburg bis Füssen reicht, fordert einen Aufschlag von 9 Prozent - 2016 waren es sogar 80 Prozent. In Baden-Württemberg verlangt Transnet-BW rund 13 Prozent mehr. Nur im Osten, im Gebiet von 50Hertz, sinkt der Preis um 11 Prozent.

Nach Einschätzung der Monopolkommission fehlt es an Anreizen für Ökoenergieerzeuger, bei ihrer Standortwahl die dadurch ausgelösten Kosten für den Netzausbau zu berücksichtigen. Deshalb empfehlen die Experten dem Gesetzgeber die Einführung einer „Regionalkomponente“ für erneuerbare Energien. Gemeint ist damit eine Beteiligung der Ökostromproduzenten an den Netzentgelten. Diese könne „den Zubau (...) regional steuern und die netzseitigen Kosten der Energiewende verursachungsgerecht verteilen“, heißt es im Gutachten.

Bundesverband ist skeptisch

Der Bundesverband Windenergie lehnt den Vorstoß ab. „Die Energiewende ist eine gesellschaftliche Aufgabe“, sagte Geschäftsführer Wolfram Axthelm. Ziel müsse es sein, die Kosten auf möglichst viele Schultern zu verteilen. Beim Netzbau könne das am besten durch die Festlegung eines bundesweit einheitlichen Entgeltes gelingen, sagte Axthelm.

Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel sieht das ähnlich. Die beschlossene Angleichung der Netzentgelte für die Stromautobahnen sei ein erster wichtiger Schritt. „Als Nächstes muss es darum gehen, flexible Erzeuger mit einem Bonus zu belohnen“, sagte der Grünen-Politiker. Je schneller Produzenten auf Schwankungen in der Nachfrage reagieren könnten, desto geringer falle der Aufwand für das Netzmanagement aus.

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