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Niedersachsen Borgward baut in Bremen wieder Autos
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00:15 30.10.2016
Freudiger Empfang: Borgward-Fans empfangen die Manager des Unternehmens und Journalisten vor dem Bremer Rathaus mit ihren Oldtimern. Quelle: Carmen Jaspersen
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Bremen

Fast 40 Oldtimerfahrer hatten am Mittwoch in Bremen ihren großen Auftritt: Mit ihren alten Borgward-Autos rangierten sie so lange auf dem Bremer Domshof herum, bis ihr Wagenpark eine große Raute bildete - das Markenzeichen des vor 55 Jahren untergegangenen legendären Autokonzerns Borgward. Dann betraten sie das benachbarte Rathaus und wurden Zeuge einer Wiederbelebung: Die im vorigen Jahr in Stuttgart neu gegründete Borgward-Gruppe verkündete im Rathausfestsaal das Comeback der Marke an der Weser.

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2000 Modelle der Kultmarke Borgward gibt es noch weltweit.

Das Unternehmen, das dem chinesischen Lastwagenhersteller Foton gehört, will 2017 in Bremen oder Bremerhaven eine rund 10.000 Quadratmeter große Werkshalle errichten und dort von 2018 an Elektroautos zusammenbauen - zunächst für Käufer in Deutschland, später für den weiteren europäischen Markt. Geplant sind zunächst 50 bis 100 Arbeitsplätze und Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe.

Das neue E-Auto - eine Weiterentwicklung des seit Jahresmitte in China produzierten Stadtgeländewagens BX7 - hat allerdings keinerlei Ähnlichkeit mit den alten Borgward-Modellen, abgesehen von der behutsam überarbeiteten Raute. Bis zu 10.000 Fahrzeuge im Jahr sollen an der Weser entstehen - ein Klacks verglichen mit den 320.000 Fahrzeugen, die jährlich im Mercedes-Werk Bremen vom Band rollen.

Die Wiederbelebung dauerte zehn Jahre

Die einzelnen Module werden teils aus dem chinesischen Werk angeliefert, teils kommen sie von europäischen Herstellern. Bosch zum Beispiel soll Elektromotoren beisteuern, der Elektronikkonzern LG die Batterien. Borgward-Vorstandschef Ulrich Walker versprach „einen wettbewerbsfähigen Preis“ für das neue Modell, das später durch weitere Baureihen ergänzt werden soll.

Für den Neustart der alten Marke hatten sich zehn Jahre lang besonders zwei Männer engagiert: Der eine heißt Christian Borgward, ist ein Enkel des Firmengründers Carl F. W. Borgward (1890-1963) und war bisher Getränkehändler in Wolfsburg. Der andere ist der Autoindustrie-Manager Karlheinz Knöss, der früher bei Saab und bei Daimler arbeitete. 2008 gründeten sie in der Schweiz eine neue Borgward AG. Sie gehört inzwischen zur Stuttgarter Borgward Group. Bei ihr engagiert sich der Gründer-Enkel als Aufsichtsratschef. Er fühle sich überwältigt, sagte der 50-Jährige Borgward im Bremer Rathaus, und er glaubt, damit das Lebenswerk seines Großvaters fortzusetzen.

Ob aber auch alte Borgward-Fans die neuen Modelle zu würdigen wissen? „Das ist ganz schlecht einzuschätzen“, findet Dachdeckermeister Frank Helmke. Er leitet den Borgward-Club Bremen, dessen 120 Mitglieder sowohl Oldtimer als auch das Andenken an den Firmengründer pflegen - so, wie es auch etliche andere Clubs in aller Welt tun. Helmke, 1961 im Jahr des Konkurses geboren, hat gleich drei alte Borgwards in seiner Obhut. „Die fahren noch immer gut“, sagt der Bremerhavener.

Einst arbeiteten 20.000 für Borgward

Bei Anne Hintz, Helmkes Vorgängerin an der Clubspitze, überwiegt die Skepsis: „Ich weiß nicht, ob das gut geht.“ Die 77-Jährige hat sich bei einem Welttreffen von Borgward-Fans in Bremen den neuen chinesischen BX7 angeschaut: „Der sieht aus wie jedes andere Auto auch.“ Nur noch die Raute, das alte Markenzeichen, erinnert sie an die geliebten Vorbilder. Da bleibt Anne Hintz doch lieber bei ihrer Borgward-Isabella von 1961 und dem Isabella-Coupé von 1957, das ihr Lebensgefährte Johann Duhn 1965 für 1000 D-Mark gebraucht erstanden hat und von dem er einmal sagte, er würde es „für kein Geld auf der Welt“ verkaufen.

Begonnen hatte alles mit dem „Blitzkarren“, einem offenen Lieferwagen mit zwei PS und drei Rädern, den Carl F. W. Borgward im Jahr 1924 auf den Markt brachte. In den folgenden Jahrzehnten schuf der Schlosser, Ingenieur und begnadete Tüftler nach und nach den viertgrößten Autokonzern Deutschlands, zu dem auch die Marken Goliath und Lloyd gehörten.

Borgward baute auch Lastwagen, schickte Rennwagen auf die Piste und entwickelte mit Heinrich Focke eigene Hubschrauber-Prototypen. Doch der Höhenflug des Konzerns endete mit einer Bruchlandung. Zu groß war die Modellvielfalt, zu hartnäckig die Qualitätsmängel, dazu noch Einbrüche beim Export in die Vereinigten Staaten und mangelnde Liquidität: Borgward geriet 1960 in die Krise.

Der Bremer Senat wollte ihm zunächst mit Krediten und Bürgschaften beispringen, zwang den 70 Jahren alten Patriarchen dann aber zur Übereignung seines Konzerns an die Hansestadt. Nur sieben Monate später - im Herbst 1961 - fuhren neu eingesetzte Firmenlenker den Karren endgültig vor die Wand. Fast 20.000 Beschäftigte verloren ihre Arbeit. Der gescheiterte Chef überlebte die Pleite keine zwei Jahre. Er starb mit 72 an Herzschwäche.

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