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Niedersachsen Bauern fordern Begrenzung der Massentierhaltung
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00:19 26.01.2019
Geflügelhof: Futter wird importiert, Gülle abtransportiert Quelle: dpa
Hannover

Naturschützer und ein Teil der niedersächsischen Bauern verlangen von der Landesregierung mehr Maßnahmen für eine umweltfreundliche Landwirtschaft. Unter anderem müssten die Tierbestände in einigen Regionen Niedersachsens reduziert werden, fordern der Naturschutzbund Nabu, der Bund deutscher Milchviehhalter (BDM) und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) in einer gemeinsamen Erklärung. „Wir brauchen gesellschaftliche Akzeptanz für unsere Produkte“, betonte Peter Habbena, Landesvorsitzender des BDM, gegenüber der HAZ.

BDM und AbL vertreten vor allem kleine und mittelgroße Betriebe. Mit ihren Forderungen stellen sie sich gegen die Interessen großer Schweine- und Geflügelmäster, die vor allem in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta im Nordwesten Niedersachsens sitzen. Die Tierhaltung in dieser Region steht seit Längerem in der Kritik – unter anderem, weil überschüssige Gülle die Qualität des Grundwassers beeinträchtigt.

Die beiden Bauernverbände und der Nabu verlangen von der Landesregierung nun eine Reihe von Gegenmaßnahmen. Die Politik müsse Tierbestände reduzieren, den „Gülletourismus“ eindämmen und Futterimporte aus Übersee reduzieren, heißt es in dem Papier, das sie am Mittwoch Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) und Umweltminister Olaf Lies (SPD) übergaben.

Mit „Gülletourismus“ meinen die Verbände den Transport von überschüssiger Gülle aus Regionen mit vielen Ställen in benachbarte Gegenden, in denen der Boden noch Dünger vertragen kann. Diese Fahrten hätten in letzter Zeit zugenommen, seien jedoch aufgrund des Transportaufwands ökologisch nicht sinnvoll. „Da müsste das Land regulierend eingreifen“, sagte Ottmar Ilchmann, Landesvorsitzender der AbL.

Auch der Import von Viehfutter, zum Beispiel Soja, aus Übersee sollte aus Sicht der Verbände reduziert werden. Damit würde die Politik mehrere Ziele auf einmal erreichen, sagte Ilchmann. Die Überproduktion würde zurückgefahren, die Landwirte würden bessere Preise für ihre Produkte erzielen und die Gewässer weniger mit Gülle belasten. Darüber hinaus würden „Dumping-Exporte“ von Fleisch in Drittländer begrenzt, die zum Beispiel afrikanische Bauern unter Druck setzen. Außerdem fordern die Verbände, Fördergelder stärker an Umweltauflagen knüpfen.

Landvolk: Bestände sinken ohnehin

Beim Landvolk, das die Mehrheit der niedersächsischen Bauern vertritt, stießen einige der Forderungen auf Kritik. Die Tierbestände seien ohnehin schon gesunken, weil das Baurecht den Bau neuer Ställe verhindere, sagte eine Sprecherin. „Leider sind davon auch junge Landwirte betroffen, die einen kleinen Hof ausbauen möchten. Und leider können damit auch viele Stallbauten zur Verbesserung des Tierwohls nicht umgesetzt werden.“

Eine Beschränkung der Gülletransporte würde insbesondere kleine Tierhalter mit wenig Fläche in Bedrängnis bringen, sagte die Sprecherin. Futtermittelimporte spielten nur eine kleine Rolle: „Mehr als 90 Prozent des in Deutschland von Tierhaltern genutzten Futters stammt aus heimischer Erzeugung.“ Ein gewisser Soja-Anteil sei aber für die richtige Eiweißzusammensetzung sinnvoll.

Von Christian Wölbert

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