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Messe verstößt gegen Kartellrecht

Kritik der Rechtsabteilung Messe verstößt gegen Kartellrecht

Erst die eigene Rechtsabteilung stoppt den Versuch der Messe AG, wettbewerbswidrige Absprachen mit einem Konkurrenten in Frankreich zu treffen. Der Aufsichtsrat rügt Vorstand Andreas Gruchow dafür.

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Die Ligna in Hannover gilt als wichtigster Treff der Holzbranche - doch auch in Frankreich wollte die Deutsche Messe mitmischen. Fotos: dpa/Behrens

Hannover. Die Veranstalter haben das Handtuch geworfen: Nachdem der französische Maschinenbauverband Symop und die Deutsche Messe in Hannover ihre Holzwirtschaftsschau Expobois im vergangenen Sommer zunächst auf das Frühjahr 2018 verschieben mussten, wurde sie Mitte April ganz abgesagt: Man sehe „keine Chance, die Veranstaltung auf einem wirtschaftlich tragfähigen Niveau durchzuführen“, teilte der Symop mit.

Das Aus für die Holzmesse wird in der Branche als Beleg für den harten Konkurrenzkampf gewertet - doch für die Deutsche Messe steckt mehr dahinter: Es ist die Konsequenz aus einem umfangreichen Kartellverfahren, in dem nach HAZ-Informationen Bußgelder drohen. Das für den Vorgang verantwortliche Vorstandsmitglied Andreas Gruchow gehe daher angeschlagen in die anstehenden Verhandlungen um die Verlängerung seines Vertrages, heißt es.

Rückblende: Als im Mai 2015 die Unterhändler des Symop an die Deutsche Messe herantreten, gilt eine andere Veranstaltung als Leitmesse der Holzwirtschaft in Frankreich - die Eurobois in Lyon. Ausrichter ist mit GL Events eine Gesellschaft, die weltweit Ausstellungen organisiert. In Paris veranstaltet der Symop mit der ähnlich klingenden Expobois ebenfalls eine Messe für Holzbearbeitung.

Bis dahin haben die Veranstaltungen im zweijährlichen Rhythmus stattgefunden, doch der Symop drängt nun auf eine Expobois im September 2016 in Paris, obwohl im November in Lyon die Eurobois ihre Tore öffnen soll. Wie aus internen Unterlagen hervorgeht, verständigen sich der Symop und die Deutsche Messe im Juli 2016 darauf, der Eurobois Konkurrenz zu machen. GL Events kontert diesen Vorstoß aus Paris mit aggressiver Werbung und Preisnachlässen für die eigene Messe im November in Lyon.

Schon das trifft die Herausforderer hart - zudem haben die Planer der Deutschen Messe übersehen, dass sich der Termin ihrer Expobois mit der Hausmesse ihres größten Ausstellers auf der hannoverschen Holz-Leitmesse Ligna überschneidet: In den geraden Jahren lädt der Maschinenhersteller Homag seine Kunden in seine Zentrale im Schwarzwald.

Weder in Hannover noch bei GL Events sind die verantwortlichen Manager mit dieser Ausgangslage glücklich - die Anmeldungen zu den beiden Euro-Messen bleiben unter den Erwartungen, es drohen Verluste. Als sich im April 2016 zwei Führungskräfte von GL Events und Messe AG zufällig über den Weg laufen, steht schnell eine Idee im Raum: Kooperation statt Konkurrenz. Bald steht die Vereinbarung: Die Deutschen wollen die Expobois absagen und sollen dafür im Gegenzug 30 Prozent der Einnahmen der Eurobois erhalten. Der für das Auslandsgeschäft zuständige Vorstand Gruchow ist in die Verhandlungen eingebunden.

Doch der Plan scheitert im Mai am Veto der eigenen Rechtsabteilung: Diese informiert den übrigen Vorstand, man sichert alle verdächtigen E-Mail-Konten und mandatiert umgehend die auf das Kartellrecht spezialisierte Kanzlei Glade Michel Wirtz. Anfang Juli meldet die Messe AG den Kartellrechtsverstoß der EU-Kommission und beantragt die Kronzeugenregelung. Brüssel gibt den Fall an die nationalen Kartellämter ab.

Die Messe hofft nun auf einen gütlichen Ausgang. „Drei von vier Behörden haben entschieden, derzeit kein Verfahren aufzunehmen“, sagt ein Unternehmenssprecher. Zwei Manager erhielten eine Abmahnung - Vorstandsmitglied Gruchow wurde vom Aufsichtsrat nach HAZ-Informationen eine Rüge erteilt.

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