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Wie funktionieren eigentlich Bitcoins?

Virtuelle Währung Wie funktionieren eigentlich Bitcoins?

Die virtuelle Münze Bitcoin feiert große Erfolge. In Hannover arbeiten schon einige Firmen mit dem bargeldlosen Bezahlsystem, darunter die Nord/LB und Enercity. Grund dafür ist auch die hannoversche Firma Pey, welche die Bezahlterminals für das Zahlungssystem entwickelt hat. Doch wie genau funktionieren Bitcoins eigentlich?

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„Hannover ist die Bitcoin-Hauptstadt“: Ricardo Ferrer Rivero hat Software und Bezahlterminals für die Internet-Währung Bitcoin entwickelt, die an der Börse boomt.

Quelle: Hagemann

Hannover. Christine Spohr entscheidet sich in der Kantine ihres Arbeitgebers Nord/LB für einen ungewöhnlich gesunden Snack: eine Banane und einen Apfel. Auch an der Kasse geht die Software-Entwicklerin eigene Wege. Sie zückt nicht ihre Kantinenkarte, sondern hält ihr Handy über ein kleines Display, scannt mit einer App einen QR-Code ein – und schon hat sie mit Bitcoin bezahlt statt mit Euro.
Die Internet-Währung macht zurzeit weltweit Schlagzeilen als Spekulationsobjekt: Der Preis pro Coin schoss seit Ende 2016 von unter 1000 Euro auf mittlerweile über 2500 Euro beziehungsweise 2600 Dollar. Zudem geriet die digitale Münze als bevorzugtes Zahlungsmittel von kriminellen Erpressern und Waffenhändlern in Verruf.

Das Beispiel Hannover beweist allerdings: Bitcoin ist nicht nur etwas für Spekulanten, Cybergangster und Nerds. In Hannover kann jedermann mit der digitalen Währung einen Kaffee oder einen Salat bezahlen. Nicht nur in der Kantine der Nord/LB, auch in einigen öffentlichen Cafés und Restaurants, zum Beispiel in der Bohne und dem 11A in Linden sowie dem Hafven Café in der Nordstadt. Darüber hinaus akzeptiert Enercity – als einziger Stromversorger in Deutschland – Bitcoin-Zahlungen.

Pey treibt Bitcoin voran

Die Offenheit der hannoverschen Unternehmen für Bitcoin ist kein Zufall, sondern das Werk von Ricardo Ferrer Rivero. Der in Venezuela geborene Technikexperte gründete 2014 in Linden die auf Bitcoin spezialisierte Firma Pey. Das Start-up entwickelt die Bezahlterminals und die zugehörige Software. Laut Ferrer Rivero akzeptieren in Hannover mehr Anbieter die digitale Münze als in Berlin: „Hannover ist die Bitcoin-Hauptstadt Deutschlands.“ Auch die Smart-
phone-App, mit der die Kunden bezahlen, stammt von Pey.

Außerdem zahlte eine Zeit lang die hannoversche Digitalfirma t3n, mithilfe von Pey, einen kleinen Teil des Gehalts ihrer Mitarbeiter in Bitcoin aus. Mangels Nachfrage anderer Firmen stellte Pey dieses Angebot aber wieder ein.
Auch bei den Bezahlterminals gibt es ein Problem: Die hohe Nachfrage von Spekulanten lastet das Bitcoin-Netzwerk stark aus, deshalb sind auch die Transaktionskosten mittlerweile sehr hoch. Wenn Christine Spohr in der
Nord/LB-Kantine für Bitcoins im Wert von einem Euro einkauft, muss sie rund 50 Cent Gebühren drauflegen. Als Bezahlmittel für den Alltag wird sich Bitcoin deshalb wohl nicht durchsetzen.

Das Beispiel Hannover zeigt aber auch: Bitcoin selbst mag in der Nische stecken bleiben, aber die Technik hinter der digitalen Währung könnte ganze Branchen umwälzen – und deshalb in Zukunft den Alltag der Menschen prägen.
Das zeigt sich zum Beispiel bei der Nord/LB: Nur wenige Mitarbeiter zahlen in der Kantine mit Bitcoin, aber das spielt für die Software-Entwicklerin Christine Spohr keine große Rolle. Sie denkt längst über Bitcoin hinaus und entwickelt mit ihren Kollegen Ideen für zukünftige Einsatzgebiete der Blockchain – so heißt die Technik hinter Bitcoin.

Die Blockchain kann man sich vereinfacht als digitales Tagebuch vorstellen. Hier werden nacheinander alle jemals getätigten Transaktionen – zum Beispiel Geldüberweisungen – eingetragen. Das Tagebuch liegt allerdings nicht nur bei einem Unternehmen, sondern auf den Computern aller Teilnehmer. Eine Software aktualisiert über das Internet bei jeder Transaktion automatisch alle Kopien des Tagebuchs. Manipulationen durch einzelne Teilnehmer sind deshalb sinnlos – sie würden beim Vergleich mit den anderen Kopien sofort auffallen.

