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Niedersachsen 65 000 Stellen sind noch frei
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen 65 000 Stellen sind noch frei
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00:15 01.10.2016
Von Lars Ruzic
Quelle: dpa
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Hannover

Während der Wirtschaftskrise 2009 lag er nicht einmal halb so hoch. Es gebe landesweit 65 000 offene Stellen, sagte der Chef der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen, Klaus Stietenroth, der HAZ. „An so einen hohen Bestand kann ich mich nicht erinnern.“ Jobs gibt es in allen Branchen – jedoch vor allem in der Gesundheitswirtschaft, im Sozialwesen und Dienstleistungsbereich.

Im September setzt traditionell die Herbstbelebung am Arbeitsmarkt ein. Das erkläre die Entwicklung jedoch nur zu einem kleinen Teil, so Stietenroth. Längst gebe es strukturelle Probleme, die sich nicht über Nacht beheben ließen. So bekomme die Wirtschaft zunehmend den sogenannten „Mismatch“ zu spüren, dass sich nämlich die Ansprüche der Arbeitgeber nicht mit den Profilen der Bewerber in Einklang bringen lassen.

Die seit Jahren gute Lage am Arbeitsmarkt macht es den Firmen zudem immer schwerer, Stellen wiederzubesetzen. Wenn langjährige Beschäftigte ausscheiden, finde sich oft nur mit großem Aufwand ein Nachfolger. „Ersatzbeschaffung wird für die Unternehmen zum wachsenden Problem“, so Stietenroth. In der Wirtschaft wächst die Sorge, dass sich dieses Phänomen in den kommenden Jahren noch ausweiten wird – wenn die Baby-Boomer in den Ruhestand gehen, gleichzeitig aber aufgrund des demografischen Wandels weniger Nachwuchs nachrückt.

Gabriel: Mehr Flüchtlinge einspielen

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat von großen Unternehmen erneut mehr Engagement bei der Integration von Flüchtlingen gefordert. Die Dax-30-Konzerne hätten insgesamt lediglich 54 Flüchtlinge eingestellt, davon 50 bei der Post, sagte der SPD-Vorsitzende gestern auf einer Veranstaltung des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) in Berlin. Es könne nicht sein, dass nur Handwerk und Mittelstand diese Aufgabe schultern.
Trotz der stabilen Arbeitsmarktlage sehen Volkswirte die Entwicklung im kommenden Jahr mit Skepsis. Angesichts der immer stärker auf den Arbeitsmarkt drängenden Flüchtlinge und möglicher Brexit-Folgen sei ein Anstieg der Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt kaum zu verhindern, berichteten Ökonomen deutscher Großbanken in einer Umfrage. Sie rechnen mit einer Zunahme der Arbeitslosenzahlen im Jahresdurchschnitt zwischen 30 000 und 150 000.

Den oft propagierten Fachkräftemangel gebe es derzeit noch nicht, betonte der Chef der Regionaldirektion. Nur zeige sich die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage zusehends nicht nur bei den Berufen, sondern auch regional. Im Westen Niedersachsens herrscht teilweise nahezu Vollbeschäftigung, in strukturschwachen Regionen wie dem Harz fehlt es dagegen an Jobs.

Der Stellenindex der Bundesagentur hatte letztmalig 2013 eine Delle zu verzeichnen, seitdem steigt er kontinuierlich an. Längst habe sich der Arbeitsmarkt von der Konjunktur abgekoppelt, heißt es bei der Arbeitsagentur – auch, weil viele von Schwankungen weitgehend unabhängige Branchen wie die Gesundheitswirtschaft, Sozialwesen und Dienstleister verstärkt Jobs anbieten.

„Der Dienstleistungssektor ist ein echter Jobmotor“, sagte Philipp Neddermeyer, Landesgeschäftsführer des Unternehmensverbands AGA. Allein in diesem Jahr werde die Branche in Niedersachsen 12 000 Jobs schaffen. Vor allem im IT-Bereich werde eingestellt. Jedoch hätten es die Betriebe schwer, Leute zu finden. Im Durchschnitt dauere die Suche heute drei, oft vier Monate. In Land seien derzeit 40 Prozent aller Dienstleister auf der Suche nach Fachkräften, so Neddermeyer – „quer durch alle Bereiche“. Der AGA vertritt Groß- und Außenhändler sowie unternehmensnahe Dienstleister im Norden.

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