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Niedersachsen Zahl befristeter Jobs auf Rekordniveau
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Zahl befristeter Jobs auf Rekordniveau
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15:01 03.07.2018
Die Zahl befristeter Arbeitsverträge ist gestiegen. Quelle: dpa-tmn
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Hannover

In Deutschland werden immer mehr Arbeitsverträge befristet. Nach Angaben des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist die Zahl der zeitlich begrenzt Beschäftigten im vergangenen Jahr auf das Rekordniveau von knapp 3,2 Millionen gestiegen – ein Zuwachs von mehr als 10 Prozent. Damit war jeder zwölfte Arbeitnehmer nur befristet eingestellt. Bei fast der Hälfte dieser Verträge wurde dafür kein sachlicher Grund angegeben.

Einen Höchststand verzeichnen die Arbeitsmarktforscher jedoch auch bei den Übernahmen: So wurden im ersten Halbjahr 2017 rund 42 Prozent der zeitlich begrenzen Arbeitsverträge wegen einer innerbetrieblichen Übernahme entfristet, ein Drittel der auslaufenden befristeten Verträge wurde verlängert – nur jeder vierte befristet Beschäftigte musste seinen Arbeitsplatz verlassen. Das sei auch eine Folge der guten Konjunktur, heißt es in Nürnberg. Zum Vergleich: Im Jahr 2009, also mitten in der Finanzkrise, waren noch mehr als ein Drittel der befristeten Verträge nicht verlängert worden.

Es gibt viele Übernahmen

Nach Einschätzung des IAB werden befristet Beschäftigte besonders oft übernommen, wenn für die Begrenzung des Arbeitsvertrages keine Begründung angegeben war. Als sachgrundlose Befristung gilt ein Arbeitsverhältnis, das ohne triftigen Grund auf Zeit geschlossen wird – anders verhält es sich, wenn Betrieben Stellen zeitlich begrenzt besetzen, weil eine Elternzeit oder ein Sabbatical zu überbrücken ist. „Die sachgrundlosen Befristungen werden häufig als Rekrutierungsinstrument genutzt und scheinen nicht selten als Brücke in unbefristete Beschäftigung zu fungieren“, schreibt der Autor der Studie, Christian Hohendanner.

Vor diesem Hintergrund blickt man beim IAB skeptisch auf die von der Bundesregierung geplante Beschränkung befristeter Arbeitsverhältnisse. Laut Koalitionsvertrag soll der Anteil sachgrundloser Befristungen bei Arbeitgebern mit mehr als 75 Mitarbeitern auf 2,5 Prozent der Beschäftigten beschränkt und die Höchstdauer dieser Befristungen von 24 auf 18 Monate verkürzt werden. Zudem wollen Union und SPD die Befristung von Arbeitsverträgen beim selben Arbeitgeber generell auf maximal fünf Jahre beschränken, um endlosen Ketten-Befristungen einen Riegel vorzuschieben.

Für den Fall einer solchen Reform befürchtet IAB-Forscher Hohendanner, dass Arbeitgeber dann stärker auf andere Beschäftigungsformen wie Zeitarbeit oder Werk- und Dienstverträge ausweichen könnten oder sich mit Einstellungen zurückhalten. Die pauschale Begrenzung von Kettenbefristungen auf fünf Jahre – ohne Berücksichtigung des Einzelfalls – könnte seiner Ansicht nach im ungünstigsten Fall dazu führen, dass betroffene Arbeitnehmer am Ende ganz ohne Vertrag dastehen könnten, weil Arbeitgeber das Risiko einer Festanstellung scheuen.

Von Jens Heitmann

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