Das Bahntechnikunternehmen Alstom Transport hat nach wochenlangen Diskussionen erstmals beziffert, wie viele Arbeitsplätze in seinem Werk in Salzgitter gestrichen werden sollen. Demnach sollen 700 Stellen wegfallen. Außerdem will der Konzern Verträge von Zeitarbeitskräften und befristet Beschäftigten nicht verlängern – wie viele Mitarbeiter davon betroffen sind, blieb am Dienstag offen. Der Rohbau von Schienenfahrzeugen soll den Plänen zufolge nach Polen verlagert werden.
Nach den nun vorgelegten Zahlen fiele der Abbau geringer aus, als von der Belegschaft bisher befürchtet. Sie hatte davor gewarnt, dass an dem niedersächsischen Standort bis zu 1400 von rund 2800 Stellen bedroht seien. Die IG Metall nimmt jedoch an, dass es doch noch zu einem solchen Kahlschlag kommen könne. Die Angaben des Unternehmens, wonach 700 Jobs auf der Kippe stehen, seien nur die halbe Wahrheit, meinte Bezirksleiter Hartmut Meine. Auch Ministerpräsident David McAllister (CDU) äußerte „scharfe“ Kritik an der Entscheidung des französischen Unternehmens.
Insgesamt plant die Alstom-Transportsparte nach den Firmenangaben den Abbau von 1380 festen Arbeitsplätzen in mehreren Ländern. Neben Salzgitter stünden in Barcelona sowie in italienischen Werken Arbeitsplätze zur Disposition, teilte der Konzern mit. Diesen „Entwurf eines Anpassungsplans“ habe man den Mitgliedern des europäischen Alstom-Betriebsrates übergeben.
Der Stellenabbau in Salzgitter solle die „notwendige Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit gewährleisten“ und einer absehbar unzureichenden Auslastung entgegenwirken. Das Werk, in dem Regionalzüge und Straßenbahnen produziert werden, leidet unter mangelnder Profitabilität. Der Standort habe in den vergangenen fünf Jahren nicht kostendeckend Schienenfahrzeuge herstellen können, hatte Alstom unlängst erklärt.
In welchem Zeitraum und auf welche Weise der Stellenabbau vonstatten gehen soll, ist unklar. Dies solle in einem „Informations- und Beratungsprozess“ mit den Arbeitnehmern geklärt werden, sagte ein Alstom-Sprecher. Man werde Verhandlungen über einen Sozialplan und Interessenausgleich führen.
Die Alstom-Beschäftigten in Salzgitter und die IG Metall zeigten sich empört: „Damit wäre das Schicksal des Standortes besiegelt“, sagte Gewerkschafter Meine. „Diesen Rückzug auf Raten werden wir nicht widerstandslos hinnehmen. Es wird massive Proteste gegen diese irrationale und ökonomisch unsinnige Entscheidung geben.“ In den vergangenen Monaten hätten IG Metall und Betriebsrat immer wieder Vorschläge zur Standort- und Beschäftigungssicherung unterbreitet, um das Werk produktiver zu machen.
Nach Einschätzung der Gewerkschaft sind in Salzgitter weiterhin bis zu 1400 Arbeitsplätze gefährdet. „Trotz hervorragender Marktsituation soll nach unserem Eindruck in Salzgitter ein Alstom-Standort scheibchenweise plattgemacht werden,“ kritisierte der Zweite IG-Metall-Bevollmächtigte in Salzgitter, Horst Ludewig. „Ohne Rohbau und Vorfertigung ist das Ende für den Standort nur noch eine Frage der Zeit.“
Ministerpräsident McAllister bezeichnete das Vorhaben von Alstom – angesichts einer stabilen Nachfrage nach Schienenfahrzeugen – als „nicht nachvollziehbar“. Er habe sich vom Alstom-Vorstand konstruktive Vorschläge zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit in Salzgitter erhofft, die geringere Einschnitte ermöglicht hätten. Mitglieder der Landesregierung hätten mehrere Gespräche geführt – doch „die Konzernführung hat kein Entgegenkommen gezeigt“. Jetzt müsse alles getan werden, um den drohenden massiven Arbeitsplatzabbau zu verhindern. Das Wirtschaftsministerium werde Gespräche mit Konzernleitung, Arbeitnehmervertretern, Stadt Salzgitter und Arbeitsagentur führen, um möglichst viele Arbeitsplätze doch noch zu erhalten und die möglichen Folgen für die Region Salzgitter abzumildern.
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