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„Bei Alstom fliegt keiner raus“

Standortvertrag für Salzgitter „Bei Alstom fliegt keiner raus“

Die Produktion bei Alstom in Salzgitter wird fortgesetzt, die befürchteten Massenentlassungen wird es nicht geben. Bahnbauer und IG Metall haben sich auf einen Standortvertrag für das Werk Salzgitter geeinigt.

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Erleichtert nach monatelangen Verhandlungen: IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine (links) und Alstom-Betriebsrat Bernd Eberle.

Quelle: Insa Catherine Hagemann

Hannover. Eigentlich müsste Bernd Eberle dringend ins Bett. Seit etwa 50 Stunden habe er so gut wie nicht mehr geschlafen, sagte der Betriebsratschef des Alstom-Werks in Salzgitter am Donnerstag auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in Hannover. Doch seine Freude über das in der Nacht zum Donnerstag erzielte Verhandlungsergebnis ist so groß, dass man ihm die Müdigkeit nicht anmerkt. Eberle erzählt von der Betriebsversammlung am Morgen, auf die Belegschaft über den ausgehandelten Standortsicherungsvertrag informiert wurde: „Ich habe schon lange nicht mehr so viele gestandene Männer weinen sehen.“

Nach monatelangen Verhandlungen haben sich das Management des französischen Bahntechnikunternehmens und die Belegschaft auf einen Vertrag geeinigt, mit dem Massenentlassungen in dem Werk und die befürchtete Komplettverlagerung des Rohbaus von Schienenfahrzeugen nach Polen abgewendet werden konnten. Der Durchbruch kam bei einem Gespräch im Gästehaus der Salzgitter AG zustande, an dem auch IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine und Norbert Reiners vom Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall teilnahmen. Das wesentliche Ergebnis: „Bis zum 31. August 2016 kann bei Alstom keiner rausfliegen“, sagte Meine.

Beide Parteien hätten sich auf eine „Vereinbarung zur Zukunftssicherung und zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit des Werkes Salzgitter“ verständigt, teilte der Alstom-Konzern mit, ohne Details zu nennen. Sie habe das Ziel, die Wirtschaftlichkeit und Flexibilität der Produktionsstätte zu verbessern. Das Unternehmen hatte angekündigt, 700 Stellen zu streichen und Verträge von befristet Beschäftigten nicht zu verlängern – und stieß mit seinen Plänen auf heftigen Widerstand in der Region. Das fast 30 Seiten umfassende Vertragswerk sieht nach Angaben der IG Metall nun folgende Kernpunkte vor:

- Bis Ende August 2016 sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Zwar sollen in den kommenden Jahren zwischen 160 und 250 Arbeitsplätze gestrichen werden – dies jedoch nicht durch Entlassungen, sondern dadurch, dass Mitarbeiter mit Abfindungen zum freiwilligen Ausscheiden ermuntert werden. Zudem sollen Stellen nicht wiederbesetzt werden, wenn Mitarbeiter in Rente gehen. Betriebsrat und Gewerkschaft hoffen, dass dank guter Auftragseingänge nicht so viele Stellen wegfallen. Derzeit arbeiten dem Werk rund 2700 Mitarbeiter, davon 2050 in unbefristeter Anstellung.

- Etwa die Hälfte des Rohbaus (bisher mehr als 200 Beschäftigte) bleibt in Salzgitter. Die Zusammenarbeit mit dem Standort im polnischen Kattowitz soll verstärkt werden.

- Die tarifliche Arbeitszeit beträgt weiterhin 35 Stunden in der Woche. Hinzu kommt aber eine unbezahlte Stunde je Woche mehr für Qualifizierung

- Das Urlaubsgeld wird bis zu vier Jahre lang halbiert, wenn das Werk bestimmte Renditeziele nicht erreicht. Nach Angaben des Konzerns fielen in Salzgitter zuletzt jährliche Verluste von bis zu 50 Millionen Euro an.

Dass der Standort in den nächsten Jahren gesichert ist, sei der „kämpferischen“ Belegschaft zu verdanken, sagte Meine. Der Gewerkschafter lobte auch die Unterstützung aller politischen Parteien. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) und SPD-Chef Sigmar Gabriel hätten sich engagiert für die Alstom-Beschäftigten „reingehängt“. So hätten die Alstom-Manager feststellen müssen, dass man in Niedersachsen zusammenhalte: „Ich glaube, da haben wir was Tolles hingekriegt.“

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