Bei dem Bahntechnikunternehmen Alstom Transport (früher Alstom LHB) in Salzgitter droht offenbar ein drastischer Stellenabbau. Nach Angaben des Betriebsrates und der IG Metall bereitet die Firma Massenentlassungen vor. Die „ziemlich offen laufenden Vorbereitungen“ deuteten darauf hin, dass die Belegschaft halbiert werden solle. Dies würde bedeuten, dass bis zu 1400 Arbeitsplätze gefährdet wären.
Der französische Konzern wies solche Befürchtungen am Dienstag zurück, bestätigte allerdings, dass das Management auch über „mögliche Stellenreduzierungen“ nachdenke. Bisher habe man darüber noch keine Entscheidungen getroffen. Wie hoch ein Arbeitsplatzabbau ausfallen könnte, wollte ein Alstom-Sprecher nicht beziffern. „Über Zahlen wollen wir nicht spekulieren.“ In dem Werk in Salzgitter sind rund 2800 Mitarbeiter beschäftigt, darunter 270 Zeitarbeiter und befristet Beschäftigte.
„Es ist klar, dass wir zu wenig profitabel sind“, sagte der Firmensprecher. Dank früher an Land gezogener Aufträge sei die Auslastung des Werks noch recht gut. Da die Auftragseingänge seit einiger Zeit rückläufig seien, zeichne sich aber ein „Auslastungsthema“ ab, wenn nicht neue Bestellungen kämen. Das Management prüfe Wege, um die Profitabilität zu verbessern.
Nach Auskunft des Betriebsrates ist schon länger absehbar, dass die Produktionsstätte Ende dieses Jahres oder Anfang 2012 ein Auslastungsproblem haben werde. Schon jetzt schreibe die Alstom Transport Deutschland GmbH Verluste, hieß es. Seit März 2010 hätten die Arbeitnehmer in Verhandlungen versucht, mit der Geschäftsführung eine Vereinbarung zu treffen, wie man die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes etwa durch verbesserte Abläufe, aber auch durch Beiträge der Mitarbeiter sichern könne. Bei den Gesprächen habe man „tragfähige Ergebnisse“ erzielt, betonte der Betriebsrat. „Die Geschäftsführung jedoch erklärte immer am Ende der Verhandlungen, nicht die Genehmigung des Konzerns zur Unterschrift zu haben.“
Alstom-Chef Patrick Kron habe angekündigt, bei einer Sitzung des europäischen Betriebsrates von 23. bis 25. Februar die künftige Strategie der Transportsparte vorzustellen. Die Pläne des Unternehmens sehen dem Betriebsrat zufolge auch vor, die Kapazitäten in Salzgitter drastisch zu verringern und den Rohbau von Schienenfahrzeugen nach Polen zu verlagern.
Die Arbeitnehmervertreter sind bereit, den Konzern bei einem Umbau der Sparte zu unterstützen. Sie verlangen aber Garantien für den Standort Salzgitter sowie den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen. Auf einer öffentlichen Betriebsversammlung und mit einem Demonstrationszug in der Innenstadt von Salzgitter-Lebenstedt wollen die Beschäftigten am 9. Februar ihren Forderungen Nachdruck verleihen. Als Redner sind Betriebsratschef Bernd Eberle und IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine angekündigt. Der Betriebsrat kritisierte, dass das Werk in den vergangenen Jahren häufig umstrukturiert worden sei und dies „nicht gefruchtet“ habe. Zuletzt hat es verschiedene Änderungen in der Geschäftsführung gegeben. Vor einigen Monaten hatte der Alstom-Konzern mitgeteilt, dass in seiner Sparte „Power“ (Kraftwerksbau) 4000 Stellen wegfallen sollten, unter anderem in Deutschland.
Dirk Stelzl
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