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Niedersachsen Anleger jubeln über Zerschlagung von Innogy
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Anleger jubeln über Zerschlagung von Innogy
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10:22 15.03.2018
So viel ist klar: Eon will die RWE-Tochter Innogy übernehmen. Was das konkret heißt, weiß Innogy-Chef Uwe Tigges noch nicht. Quelle: dpa
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 Die Pläne der Energiekonzerne Eon und RWE, ihre Geschäfte neu zu ordnen, kommen bei Aktionären und Arbeitnehmervertretern gleichermaßen gut an. Nach der Ankündigung der beiden Versorger, die RWE-Tochter Innogy zu zerschlagen und unter sich aufzuteilen, zogen die Aktienkurse der drei Unternehmen am Montag deutlich an. Eon-Papiere legten zwischenzeitlich um etwa 5 Prozent zu, RWE-Aktien um knapp 9 Prozent. Innogy-Papiere schossen gar um 13 Prozent in die Höhe. Die Gewerkschaften Verdi und IG BCE begrüßten die Neuordnung ebenfalls.

Eon hat vor, zunächst Innogy komplett zu übernehmen und im Gegenzug den Konkurrenten RWE am eigenen Unternehmen beteiligen. Eon würde dabei das lukrative Innogy-Netzgeschäft erhalten, die erneuerbaren Energien sollen unter dem Dach von RWE vereint werden. Was bedeuten diese Pläne für den Energiemarkt und die einzelnen Unternehmen? Was kommt auf die Beschäftigten zu – und was heißt das für die Stromkunden? 

Eon und RWE haben sich erst vor zwei Jahren aufgespalten. Warum sortieren sich die Konzerne schon wieder neu?

 Eon hat 2016 mit der konventionelle Stromerzeugung und dem Großhandel das alte Kerngeschäft in das neue Unternehmen Uniper ausgegliedert. Im ersten Schritt brachte der Konzern rund die Hälfte von Uniper an die Börse - und will jetzt den Rest an Fortum verkaufen. Bei Eon blieben die Sparten Vertrieb, Netze und erneuerbare Energien. RWE hat seinerzeit die Ökostromsparte samt Verteilnetzen als Innogy abgespalten. Jetzt wollen sich beide Konzerne fokussieren: Eon auf das Geschäft mit den Netzen und den Vertrieb, RWE auf die Stromerzeugung.

Warum ist das Netzgeschäft für Eon so attraktiv?

Anders als bei der Stromerzeugung ist das Geschäft mit den Stromleitungen klar kalkulierbar. Während an der Strombörse die Preise schwanken, sind die Gebühren für die Durchleitung des Strom durch die Netze reguliert. Die Renditen sind also stabil – und gelten als lukrativ. Für den Transport über die großen Stromautobahnen von Nord nach Süd sind andere Unternehmen zuständig wie beispielsweise Tennet.

Was bedeuten die Pläne für den Wettbewerb auf dem Energiemarkt?

Das Bundeskartellamt wollte das Geschäft gestern nicht kommentieren. Vermutlich muss

ohnehin die EU-Kommission den Fall prüfen. Aus Wettbewerbssicht sei der Deal aber unproblematisch, sagte das frühere Mitglied der Monopolkommission, Justus Haucap, der „Rheinischen Post“: Im Vertrieb gebe es starke Konkurrenz und bei den Netzen bestimme die Bundesnetzagentur die Rendite.

Ändert sich für die Stromkunden also nichts?

Verbraucherschützer hoffen durch die Aufspaltung von Innogy auf sinkende Preise.  Im Prinzip sei es zwar eine schlechte Nachricht für die Kunden, wenn ein Versorger vom Markt verschwinde, sagte der Chef der Verbraucherzentrale Bundesverband, Klaus Müller. Innogy sei aber ein eher teurer Grundversorger: „Darum ist zu hoffen, dass Eon die Strompreise senken wird.“

Was versprechen sich die Gewerkschaften von dem Deal?

Nach Einschätzung von Verdi-Chef Frank Bsirske entsteht dadurch die Chance, „starke und investitionsfähige Unternehmen aufzubauen und Perspektiven für Wachstum und Arbeitsplätze zu erschließen“. Für Eon und RWE verbesserten sich in der neuen Struktur künftig die Finanzierungsbedingungen, sagte IG BCE-Chef Michael Vassiliadis. Eon werde zu einem der führenden Anbieter im Netz- und Vertriebsbereich. RWE werde zur Nummer Drei für erneuerbare Energien im Europäischen Markt, zur Nummer Zwei im Bereich Wind-Offshore und zur Nummer Fünf bei Wind-Onshore.

Von Jens Heitmann

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