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"Notstand" rechtfertigt Aufseher Pötsch bei VW

Aktionärsschützer "Notstand" rechtfertigt Aufseher Pötsch bei VW

Wegen der schweren Krise bei Volkswagen gibt es nach Ansicht von Aktionärsschützern keine Alternative zur Ernennung von Finanzchef Hans Dieter Pötsch zum Aufsichtsrat per Gericht. Von einem "übergesetzlichen Notstand" spricht die Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Am Mittwoch kommt der VW-Aufsichtsrat zur nächsten Krisensitzung zusammen.

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Für Aktionärsschützer ist die Ernennung von Hans Dieter Pötsch zum Aufsichtsrat per Gerichtbeschluss gerechtfertigt.

Quelle: dpa

Wolfsburg. Vor der nächsten Krisensitzung des VW-Aufsichtsrats am Mittwoch gehen die Meinungen über den designierten Chefkontrolleur Hans Dieter Pötsch immer noch weit auseinander. Nach Ansicht des Präsidenten der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, gestattet die Zeitnot in der schweren Krise auch die Ernennung Pötschs per Gerichtsbeschluss. Dagegen fordert die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), statt Pötsch einen "unbelasteten, externen Kandidaten" zu suchen.

Am Mittwoch will der komplette Aufsichtsrat in Wolfsburg dem Beschluss des VW-Präsidiums von vergangener Woche zustimmen, wonach Pötsch durch das Amtsgericht Braunschweig in das Kontrollgremium geschickt werden soll. "Wir haben hier einen übergesetzlichen Notstand", begründete Hocker gegenüber der Deutschen Presse-Agentur seine Position. Aus diesem Grund sei die Bestellung Pötschs ausnahmsweise auch ohne die sonst vorgeschriebene Wahl bei einer Hauptversammlung zu akzeptieren - "mit Bauchschmerzen, aber eben ohne Alternative". Pötsch sei von seiner Kompetenz her der richtige Mann.

Dies sieht SdK-Vorstand Daniel Bauer anders: "Ich habe weniger Bauchschmerzen mit der Art seiner Ernennung als mit der Person selbst." Um das Vertrauen der Anleger wiederherzustellen, sei ein radikaler Schnitt und die Neubesetzung mit einem externen Kandidaten die bessere Wahl. "So bleibt ein Geschmäckle und die Gefahr, dass die weiteren Ermittlungen doch noch Personen im neu zusammengesetzten Aufsichtsrat belasten."

Ungeachtet der unterschiedlichen Meinungen zu der Top-Personalie eint die Aktionärsvertreter ein Wunsch zum Ablauf: Pötschs Wahl müsse spätestens bei der nächsten VW-Hauptversammlung offiziell nachgeholt werden. "Jetzt ist es erst einmal entscheidend und notwendig, dass der Konzern und die Organe funktionieren", meinte Hocker.

Unterdessen warnte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, vor Überregulierungen. Sollte es der Wirtschaft nicht gelingen, selbst für mehr Transparenz zu sorgen, werde die Politik die Aufgabe übernehmen. "Doch die Regierung sollte dieser Versuchung widerstehen und diesen Fall nicht überstürzt zum Anlass nehmen, radikal an der Regulierungsschraube zu drehen."

Zwei Wochen nach dem Bekanntwerden der weltweiten Abgas-Affäre ist bei den routinemäßigen Untersuchungen der Finanzaufsicht zum Handel mit VW-Aktien derweil noch kein Ende in Sicht. "Wir wissen nicht, wann sie abgeschlossen sein werden", sagte eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Zudem prüfe die Bafin, ob VW bei der Veröffentlichung des Abgas-Skandals entsprechend dem Aktiengesetz gehandelt habe.

Kritiker werfen Volkswagen vor, die Öffentlichkeit zu spät über die Probleme informiert zu haben. Laut einigen Juristen hat sich der Konzern wegen einer Reihe von unterlassenen sowie unvollständigen Kapitalmarkt-Informationen gegenüber seinen Aktionären schadenersatzpflichtig gemacht. VW drohen deshalb Sammelklagen.

Auch in der dritten Börsen-Woche nach der Enthüllung der Manipulationen bei Diesel-Fahrzeugen konnte sich der Kurs der VW-Vorzugsaktien nicht erholen. Zum Wochenbeginn sackten die Papiere an der Frankfurter Börse erneut ab - mit 86,36 Euro fielen sie zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren.

Die Diesel-Affäre könnte nach Angaben von EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström auch die weiteren Verhandlungen mit den USA über das Handelsabkommen TTIP belasten. Sie habe vor der Affäre viel Zeit aufgewendet, um den Amerikanern zu erklären, dass Europa die höchsten Umweltstandards habe. "Und jetzt stellt sich heraus: Wir sind nicht perfekt", sagte die Schwedin der "Süddeutschen Zeitung" (Montag).

Darüber hinaus hat der Abgas-Skandal nach Berechnungen der Unternehmensberatung Interbrand dem Markenwert von VW geschadet. In der am Montag veröffentlichten jährlichen Rangliste der wertvollsten Marken sank der VW-Wert um neun Prozent auf gut 12,45 Milliarden Dollar (11,1 Mrd Euro). Im Ranking rutschte VW dadurch vom 31. auf den 35. Platz ab. Bei der Konzernmarke Audi sehen die Experten noch ein Plus beim Markenwert von fünf Prozent auf 10,3 Milliarden Dollar, wodurch sie sich um einen Platz auf den 44. Rang verbessert.

dpa

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