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Der Rausch ist vorbei

25 Jahre ICE-Stecke zwischen Hamburg, Hannover, München Der Rausch ist vorbei

Vor 25 Jahren fuhr der erste ICE zwischen Hamburg, Hannover und München – Hannover war von Anfang an mittendrin. Inzwischen ist das Image der Bahn ramponiert und die Konkurrenz macht Druck. Der große Rausch ist vorbei.

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Ein ICE 1 verläss das ICE-Werk Hamburg-Eidelstedt der Deutschen Bahn in Hamburg.

Quelle: Bodo Marks

Hamburg/Hannover. Als die Deutsche Bahn den ICE erstmals fahrplanmäßig auf die Reise schickte, da waren Mitarbeiter und Fahrgäste im Rausch. Neue Ausbaustrecken, futuristisch anmutende Züge, Tempo 250 auf den Gleisen - Deutschland war angekommen im Zeitalter der Hochgeschwindigkeitszüge. „Halb so schnell wie das Flugzeug und doppelt so schnell wie das Auto“, lautete das Motto, mit dem die Bahn für den schnellen Zug und um neue Fahrgäste warb. Auf den Tag genau vor 25 Jahren, am 2. Juni 1991, startete das Unternehmen auf der Strecke zwischen Hamburg und München ins neue Bahnzeitalter, Hannover war von Anfang an mittendrin.

Die Probleme aber haben sich bis heute kaum geändert. Die Bahn ist hoch verschuldet, das Image ist nach Servicepannen ramponiert, und die Konkurrenz macht dem Konzern zu schaffen. Die Bahn kämpft nicht mehr nur gegen das Auto, sondern verstärkt gegen die Fernbusse. Mit ihren Billigpreisen haben die Anbieter der Bahn viele Kunden abgejagt. Und auch der Temporausch ist vorüber. Im Herbst soll der Probebetrieb für den ICE 4 beginnen - es ist der erste ICE, der langsamer sein wird als seine Vorgänger. Der ICE 3 bringt es auf eine Höchstgeschwindigkeit von 330 Stundenkilometern, der Nachfolger macht bei Tempo 250 Schluss.

Die Bahn hat erkannt, dass es nicht allein das Tempo ist, das die Reisenden in die Züge holt. Das Gemurre über schlechten Service und mangelnde Ausstattung der Züge wurde zuletzt immer lauter, unvergessen ist die Panne mit den Klimaanlagen in den ICE-Zügen, die ausgerechnet dann den Dienst versagten, als es draußen am heißesten war. Der ICE 4, verspricht die Bahn, soll stabilere Kühlaggregate haben, außerdem ist er aerodynamischer und leichter als seine Vorgänger, das spart Strom. Und die Bahn spart Geld.

Das Reisen hat sich verändert

Trotz allem hat der ICE in seinen 25 Jahren das Reisen und das Land verändert. Die Fahrzeit zwischen Hannover und Würzburg beispielsweise hat sich im Vergleich zur Vor-ICE-Ära halbiert, Deutschland ist dank der milliardenteuren Hochgeschwindigkeitsstrecken mit ihren Tunnels und Brücken enger zusammengerückt. „Das ganze ICE-Streckennetz, davon profitieren wir als Knotenpunkt ganz gewaltig“, sagt die Sprecherin der Hannover Marketing und Tourismus GmbH, Maike Scheunemann. „Das ist ein Argument für Hannover als Tagungs- und Kongressstandort. Wir merken, dass verstärkt Kongresse hier stattfinden.“

Auch Göttingens Stadtsprecher Detlef Johannson schwärmt von der Anbindung ans schnelle Netz. Die vielen ICE-Verbindungen jeden Tag seien für die Göttinger Wirtschaftsunternehmen und vor allem für die international vernetzten Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen von enormem Vorteil. Dabei hatten die Pläne für die ICE-Trasse zunächst anders ausgesehen. „Der erfolgreiche Kampf Südniedersachsens unter Führung Göttingens für eine Trassierung der Schnellstrecke durch das Leinetal und nicht durch das Wesertal, wie es die Bahn ursprünglich vorhatte, hat sich absolut gelohnt“, meint Johannson.

Allerdings sind es gerade die kleineren Städte wie Göttingen, Fulda oder Kassel, die einen echten Hochgeschwindigkeitsverkehr in Deutschland verhindern. „Auf 70 Prozent der Strecken kommen Sie mit Höchstgeschwindigkeiten zwischen 160 und 220 Stundenkilometern aus“, heißt es bei der Bahn - was kein Wunder ist, wenn die Züge in relativ kurzen Abständen immer wieder halten müssen. Und es kommen weitere Stationen dazu: Als Teil ihrer Kundenoffensive will die Bahn zusätzlich zwei Dutzend Städte ans ICE-Netz anbinden. Nicht überall gibt es dafür Applaus: Aus Sicht des Fahrgastverbands Pro Bahn hält der ICE schon jetzt zu oft. „Für einen wirklichen Hochgeschwindigkeitsverkehr werden heute zu viele Städte angefahren“, sagt der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann.

Doch oft werden Dinge ja erst dann wertgeschätzt, wenn sie nicht mehr da sind. Als die Bahn im Frühjahr zur Hannover Messe die ICE-Trasse zwischen Hannover und Kassel wegen Reparaturen sperrte und sich die Fahrzeiten um eine Stunde verlängerten, gingen Politiker, Messechefs und Handelsvertreter auf die Barrikaden. Tempo hin, Tempo her: Wegzudenken ist der ICE nach 25 Jahren auch nicht mehr.

Von Violetta Kuhn, Michael Evers und Stefan Knopf

Die vier Generationen

Der Debütant

Der ICE 1, die erste Generation, fährt maximal 280 Kilometer pro Stunde. Die 59 Züge haben jeweils zwei Triebköpfe sowie zwölf Mittelwagen und sind 358 Meter lang. Anders als die nachfolgenden Generationen können die einzelnen Züge nicht miteinander verbunden werden. Von 2005 bis 2008 wurden die Züge modernisiert.

Der Kuppler

Der ICE 2 ist seit dem Jahr 1996 in Betrieb und ebenfalls für eine Höchstgeschwindigkeit von 280 Stundenkilometern zugelassen. Im Fuhrpark der Bahn befinden sich 44 Züge, von denen sich je zwei zusammenkuppeln lassen. Alle Züge wurden nach Angaben der Bahn bis zum Jahr 2013 modernisiert. Zuglänge: 205 Meter.

Der Sprinter

Der ICE 3 kam zum Start der Expo?2000 in die Flotte. Die schnellsten Züge der Republik sind für eine Höchstgeschwindigkeit von 330 Kilometern pro Stunde zugelassen. In Deutschland rauschen sie mit bis zu Tempo 300 über die Gleise. Die Bahn hat 79 dieser Züge im Einsatz. Zuglänge: 200 Meter.

Der Neue

Der ICE 4 soll ab Dezember 2017 planmäßig fahren. Mit Tempo 250 ist die neueste Generation langsamer als ihr Vorgänger, verbraucht aber weniger Energie. Gründe sind eine verbesserte Aerodynamik und ein geringeres Gewicht. Im Herbst 2016 sollen die ersten zwei Züge in den Probebetrieb gehen. Zuglänge: 346 Meter.

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