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Niedersachsen Neuer Name, neue Freheiten
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08:55 05.03.2014
Von Lars Ruzic
Der neue Firmanname Aventics vereint zwei Wortstämme: „Advantage“ (Vorteil) und „Pneumatics“. Quelle: Körner
Laatzen

Noch ist das Firmenschild an der Werkseinfahrt gegenüber dem hannoverschen Messegelände ein Provisorium. Das Wort „Rexroth“ kann man noch lesen, das davorstehende „Bosch“ haben sie einfach mit weißer Folie überklebt. Und sich ganz pragmatisch ihrer jüngeren Geschichte entledigt.

Seit dem Jahreswechsel sitzt an der Laatzener Stadtgrenze ein selbstständiger Konzern mit weltweit 2100 Mitarbeitern und gut 400 Millionen Euro Umsatz. Er zählt sich zu den fünf größten Anbietern für pneumatische Komponenten weltweit und ist in der Hand von Finanzinvestoren. Die Beteiligungsmanager von Triton haben dem Maschinenbauzulieferer Bosch Rexroth die zuletzt ungeliebte Sparte abgekauft und wollen daraus eine „marktführende eigenständige Einheit“ formen.

Den Namen Bosch mussten die Laatzener deshalb schnell tilgen, Rexroth dürfen sie noch drei Jahre verwenden. Diese Übergangszeit sei notwendig, sagt Vertriebschef Alexander Lawrence. „Wir müssen den Kunden eine Brücke bauen.“ Außerdem sei der Name Bestandteil vieler Gussformen – und die lassen sich nicht alle von einem Tag auf den anderen neu gestalten.

Doch intern haben sie die Kappung ihrer Wurzeln schon weiter vorangetrieben – mit einer Großveranstaltung für die Beschäftigten im Theater am Aegi, wo der neue Konzernname vorgestellt wurde: Aventics soll die neue Gesellschaft heißen. Eines dieser Kunstgebilde, die zwei Wortstämme vereinen und bei Namensagenturen im Trend sind. „Advantage“ (Vorteil) und „Pneumatics“ sollen es hier sein.

Bewegte Jahre

Jahrzehnte gehörte Rexroth zum Mannesmann-Konzern. Das Pneumatikgeschäft wurde vom Lindener Hafen aus gesteuert. Nach der Übernahme durch Vodafone musste der Mischkonzern alles abstoßen, was nichts mit Mobilfunk zu tun hatte. Rexroth ging schließlich 2001 an Bosch. Die hannoverschen Beschäftigten zogen zwei Jahre später nach Laatzen um, wo Bosch noch über ein altes Verkaufshaus verfügte. Die Immobilie wurde umfassend renoviert, 2004 kam ein Hochregallager mit 46 000 Lagerplätzen hinzu. Laatzen ist heute Verwaltungs-, Entwicklungs- und Logistikzentrum des Konzerns. Hinzu kommt die Produktion. Weitere Werke stehen in Frankreich, Ungarn, den USA und China. Triton will Immobilien und Grundstücke in Laatzen ebenfalls übernehmen. Hier laufen derzeit noch Verhandlungen.

Für die Aventics-Spitze ist der neue Name eine Art Startschuss, um sich voll auf die Neuausrichtung stürzen zu können. „Wir haben jetzt viele Freiräume, und die wollen wir auch ausfüllen“, sagt Technikchef Thomas Brückner. Als Teil des Bosch-Konzerns sei der Bereich „eine Stecknadel“ außerhalb des strategischen Fokus gewesen, umschreibt es Lawrence. So hätten die Pneumatikspezialisten keine Entwicklungsmöglichkeiten gehabt – und ihren Kunden hätten Ansprechpartner auf Augenhöhe gefehlt. Das soll sich nun ändern.

Und nicht nur das. Die Konzernspitze will gezielt diejenigen Geschäftsbereiche weiterentwickeln, in denen sie sich dem Preiswettbewerb entziehen können – etwa das Geschäft mit Komponenten für die Medizintechnik, die Nutzfahrzeugindustrie oder die Rohstoffbranche. Das nötige Geld für Investitionen sei vorhanden, versichert Brückner. Triton habe hier keine Grenzen gezogen. Zwischen 6 und 7 Prozent vom Umsatz steckt das Unternehmen allein in Forschung und Entwicklung. Der Zulieferer fertigt mehrere Zehntausend Produkte für ungezählte Branchen.

Von wenig margenträchtigen Artikeln werden sich die Laatzener wohl trennen müssen. Denn die neuen Eigentümer verlangen eine zweistellige Umsatzrendite. Das sei „ein vernünftiger Anspruch“, sagt Brückner, und Aventics davon schon heute „nicht meilenweit entfernt“.

Kosteneinsparungen durch Personalabbau stünden deshalb nicht auf der Agenda, versichern die Manager – im Gegenteil: Die Abnabelung vom Großkonzern hat zunächst gut 70 neue Jobs gebracht, etwa in der Informationstechnologie. Mehr als 700 Beschäftigte arbeiten heute in Laatzen, weitere 70 in Gronau an der Leine. „Unser Geschäft ist auf Wachstum ausgelegt“, sagt Lawrence – um die 5 Prozent pro Jahr sollen es in etwa sein.

Da kann noch einiges obendrauf kommen. Denn Triton möchte die neue Tochter gern durch Zukäufe stärken. „Das war eine klare Botschaft an uns“, berichtet Brückner. Die Fonds des deutsch-schwedischen Finanzinvestors seien dafür ausreichend gefüllt.

dpa

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