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Die Welt retten mit 99 Cent

Fairtrade-Produkte Die Welt retten mit 99 Cent

25 Jahre hat es gedauert bis zur ersten Milliarde: 1991 wurde das Fairtrade-Siegel eingeführt, 2016 kauften die Deutschen zum ersten Mal zertifizierte Produkte im Wert von mehr als einer Milliarde Euro. Der faire oder kontrollierte Handel soll Erzeugern einen Mindestpreis für ihre Produkte und somit ein verlässliches Einkommen garantieren.

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Fairtrade-Lebensmittel im Supermarkt: Siegel in anderen Produktkategorien kaum etabliert. Foto: dpa

Quelle: Roland Weihrauch

Hannover. Außerdem sollen in der Produktion internationale Umwelt- und Sozialstandards eingehalten werden. „Im Vergleich zu 2015 haben wir 2016 im zweistelligen Prozentbereich zugelegt“, sagt Edith Gmeiner vom Verein Transfair, der das Siegel in Deutschland an Produzenten vergibt.

Im Süßwarenbereich stieg der Absatz im vergangenen Jahr besonders schnell: Fairtrade-Gebäck legte um 42 Prozent zu, Eis um 23 Prozent, Schokolade um 22 Prozent. Dazu trugen vor allem die Sortimente von Aldi Nord, Rewe und Lidl bei, in denen zunehmend Artikel mit dem Fairtrade-Siegel zu finden sind. Die Zahlen für weitere Produktkategorien hat Transfair noch nicht veröffentlicht.

In den Bereichen Kaffee und Kakao gewann der Verein vor Kurzem neue Partner: Seit April verkauft die Deutsche Bahn in ihren Zügen nur noch Fairtrade-Kaffee. Anfang des Jahres verkündete außerdem Ritter Sport, künftig einen Teil seines Kakaos („bis zu 20 Prozent“) über Fairtrade zu beziehen.

Trotz des Wachstums und trotz der namhaften neuen Partner: Insgesamt gesehen steckt Fairtrade immer noch in der Nische fest. Pro Kopf und Jahr geben die Deutschen nur rund 13 Euro für zertifizierte Produkte aus.

Ein Grund dafür sei der harte Preiskampf im deutschen Handel, meint der Transfair-Geschäftsführer Dieter Overath. „Die Deutschen retten die Welt gerne mit 99 Cent, aber das ist unmöglich.“ In England, Österreich, den Niederlanden und in der Schweiz ist der Umsatz höher. In der Schweiz sind es sogar schon rund 60 Euro pro Kopf und Jahr.

Noch keine Kleidung mit Siegel

Es gibt weitere Gründe für das Nischendasein: Transfair hat es in den vergangenen Jahren kaum geschafft, sein Siegel in weiteren Produktkategorien zu etablieren. Ein Beispiel ist Kleidung: Im März 2016 stellte Transfair einen neuen Standard für fair produzierte Textilien vor, der die gesamte Lieferkette von der Baumwolle bis zu den Fabriken in Asien umfasst. Doch bislang bietet noch kein Hersteller ein Produkt mit diesem Siegel an. „Die Textilhersteller rennen uns nicht die Türen ein, obwohl die Aufmerksamkeit für das Thema sehr groß ist“, räumt Transfair-Sprecherin Gmeiner ein.

Hinzu kommt, dass in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Siegel auf den Markt gekommen sind, die Fairtrade Konkurrenz machen - zum Beispiel von der Rainforest Alliance und UTZ Certified.

Bahlsen entschied sich 2012 für das UTZ-Logo statt für Fairtrade. „Das UTZ-Siegel hat sich beim Kakao-Anbau durchgesetzt und ist dort deutlich verbreiteter als Fairtrade“, teilte Bahlsen auf Anfrage mit. Die Zielsetzungen der beiden Siegel seien vergleichbar, beide wollten die Lebensbedingungen der Arbeiter auf den Plantagen verbessern.

Tatsächlich versprechen sowohl Fairtrade als auch jüngere Siegel wie UTZ, die sozialen und ökologischen Bedingungen auf den Plantagen zu verbessern. Es gibt aber auch einen wichtigen Unterschied: Nur bei Fairtrade erhalten die Produzenten unabhängig vom Weltmarktpreis einen garantierten Mindestpreis für ihre Rohstoffe.

Positive Auswirkungen

Der Lüneburger Nachhaltigkeitsforscher Daniel Fischer meint, dass die „Siegelflut“ die Verbraucher verunsichert. Fairtrade habe es mittlerweile schwer, aus der Masse von Hunderten Nachhaltigkeits­zeichen herauszustechen. Die Auswirkungen von Fairtrade bezeichnet Fischer als positiv: „Studien weisen deutlich auf positive soziale und ökonomische Wirkungen hin.“

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