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Riese in Riechweite

Aromenhersteller Symrise Riese in Riechweite

Der Aromen- und Duftproduzent Symrise stellt sowohl Luxusparfüm, wie auch Waschmittel her und machte damit im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2,6 Milliarden Euro. Der Konzern dominiert Holzminden - und will weiter wachsen.

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Aromenhersteller Symrise aus Holzminden will weiter expandieren

Quelle: dpa

Holzminden. Hier am Katernstein wird die Nähe fast erdrückend. Auf der einen Seite der kleinen Sackgasse reihen sich Wohnhäuser im Stil der Jahrhundertwende aneinander, auf der anderen kommen nur Zaun, Grünstreifen und Industrie. Aus dem Fenster blicken die Anwohner auf den Parfümöl-Mischbetrieb von Symrise. 3000 Rohstoffe lagern und verarbeiten sie hier, 60 Tonnen am Tag. Ob für Waschmittel oder Luxusparfüm: Rund um die Uhr erzeugen die Anlagen Duftkompositionen für die Welt - jedenfalls an Werktagen. Am Wochenende muss Ruhe herrschen, der Anlieger wegen. Die Gerüche haben sie dank moderner Filtertechniken zwar weitgehend unterbunden. Mit dem Lärm der Lkw geht das nicht so leicht.

Der Aromen- und Duftproduzent Symrise stellt sowohl Luxusparfüm, wie auch Waschmittel her und machte damit im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2,6 Milliarden Euro. Der Konzern dominiert Stadt Holzminden - und will weiter wachsen.

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Rainer Warneke genügt das längst nicht mehr. Der Chef der Parfümproduktion braucht eine Kapazitätserweiterung. Der Konzern hat das Geschäft weitgehend in der Zentrale zusammengezogen, kleinere Standorte im Ausland geschlossen. Für Luxusparfüm ist Holzminden inzwischen der einzige Produktionsstandort in Europa. „Es macht keinen Sinn, die Herstellung zu zersiedeln“, sagt Warnecke. 40 Prozent Kapazitätserweiterung brauchte der Manager - und bekam sie, ohne die Produktionsanlagen zu erweitern. Die Ladezone wird eingehaust, ein Teil der Logistik in einen Tunnel unter die Erde verlegt. So gerät Symrise nicht in Konflikt mit den Lärmschutzvorgaben - und kann an sieben statt fünf Tagen in der Woche produzieren. 15 Millionen Euro lässt sich der Konzern das kosten.

Es ist nur eines von unzähligen Erweiterungsprojekten des Duft- und Aromenherstellers an seinem Firmensitz. Seit Jahren ist Symrise, 2003 aus der Fusion der Holzmindener Nachbarn Haarmann & Reimer und Dragoco hervorgegangen, auf Wachstumskurs. Nach Übernahmen und dem Einstieg in neue Geschäftsfelder sieht sich das M-Dax-Unternehmen als Nummer zwei in der Welt. Allein im vergangenen Jahr stiegen die Erlöse um gut ein Viertel auf 2,6 Milliarden Euro.

200 Millionen Euro in Holzminden investiert

Obwohl der Konzern vor allem im Ausland wächst, profitiert davon die Zentrale. Schließlich stehen hier die modernsten und größten Anlagen. Ihren Ausstoß zu steigern ist - wie so oft in der chemischen Industrie - leichter als der Aufbau einer neuen Produktion auf der grünen Wiese. So erlebt die kleine Stadt an der Weser, die seit mehr als 140 Jahren mit der Duft- und Aromenbranche in enger Symbiose lebt, einen Investitions- und Erweiterungsschub wie lange nicht mehr. „Wir haben in den vergangenen Jahren mehr als 200 Millionen Euro in Holzminden investiert“, sagt Symrise-Chef Heinz-Jürgen Bertram. „Und in den nächsten Jahren dürfte es noch einmal die gleiche Summe werden.“

Auf den beiden Werksgeländen inmitten der Stadt ragen die Baukräne in die Höhe. Diverse Straßen der Stadt mussten für die Verlegung großer Gasrohre aufgerissen werden. Bis zum Sommer soll ein hauseigenes Kraftwerk stehen, das mit dem Brennstoff versorgt wird. Die Anlage mit Kraft-Wärme-Kopplung soll die Holzmindener Standorte weitgehend autark machen. Sie allein kostet 30 Millionen Euro. Hinzu kommen Großinvestitionen zur Kapazitätserweiterung in der Aromenproduktion, bei der Herstellung von Menthol oder von kosmetischen Inhaltsstoffen wie etwa Feuchtigkeitsspendern.

In den kommenden Jahren soll zudem die komplette Logistik - derzeit 100 Lkw am Tag - vor die Tore der Stadt verlagert werden. Eine fünf Hektar große Fläche an der Bundesstraße 64 hat sich der Konzern dafür bereits gesichert. Weitere Investitionskosten von bis zu 40 Millionen Euro sind zu erwarten. Dann könne man auch die bestehende Fabrikstruktur grundlegend überdenken, so Bertram. Gerade hat er die seltene Chance genutzt, 2,5 Hektar direkt angrenzende Brachfläche zu erwerben. Vor neuen Großinvestitionen, sagt Bertram, „habe ich gar keine Angst mehr“.

