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Deutschland / Welt Wie Schleckers Geld unter sich verschoben haben sollen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Wie Schleckers Geld unter sich verschoben haben sollen
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00:15 18.04.2016
Von Lars Ruzic
Aus besseren Zeiten: Im Jahr 2011 demonstrierten Lars (von links), Anton, Christa und Meike Schlecker Einigkeit. Gemeinsam erschienen sie auf dem Titelbild der Mitarbeiterzeitschrift. Quelle: oh
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Hannover

Auf den ersten Blick hat sich nicht viel geändert im Leben von Anton Schlecker. Fast täglich fährt der heute 71-Jährige von seiner herrschaftlichen Villa im schwäbischen Ehingen in den protzigen Büroturm vor den Toren der Stadt, steigt in den Fahrstuhl und fährt in den siebten Stock - wo sein 420 Quadratmeter großes Chefbüro auf ihn wartet. Fast glaubt man, es hätte sie gar nicht gegeben, die Pleite seines Drogerie-Imperiums im Januar 2012 - eine der spektakulärsten der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Allein in Deutschland verloren 25 000 Menschen ihre Jobs, standen plötzlich Tausende Geschäfte leer - teils bis heute.

Und doch hat sich einiges geändert für den Drogeriekönig von einst. Die mannshohen silbernen Lettern mit seinem Namen, die immer vor der Zentrale prangten, sind verschwunden. Das Büro hat seine Frau Christa beim neuen Eigentümer gemietet, einem Konsortium unter Führung der Stadt Ehingen. Und auch die Villa bewohnen die Schleckers nur, weil sie ihnen Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz überlassen hatte - zu einem Preis, der den „realistischen Marktwert“ widerspiegelt, versteht sich.

Ganze Reihe von Ungereimtheiten

Geiwitz, für den in der Schlecker-Zentrale bis heute gut 20 Mitarbeiter die Folgen der Insolvenz aufarbeiten, war damals sehr schnell zweifelhaften Vermögensübertragungen innerhalb der Familie auf die Schliche gekommen. Besonders strengen Regeln unterliegen Fälle, die bis zu vier Jahre vor der Pleite stattgefunden haben. Und da Anton Schlecker seinen milliardenschweren Konzern als voll haftender eingetragener Kaufmann (e.K.) geführt hat, sahen die Insolvenzverwalter genau hin - und stießen auf eine ganze Reihe von Ungereimtheiten, die nun auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart zur Anklage bringen wird.

In 36 Fällen soll Schlecker Vermögenswerte beiseitegeschafft und so dem Zugriff der Gläubiger entzogen haben. „Bankrott“ nennen das die Juristen. Von einem „besonders schweren Fall“ sprechen sie, wenn dies auch noch aus Gewinnsucht geschah. Das unterstellt die Anklage bei Schlecker gleich 13-mal. Die Höchststrafe für den besonders schweren Fall liegt bei zehn Jahren Haft. Auch Frau Christa und die Kinder Meike und Lars sind angeklagt, quasi als Helfer. Und zwei Wirtschaftsprüfer - weil sie falsche Bilanzen durchgewunken haben sollen.

Üppige Zahlungen im privaten Bereich

Bei den mutmaßlichen Verschiebungen sollen die Schleckers durchaus kreativ zu Werke gegangen sein. Die Kinder Meike und Lars beispielsweise waren Gesellschafter einer Logistikfirma namens LDG, die glänzende Geschäfte mit dem Konzern des Vaters machte. Der als Billigheimer auftretende Discounter soll für die Dienste der LDG Preise weit über dem Marktüblichen gezahlt - und so Millionen vom Vater auf die Kinder verschoben haben. Ausgerechnet in der Zeit des Schlecker-Niedergangs im vergangenen Jahrzehnt soll die LDG Umsatzrenditen von 40 Prozent erzielt haben.

Die Kinder wiederum gaben sich laut Anklage generös der Mutter gegenüber. So hätten sie beispielsweise zwei Zahlungen im Gesamtvolumen von 52 000 Euro an Christa Schlecker veranlasst „für - wie sie wussten - tatsächlich nicht erbrachte Beraterleistungen“, wie es die Staatsanwälte gestern umschrieben. Auch im privaten Bereich ließen üppige Zahlungen Insolvenzverwalter und Staatsanwälte aufhorchen - etwa eine Schenkung Schleckers an die Enkel zehn Monate vor der Insolvenz - Höhe: 800 000 Euro.

All diese Fälle hatte Geiwitz der Familie schon kurz nach der Insolvenz auf den Tisch gelegt. Zivilrechtlichen Anfechtungsklagen entgingen die Schleckers, indem sie im März 2013 10,1 Millionen Euro in die Insolvenzmasse einzahlten. Diese Kooperationsbereitschaft, so ein Jurist, könnte ihnen, sollte es zum Strafprozess kommen, noch zugute gehalten werden.

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