Die Vorteile der Technik erklärt Christine Spohr am Beispiel des Verkaufs einer Maschine aus Deutschland an eine Firma im Ausland. Bislang schicken die an einem solchen Geschäft beteiligten Unternehmen, Banken sowie Zoll- und Hafenbehörden Unterlagen in Papierform hin und her. Das dauert Tage bis Wochen. Erst, wenn alle Beteiligten unterschrieben haben, darf der Kunde die Maschine im Hafen abholen. „Mit einer Blockchain wäre dieser Prozess in Minuten abgeschlossen“, sagt Spohr.  
Ähnlich ist es bei Enercity. Nur eine Zahl von Kunden im „unteren zweistelligen Bereich“ zahlt dort Stromrechnungen mit Bitcoin. Doch Enercity sieht Bitcoin als „die Spitze des Eisberges, wenn es um die Relevanz von Blockchain für die Energiewirtschaft geht“. Für den Energiehandel sehe man großes Potenzial und entwickle konkrete Nutzungsszenarien.

Auch für den Stromhandel

Details verrät Enercity nicht, doch Pey-Gründer Ricardo Ferrer Rivero skizziert ein naheliegendes Szenario: Mithilfe der Blockchain könnten Privatpersonen, die mit Solarzellen Strom erzeugen, untereinander mit Strom handeln.
Dass das keine ferne Zukunftsmusik ist, zeigt ein Pilotprojekt des Stromnetzbetreibers Tennet und des Stromspeicher-Herstellers Sonnen: Sie schalten Tausende Sonnenstromspeicher zusammen, eine Blockchain-Software  von IBM protokolliert die Abläufe. Weltweit arbeiten Hunderte Start-ups, Banken und Energieversorger an ähnlichen Ideen.

Es ist also kein Wunder, dass die Nord/LB und Enercity sich jetzt mit Bitcoin und der Blockchain auseinandersetzen: Wer es schafft, seine Blockchain-Software als Standard durchzusetzen, kann bei dezentralen Geschäften mitverdienen.
Ferrer Rivero konzentriert sich deshalb mittlerweile auf die Beratung von Unternehmen zu Blockchain, statt nur auf Bitcoin. Er glaubt, dass die Technik bald überall im Spiel ist: „Man wird es nicht merken, wenn man sie nutzt – so wie man heute nicht bemerkt, welche Übertragungsprotokolle das Surfen im Internet ermöglichen.“

Fragen und Antworten

Wer hat Bitcoin erfunden?
2008 veröffentlichte ein Unbekannter unter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ eine Anleitung für eine neuartige digitale Währung. Im Jahr darauf entwickelte eine Gruppe von IT-Experten die dafür nötige Software – Bitcoin war geboren.

Wie wird das digitale Geld erzeugt?
Bitcoins werden nicht von einer zentralen Instanz ausgegeben, sondern weltweit von Menschen mit leistungsstarken Computern „geschürft“. Sie stellen ihre Rechenleistung dem Bitcoin-Netzwerk zur Verfügung und erhalten im Gegenzug einen Anteil an der Gebühr, die Bitcoin-Nutzer bei Transaktionen zahlen. Aufgrund der aufwendigen Verschlüsselung verlangt das Bitcoin-Netzwerk viel Rechenleistung – und damit auch viel Energie. Da die Stromkosten in China relativ niedrig sind, wird ein Großteil der Bitcoins mittlerweile dort erzeugt.

Wie kauft man Bitcoins?
An Bitcoin-Börsen im Internet – etwa bitcoin.de – kann jedermann normales Geld gegen Bitcoin tauschen. Die Börsen listen Angebote verkaufswilliger Nutzer auf. Hat man ein Angebot in passender Höhe gefunden, überweist man den entsprechenden Euro-Betrag auf das Bankkonto des Verkäufers. Im Gegenzug überträgt der Verkäufer das Bitcoin-Guthaben.

Ist Bitcoin anonym?
Jedes Bitcoin-Guthaben ist mit einer ID-Nummer verknüpft. Diese Nummer und die Höhe des zugehörigen Guthabens kann jedermann im Internet einsehen. Normalerweise erfährt man aber nicht, welche Person hinter der Nummer steckt. Deswegen verlangen Cyberkriminelle Bitcoin oder ähnliche Internet-Währungen als Lösegeld für das Entfernen von Schadprogrammen. Auch beim Handel mit Waffen oder Drogen spielt Bitcoin eine Rolle. Auf seriösen Börsen muss man sich allerdings identifizieren – der Tausch von Bitcoin zu Euro läuft also nicht anonym.

Welche gesetzlichen Regeln gelten für Bitcoin?
In Deutschland ist Bitcoin rechtlich gesehen keine Währung und kein gesetzliches Zahlungsmittel, sondern laut der Finanzaufsichtsbehörde Bafin eine „Ersatzwährung, die aufgrund privatrechtlicher Vereinbarungen als Zahlungsmittel eingesetzt wird“. Für das Bezahlen mit Bitcoin und das Verkaufen von Waren gegen Bitcoin benötigt man keine Erlaubnis.

Warum ist der Bitcoin-Kurs zuletzt so stark gestiegen?
Das liegt vor allem an der Nachfrage durch Investoren, die mit Bitcoin spekulieren. Aber auch die Nutzung als Zahlungsmittel nimmt zu: In Japan akzeptieren immer mehr Händler Bitcoin, was die Nachfrage ebenfalls befeuert.

von Christian Wölbert

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