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Wie klug ist der Spion im Wohnzimmer wirklich?

„Smarte“ Geräte Wie klug ist der Spion im Wohnzimmer wirklich?

Fernsehgeräte mit Internet, Kamera und Mikrofon können Wohnzimmer überwachen. Doch wie intelligent sind "smarte" Geräte? Und welche Alternative gibt es? Ein Überblick.

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Smartphone bedient Smart-TV – und der Datenschutz bleibt auf der Strecke. 

Quelle: dpa

Hannover. Wer sich heute ein Fernsehgerät kauft, kommt am sogenannten Smart-TV kaum vorbei. Die Apparate sind mit Internetzugang - meist über WLAN - ausgestattet und verfügen oft auch noch über eine eingebaute Kamera und ein Mikrofon. Es ist natürlich praktisch, wenn man vom Sofa aus mit Freunden oder Verwandten in aller Welt per Skype videotelefonieren kann und dafür nicht erst umständlich den Rechner hochfahren muss. Der eingebaute Internetanschluss am Smart-TV-Gerät macht zudem die Nutzung verschiedener anderer Apps - wie auf dem Smartphone - möglich. Katzenfilmchen auf Youtube überlebensgroß zu sehen kann seinen Reiz haben. Aber auch die Angebote von Streaming-Diensten wie Amazon Prime Instant Video, Maxdome oder Netflix lassen sich damit bequem in Anspruch nehmen. Von den Mediatheken der Fernsehsender ganz zu schweigen. Klasse Sache also?

Bedenken von Datenschützern

Im Prinzip jein, meint Datenschutzexperte Peter Leppelt. Bei einem Gerät mit eingebautem Mikrofon und ebensolcher Kamera könne man nie sicher sein, wer mithört und zuschaut. Gerade für Menschen, die ein Smart-TV im Schlafzimmer aufstellen, mag das ein ungutes Gefühl sein. Leppelt erinnert an die Gestensteuerung einiger TV-Geräte von Samsung, für die die Kamera das Geschehen beobachtet und Bewegungen der Menschen analysiert, um im richtigen Moment Handzeichen fürs Um- oder Leiserschalten zu erkennen.

Auch die Sprachsteuerung für Smart-TV-Geräte funktioniert ähnlich. Sie belauscht alle Gespräche im Raum, um Befehle rechtzeitig zu erkennen. Samsung weist inzwischen darauf hin, dass die Gespräche an eine Firma weitergeleitet werden, die die Audiodateien in Text umwandelt. Und dass dabei auch vertrauliche Gespräche übertragen werden könnten.

Abgesehen davon senden Smart-TV-Geräte jede Menge Nutzungsdaten - zudem meist unverschlüsselt. Eine Untersuchung der Ruhr-Universität Bochum von diesem Jahr zeigt, dass die Apparate sogar dann persönliche Daten verschicken, wenn die Besitzer der Geräte die entsprechende Funktion gar nicht aktiviert hatten. Fernsehsender und Gerätehersteller können so nicht nur feststellen, welche Sendungen und Internet­inhalte gesehen werden, sie wissen auch genau, von wem.

Klage gegen Samsung wegen Smart-TV

Verbraucherschützer haben Anfang November Samsung wegen seiner Smart-TVs verklagt. Sie wollen mit ihrer Musterklage erreichen, dass Hersteller über die Datensammelei ihrer Geräte informieren und die Nutzer dem ausdrücklich zustimmen müssen. Der erste Verhandlungstermin vor dem Landgericht Düsseldorf ist für den 19. Mai 2016 angesetzt.

Fernsehsender, die es mit dem Datenschutz ernst nehmen, bieten inzwischen die Möglichkeit, dem Datenabgriff zu widersprechen. Was dann nicht mehr funktioniert, ist das Speichern bestimmter persönlicher Einstellungen am Apparat, teilt die ARD mit. Das kann die bevorzugte Schriftgröße sein oder eine Merkliste für Mediathekeninhalte, die man sich später anschauen möchte. Verschmerzbar, findet Leppelt.

Klebestreifen auf die Kameralinse

Wer Wert auf seine Privatsphäre legt, sollte von solchen „smarten“ Apparaten generell die Finger lassen, rät der Datensicherheitsexperte. Schließlich könne man nie wissen, was mit den von Kamera und Mikrofon aufgezeichneten Informationen geschehe. Nicht wenige Menschen kleben genau deshalb die Kameralinse an ihrem Laptop ab. Will man sich dann eine fremdgesteuerte Kamera sogar ins Schlafzimmer holen? Auch Hacker könnten sich leicht Zugang zu den bisher gegen solche Angriffe weitgehend ungeschützten Smart-TVs verschaffen.

Leppelts Alternative zu Smart-TV: „Dumm-TV“ - Geräte ganz ohne Kamera, Mikrofon und Internetanschluss. Eben einfache Fernsehapparate wie vor zehn Jahren. Auf die Vorzüge der smarten Modelle brauchen Nutzer trotzdem nicht zu verzichten: Für den Kontakt zum Internet gibt es Streaming-Sticks, etwa Googles Chromecast, Amazons Fire-TV-Stick oder Apple TV, die an den HDMI-Anschluss des TV-Geräts angeschlossen werden und sich für die Dauer der Nutzung mit dem heimischen WLAN verbinden - und danach wieder davon trennen lassen. Noch besser findet Leppelt das Programm Linux Media Center für den PC. Dort sei sichergestellt, dass keine Daten zur Nutzung gesammelt würden.

Als „smart“ werden auch Uhren verkauft, die per Bluetooth-Datenfunk den Kontakt zum Smartphone halten und am Handgelenk sehr klein all das zeigen, was auch der größere Handybildschirm vermag. Datenschutzexperte Leppelt hält sie für eine „Spielerei“, und warnt davor, dass diese Computeruhren Gesundheitsdaten sammeln und der Besitzer der Uhr keine Kontrolle darüber hat, was mit seinen Daten geschieht. Wer Puls und Schritte messen wolle, könne das auch offline machen - sollte dazu aber andere Geräte nutzen, rät Leppelt.

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