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Niedersachsen Autobauern drohen Milliardenstrafen wegen zu hoher Abgaswerte
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00:29 22.02.2018
Der C02-Ausstoß der Pkw in Deutschland steigt wieder. Quelle: dpa
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Hannover

 Die Autohersteller laufen Gefahr, die EU-Klimaziele bis 2021 nicht zu erreichen und riskieren damit hohe Strafzahlungen. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass in Deutschland als dem größten Markt der Anteil der Dieselmodelle an den Neuzulassungen stetig sinkt, während zugleich die Zahl verbrauchsstarker Stadt-Geländewagen (SUV) wächst. Dadurch seien die Kohlendioxid-Emssionen im 2017 sogar wieder gestiegen, heißt es in einer aktuellen Studie  des „Center of Automotive Management“ aus Bergisch-Gladbach. „Die Anstrengungen müssen erheblich erhöht werden, um die EU-Grenzwerte von 95 Gramm CO2 je Kilometer zu erreichen“, sagte  Direktor Stefan Bratzel am Freitag.

Zuletzt hatte sich der Rückgang der CO2-Emissionen in Deutschland bereits deutlich verlangsamt: Von 2011 bis 2016 sank der Ausstoß von 146,1 Gramm je Kilometer auf 127,4 Gramm. Im vergangenen Jahr gab es einen leichten Anstieg auf 127,9 Gramm. Als Reaktion auf die Diesel-Affäre und drohende Fahrverbote hätten die Kunden ihr Kaufverhalten deutlich verändert, sagte der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer: „Der Sinflug des Diesel ist noch lange nicht beendet.“

Während der Selbstzünder-Anteil an den Pkw-Neuzulassungen im vergangenen Jahr um 13,2 Prozent gesunken ist, stieg der Anteil der Benziner um 13,8 Prozent. Es sind zwar auch mehr Autos mit alternativen Antrieben – unter anderem Eketro –auf die Straßen gekommen – mit einem Marktanteil von insgesamt 3,4 Prozent spielen sie jedoch keine relevante Rolle. Diesel-Pkw sind vor allem wegen ihres hohen Stickoxid-Ausstoßes in die Kritik geraten – sie verbrauchen jedoch etwa 15 Prozent weniger Sprit und stoßen damit deutlich weniger klimaschädliches CO2 aus als Benziner. 

Gleichzeitig werden großmotorige SUV und andere Geländewagen immer beliebter – ihr Marktanteil hat sich im vergangenen Jahrzehnt auf 23,9 Prozent verdreifacht.  Weil diese Modelle zudem öfter als Benziner bestellt werden,  seien die CO2 -Emissionen in diesem Segmente 2017 im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen, heißt es in der Studie.  Aktuell liegen sie bei 133,5 Gramm (SUV) beziehungsweise 161,8 Gramm je Kilometer (Geländewagen). Die durchschnittlichen CO2-Werte von Autos der Mittel- oder Kompaktklasse blieben mit 128,2 beziehungsweise 117,4 Gramm deutlich darunter.

Die Vorgabe von 95 CO2 Gramm je Kilometer für 2021 ist ein Etappenziel der EU und leitet sich aus den allgemeinen Klimazielen ab, die bis 2030 eine Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes um 30 Prozent vorsehen. Autobauer, deren Flotten die Grenzwerte nicht einhalten, sollen mit einer Strafe von 95 Euro für jedes zu viel emittierte Gramm CO2  belegt werden – und zwar pro Auto. Die Branche befürchtet deshalb Kosten in Milliardenhöhe.

Während  Volumenhersteller wie Toyota, Peugeot und Renault mit CO2-Emissionen zwischen 106 und 117 Gramm je Kilometer bereits recht gut dastehen, hat sich die Marke VW 2017 im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert – mit 125 Gramm je Kilometer lag sie der Studie zufolge aber noch etwas besser als der Durchschnitt. Bei Ford und Opel seien die Werte zuletzt wieder signifikant gestiegen, hieß es. Die Premiumhersteller BMW, Audi und Daimler bewegen sich zwischen 127,4 und 133,5 Gramm je Kilometer.

Nach jetzigem Stand könne die Branche die CO2-Grenzwerte bis 2021 nur erreichen, wenn der Anteil elektrifizierter Fahrzeuge an den Neuzulassungen deutlich steige, lautet das Fazit der Studie. „Die Hersteller müssen sich wohl zwischen Pest und Cholera entscheiden“, sagte Bratzel.  Entweder nähmen sie Strafzahlungen und einen großen Imageschaden in Kauf - oder sie müssten wegen der immer noch höheren Kosten für E-Autos auf auf die heute üblichen Gewinnmargen verzichten.

Von Jens Heitmann

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