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Niedersachsen Agrarminister Lindemann wirbt für multifunktionale Forstwirtschaft
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Agrarminister Lindemann wirbt für multifunktionale Forstwirtschaft
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07:44 03.06.2011
Von Carola Böse-Fischer
Maschinenvorführung auf der Ligna: Die industrielle Nutzung des Holzes dient auch dem Klimaschutz, weil CO2 lange in den Produkten gebunden wird. Quelle: dpa
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Niedersachsens Agrarminister ist auch für die Wälder des Landes zuständig. Privat ist Gert Lindemann, jüngst erst von Ministerpräsident David McAllister als Nachfolger der glücklosen Astrid Grotelüschen ins Amt geholt, selbst Waldbesitzer und seit Jahren Mitglied einer Forstgenossenschaft. Für die „Zukunftskonferenz Forst- und Holzwirtschaft“ auf der Ligna in Hannover musste sich der Minister, zuvor schon Agrarstaatssekretär im Land und im Bund, also nicht lange einarbeiten.

Brisante Themen gibt es genug – etwa die „nationale Strategie der biologischen Vielfalt“, mit der schon die alte Bundesregierung ein UN-Abkommen umsetzen wollte. Danach soll die naturbelassene Waldfläche bis 2020 auf 5 Prozent des gesamten deutschen Forstes ausgeweitet werden. Diese Waldflächen sollen sich selbst überlassen bleiben, kein Holz soll eingeschlagen und genutzt werden.

Darum streiten Naturschützer vom WWF oder BUND mit öffentlichen und privaten Waldbesitzern. Letzteren gehören in Niedersachsen knapp 60 Prozent der 1,1 Millionen Hektar Wald. Private Waldeigentümer fürchten die Enteignung, wenn die Waldstrategie 2020 umgesetzt würde. Der Deutsche Bauernverband hat deshalb Alarm geschlagen – und warnt davor, „zweifelhaften und verklärten Interessen bestimmter Gesellschaftsgruppen nachzulaufen, die Waldnutzung zu sozialisieren und durch widersinnige Auflagen einzuschränken“.

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Davon hält auch Lindemann wenig. Der Minister verweist darauf, dass Niedersachsen bereits mit dem Nationalpark Harz und dem „grünen Band“, also der ehemaligen Zonengrenzregion, mehr als 30 000 Hektar naturbelassene Flächen habe – so viel, dass „das 5-Prozent-Ziel für ganz Deutschland schon erfüllt wäre“. Wenn man noch mehr Flächen für einen „Totalschutz“ reservieren wolle, „dann nur gegen Entschädigung der privaten Waldbesitzer“.

Zudem sei die Waldstrategie 2020 „keine gesetzliche Verpflichtung“, betont Lindemann. Er macht kein Hehl daraus, dass er die Waldstrategie für den falschen Ansatz hält. Dem Klimaschutz, ebenso eine wichtige Funktion der Wälder, sei besser in einem „wachsenden Forst“ gedient als in einem Wald, der „sein Endstadium“ erreicht habe. Denn nur dann werde zusätzliches CO2 aufgenommen und gespeichert. „Wenn wir in Niedersachsen zusätzliche Holzpotenziale nutzen, und das wären nachhaltig etwa eine Million Kubikmeter jährlich mehr, ist das ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz“, erklärt Lindemann: „Holz ersetzt fossile Brennstoffe oder bindet CO2 in langlebigen Produkten.“

Die Klagen der Holz verarbeitenden Industrie, dass die rasant wachsende Verbrennung von Holz, die zudem staatlich gefördert werde, die Konkurrenz um den Rohstoff anheize und die Preise hochtreibe, hält der Minister für „zu pauschal“. Man müsse schon genau hinsehen. So sei etwa Schwachholz auf neu aufgeforsteten Flächen gar nicht für die Zellstoffindustrie geeignet. Manche, die am lautesten klagten, „müssten eigentlich schweigen“, erklärt Lindemann in Anspielung auf Subventionen von 250 Millionen Euro für Europas größtes Zellstoffwerk im sachsen-anhaltinischen Stendal. Die Versorgung der Holzwirtschaft mit dem Rohstoff sei durch die Verbrennung jedenfalls nicht gefährdet.

Das Prinzip der multifunktionalen Forstwirtschaft, nach dem hierzulande verfahren wird, hat sich nach Lindemanns Überzeugung bewährt. Dadurch produzierten die Wälder heute mehr Holz, gleichzeitig böten sie den Bürgern Erholung, und ihre biologische Vielfalt erhöhe sich weiter, was gleichzeitig dem Umwelt- und Klimaschutz diene. Damit „ist die heimische Forstwirtschaft weltweit anerkanntes Vorbild.“

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