Beschäftigungsgarantie bis 2020

Das war auch schon mal anders in Holzminden. Nach der Fusion unter dem Dach eines Finanzinvestors hatte der neue Konzern zunächst mit kulturellen Gegensätzen zu kämpfen. Es folgten Stellenabbau und die Ausgliederung diverser Verantwortungsbereiche. Erst nach dem Börsengang 2006 kehrte etwas Ruhe ein. Doch weder der Umsatz noch der Kurs der Aktie wollten sich spürbar bewegen. Als Bertram drei Jahre später die Führung in Holzminden übernahm, mochte er der Landesregierung gegenüber noch nicht einmal den Bestand der damals 1900 Arbeitsplätze in der Zentrale garantieren. Heute sind es fast 2600.

Der 57-Jährige mit Bauernhof im Landkreis Hildesheim hat dem Konzern seinen Stempel aufgedrückt. Ganze Wertschöpfungsketten zentraler Rohstoffe wie etwa Menthol, Zitrus, Vanille oder Zwiebel hat Bertram unter Symrise-Kontrolle gebracht. Gleichzeitig erschloss sich der Konzern neue Geschäftsfelder wie etwa Probiotika oder Hautpflegewirkstoffe. Sie machen heute schon ein Drittel des Umsatzes aus. Mit Chemie will der promovierte Chemiker heute nicht mehr in Verbindung gebracht werden. „Wenn ein Konzern Biotech ist, dann doch wir“, sagt Bertram. An künstlichen Aromen forsche Symrise heute gar nicht mehr.

Das liegt nicht nur daran, dass der Verbraucher und damit auch die Symrise-Kunden aus der Industrie solche Stoffe nicht mehr in ihren Produkten sehen wollen. Vielmehr habe sich die Technologie sprunghaft verbessert. „Aus einer Erdbeere lässt sich heute viel mehr Aroma herausholen als früher“, so Bertram. „Es gibt Möglichkeiten, von denen die Welt da draußen gar keine Ahnung hat.“ Das sagt Bertram auch mit Blick auf einen Streit mit der Stiftung Warentest, die dem Konzern unterstellt hatte, ein bestimmtes Vanille-Aroma auf künstlichem Wege hergestellt zu haben - weil das in den Mengen auf Basis natürlicher Rohstoffe gar nicht möglich sei. War es aber doch - mit einem patentierten Verfahren aus eigenem Haus, wie Symrise nachweisen konnte. Viel Stolz und Selbstvertrauen in seine Techniker schwingt deshalb mit, wenn Bertram auf die Forschung und Entwicklung in Holzminden zeigt und sagt: „Das ist eine Uni.“

"Alle vernünftig bleiben"

Die so Gelobten haben in den vergangenen Jahren ihren Teil beigebracht zum Investitionsboom - durch Verzicht. Noch aus schwierigeren Zeiten stammt eine Vereinbarung, wonach die Beschäftigten 40 Stunden arbeiten und auf einige Zulagen verzichten. Sie hat Bertram fortschreiben lassen - verbunden mit einer Beschäftigungsgarantie bis 2020. Aus dem Chemie-Arbeitgeberverband ist Symrise schon vor Jahren ausgestiegen.

Bertram bevorzugt freiwillige Leistungen: Für 2015 gab es für die Beschäftigten eine Erfolgsbeteiligung von 1200 Euro pro Kopf. Eine Rückkehr in den Flächentarifvertrag steht für den Konzernchef trotz operativer Gewinnmargen jenseits der 20 Prozent nicht zur Diskussion. „Stellen wir morgen um, ist dieser Standort tot“, meint Bertram - würde das die Personalkosten doch gleich zweistellig ansteigen lassen. Die Investitionen der Zukunft stünden deshalb auch unter der Bedingung, „dass alle vernünftig bleiben“. Am Katernstein gleich gegenüber der Parfümproduktion werden sie das Argument schon kennen. Denn dort wohnt auch die Betriebsratsvorsitzende. So klein ist die Welt in Holzminden.

Zukäufe allerorten

Symrise ist ein Kunstname, den die neuen Eigentümer dem von ihnen zusammengekauften Gebilde aus der einstigen Bayer-Tochter Haarmann &  Reimer und dem Familienunternehmen Dragoco gaben. Er soll zeigen, dass aus Symbiose Wachstum entstehen kann. In den vergangenen zehn Jahren ist das gelungen: Der Umsatz hat sich verdoppelt, die operative Gewinnmarge stieg von 20 auf 22 Prozent, der Marktwert an der Börse verdreifachte sich auf rund 7,5 Milliarden Euro. Die Belegschaft stieg um ein Drittel auf 8300.

Zum Wachstum haben mehrere Übernahmen beigetragen. Mit dem französischen Diana-Konzern holte sich Symrise einen Lieferanten von Vorprodukten ins Haus, der gleichzeitig bei Baby-, Haustier- und Fischnahrung stark ist. Das US-Unternehmen Pinova ist vor allem stark in der Herstellung von Parfüms auf der Basis von natürlichen Rohstoffen wie Holz oder Orangenölen. Mit der schwedischen Firma Probi kaufte sich Symrise Know-how bei Probiotik-Kulturen zu, wie sie heute beispielsweise Joghurt beigefügt werden. Und in den Niederlanden erwarb man eine Mehrheit an Scelta, einem Spezialisten für Pilzkonzentrate.   Lars Ruzic

  

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