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Niedersachsen Manipulationssoftware in 11 Millionen VW-Autos
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Manipulationssoftware in 11 Millionen VW-Autos
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17:39 22.09.2015
Von Lars Ruzic
Der VW-Konzern steht unter Druck. Quelle: dpa
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Wolfsburg

Der VW-Konzern will sich zu Medienberichten über eine angebliche Ablösung von Vorstandschef Martin Winterkorn wegen des Abgas-Skandals in den USA nicht äußern. Der in Berlin erscheinende "Tagesspiegel" hatte zuvor unter Berufung auf Aufsichtsratskreise berichtet, das Kontrollgremium wolle den 68-Jährigen an diesem Freitag von seinen Aufgaben an der Konzernspitze entbinden und dafür den bisherigen Porsche-Chef Matthias Müller zum Nachfolger küren. Ein Sprecher von Volkswagen nannte diese Meldung gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters "lächerlich." Am Nachmittag veröffentlichte VW dann ein Videostatement, in dem Winterkorn um Vertrauen bat und sich zugleich für die Manipulationen entschuldigte.

Das Modell EA 189 ist betroffen

Der Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen zieht weltweit Kreise. Wie der Konzern mitteilte, haben interne Nachforschungen Auffälligkeiten bei einem Motortyp ergeben, der in insgesamt elf Millionen Fahrzeugen verbaut worden ist. Beim Modell EA 189 habe es eine "auffällige Abweichung zwischen Prüfstandswerten und realem Fahrbetrieb festgestellt", teilte VW mit.

Man arbeite mit Hochdruck daran, "diese Abweichungen mit technischen Maßnahmen zu beseitigen". Für entsprechende Rückrufaktionen will Volkswagen allein im dritten Quartal 6,5 Milliarden Euro zurückstellen. Ob dieser Wert ausreichen wird, weiß der Konzern selbst noch nicht. Er unterliege "Einschätzungsrisiken", hieß es bei VW. Die Ergebnisziele des Konzerns würden entsprechend angepasst.

Aktienkurs stürzt erneut ab

Die Gewinnwarnung ließ die VW-Aktie weiter abstürzen. Zwischenzeitlich rutschten die Wertpapiere um neuerliche 23 Prozent ab – das tiefste Niveau seit Oktober 2011. Bereits am Montag hatte die Aktie ein Fünftel ihres Werts verloren. An dem Tag hatten bereits Verbraucherschützer vor einem "Super-GAU" bei VW-Aktien gewarnt.

Der Konzern stehe in Kontakt mit den zuständigen Behörden und dem Deutschen Kraftfahrtbundesamt, um diese Abweichungen mit technischen Maßnahmen zu beseitigen. Neben einem Imageverlust drohen Volkswagen Strafzahlungen von bis zu 18 Milliarden Dollar, Rückrufkosten, strafrechtliche Folgen sowie mögliche Regressansprüche von enttäuschten Kunden und Aktionären. Die US-Umweltbehörde wirft VW Manipulation von Schadstoffmessungen bei Dieselautos vor. Die Wolfsburger haben Fehlverhalten eingeräumt und versprochen, mit der Behörde zu kooperieren.

Merkel fordert rasche Aufklärung

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat eine rasche und volle Aufklärung der Abgas-Manipulationen des Volkswagen-Konzerns gefordert. Merkel sprach sich "angesichts der schwierigen Lage" für "volle Transparenz" aus und forderte am Dienstag in Berlin: "Ich hoffe, dass möglichst schnell die Fakten auch auf den Tisch kommen." Es sei richtig, dass Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zusammen mit dem Kraftfahrzeugbundesamt die notwendigen Gespräche führe. Dies sei der einzige Weg, um auch Transparenz zu erreichen. "Insofern sind alle notwendigen Maßnahmen an dieser Stelle eingeleitet - aus meiner Sicht, soweit ich das übersehen kann", sagte Merkel. Zu möglichen Auswirkungen des Skandals auf die deutsche Industrie äußerte sich die Kanzlerin nicht.

Die Affäre um geschönte Abgastests bei VW-Modellen in den USA alarmiert auch die Umweltbehörden in Deutschland. "Eine solche Abgas-Betrügerei täuscht ja nicht nur die Kunden", sagte die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger, am Dienstag laut Mitteilung. "Sie führt auch zu deutlich schlechterer Luft. Das gefährdet die Gesundheit."

(mit: afp/dpa)

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