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100 neue Klagen gegen Hamelner BHW-Vertrieb

Postbank-Tochter 100 neue Klagen gegen Hamelner BHW-Vertrieb

Die Sünden der Vergangenheit lassen die Postbank Finanzberatung in Hameln nicht los. Heute werden weitere 100 Klagen gegen den einstigen BHW-Vertrieb beim Landgericht Hannover eingereicht.

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Heute sollen auch acht schon früher eingereichte Klagen in Hannover verhandelt werden.

Quelle: Symbolbild

Hannover/Hameln. Es geht um Anlagegeschäfte, die den Kunden hohe Verluste beschert haben. Die Klagen kommen einen Tag nach dem ersten offiziellen Besuch des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil beim BHW, der sich am Dienstag in Hameln über die Lage des Unternehmens informierte.

Die nun angestrengten Gerichtsverfahren sind der jüngste Höhepunkt einer seit Jahren rollenden Klagewelle gegen den unter dem BHW-Dach arbeitenden Hamelner Finanzvertrieb. Heute sollen auch acht schon früher eingereichte Klagen in Hannover verhandelt werden. Vertreten werden die Kläger durch die Kanzlei Helge Petersen & Collegen aus Kiel. Diese hatte kürzlich erstmals ein positives Urteil gegen die Postbank Finanzberatung vor dem hannoverschen Landgericht für eine 74-jährige Frau erstritten, die 2007 auf Anraten eines Vertreters eine Beteiligung an einem Schiffsfonds abgeschlossen hatte.

Bei den Prozessen gegen die Postbank-Tochter steht diese Anlageform im Mittelpunkt. Sie war bis zum Ausbruch der Weltfinanzkrise 2008 bei Anlegern, aber auch bei Finanzvermittlern außerordentlich beliebt. Die Beteiligung an Schiffen warf häufig nicht nur hohe Renditen ab, sondern war auch für die Verkäufer sehr profitabel. Provisionen von 15 Prozent und mehr des Anlagebetrages waren die Regel. Für viele Anleger endeten die Geschäfte jedoch im Fiasko, weil nach 2008 die Schifffahrtsmärkte zusammenbrachen. Verbraucherschützer werfen Banken und Finanzunternehmen vor, durch Falschberatung die Kunden in diese Anlagen gelockt zu haben.

Die rund 4000 selbstständigen Postbank/BHW-Vertreter sollen besonders offensiv vorgegangen sein, um Kleinanleger in solche riskanten Investitionen zu locken. Schon im März 2010 war die Stiftung Warentest aufgrund einer Umfrage unter Lesern der Zeitschrift „Finanztest“ zu dem Schluss gekommen: „Falschberatung hat bei der Postbank System.“ Ein früherer Mitarbeiter behauptete: „Bei uns musste alles verkloppt werden, was möglichst viel Provision bringt.“
Das Urteil des Landgerichts Hannover vom 23. Juli 2014 (Az.: 7 O 171/13) ist nach Ansicht von Helge Petersen, selbst ein gelernter Bankkaufmann, richtungweisend. Die Klägerin hatte eine Beteiligung an dem Produktentanker-Fonds II der Hamburger König & Cie. erworben, die zu der einst florierenden, inzwischen aber stark geschrumpften Branche der Emissionshäuser mit Schwerpunkt Schiffsfonds gehört. Das Gericht hatte in seiner Urteilsbegründung erklärt, dass die Postbank Finanzberatung gegen die Pflicht zur anlegergerechten Beratung verstoßen habe.

Nach Angaben der Kieler handelt es sich erst um das dritte Urteil, in dem eine Klage gegen die Postbank wegen Falschberatung bei solchen Beteiligungen Erfolg hatte. Die Bank will nach Angaben eines Sprechers keine Berufung einlegen, das Urteil wird damit rechtskräftig.

Allein diese Kanzlei hat derzeit nach eigenen Angaben noch 850 Verfahren gegen die Postbank laufen. In knapp 200 Fällen habe man sich bereits verglichen. Die Postbank selbst erklärte am Dienstag, dass sie sich in mehr als 1000 Fällen mit früheren Kunden außergerichtlich geeinigt habe. Die BHW-Gruppe gehört seit 2005 zur Postbank, die wiederum vor einigen Jahren von der Deutschen Bank übernommen wurde.

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