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Niedersachsen Berater suchen Investor für die EDC
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00:16 24.03.2016
Von Bernd Haase
Das CD-Presswerk EDC. Quelle: dpa
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Langenhagen

„Das ist die beste Lösung, um den Standort dauerhaft zu sichern“, sagte der Anwalt und Restrukturierungsexperte Manuel Sack am Montag vor Ort. Für einen Investor-Einstieg kämen wohl in erster Linie Unternehmen aus der Musik- und Unterhaltungsbranche oder Finanzinvestoren infrage. Die jetzigen Gesellschafter um den Kölner Heinz-Peter Engelskirchen tragen das Vorhaben mit.

Die EDC, die in Langenhagen 740 Mitarbeiter sowie weitere 80 Leiharbeiter beschäftigt, hatte am Freitag ein sogenanntes Schutzschirmverfahren beim Amtsgericht Hannover beantragt, um eine Insolvenz zu vermeiden. Seitdem fungieren Sack und sein Kollege Christoph Morgen als Berater der Geschäftsführung, der Anwalt Rainer Eckert als gerichtlich bestellter Sachwalter.

Das Trio gab sich vorsichtig optimistisch. „Wir haben eine vergleichsweise angenehme Liquiditätssituation“, sagte Eckert. Voraussetzung für ein Schutzschirmverfahren ist ohnehin, dass noch keine Zahlungsunfähigkeit vorliegt. Bis Ende Mai soll ein Restrukturierungsplan erarbeitet werden. Was genau das für die Arbeitsplätze bedeutet, steht dahin: „Angaben über die Zahl wären zu diesem Zeitpunkt spekulativ“, erklärte Sack.

Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 89 Millionen Euro erzielt und dabei einen Verlust im hohen einstelligen Millionenbereich hinnehmen müssen. Sack nannte mehrere Gründe. Die EDC liefert die CDs für das Europageschäft ihres früheren Besitzers Universal. Der Musikkonzern hat zuletzt die Preise gedrückt. Außerdem bestehen Pensionslasten, für die das Unternehmen Rückstellungen in Höhe von 25 Millionen Euro gebildet hat. „Von den Pensionsverpflichtungen müssen wir herunterkommen“, sagte Sack.

Probleme bereitet der Logistikbereich, den die EDC in den vergangenen Jahren als zweites größeres Geschäftsfeld aufgebaut hat. Das Unternehmen wollte sich damit unabhängiger vom CD-Geschäft machen, das wegen der Internetkonkurrenz schrumpft. Andere Aktivitäten wie etwa die Produktion von Spritzgussteilen für die Autoindustrie, E-Zigaretten oder Schallplatten haben laut Sack nur Geld gekostet. Einiges davon dürfte dem Restrukturierungsprozess zum Opfer fallen.

Das Kerngeschäft der EDC mit der Produktion von Silberlingen gilt weiter als zukunftsfähig. Darauf hoffen nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden Uwe Rittentrop auch die Mitarbeiter, die am Freitag von der Entwicklung überrascht wurden. „Wir haben im vergangenen Jahr zwei Sanierungstarifverträge mit entsprechenden Lohneinbußen abgeschlossen und eigentlich erwartet, dass es nicht zu einem Schutzschirmverfahren kommt“, sagte Rittentrop.

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