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„Hier soll abgeholzt werden“

Bosch-Werk Hildesheim „Hier soll abgeholzt werden“

Im Hildesheimer Bosch-Werk droht ein höherer Stellenabbau als bislang angekündigt. Der Standort hat einen Folgeauftrag zur Fertigung elektrischer Lenkmotoren verloren. Gleichzeitig sollen große Teile der Starterproduktion nach Ungarn verlegt werden.

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Der Stellenabbau bei Bosch wird stärker als gedacht: Rund 600 Beschäftigte ziehen in einem Protestmarsch vor das Werkstor im Hildesheimer Wald.

Quelle: Werner Kaiser

Hildesheim. Die IG Metall sieht Hunderte Arbeitsplätze bedroht und mittelfristig das gesamte Werk in Gefahr. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) forderte den Stuttgarter Autozulieferer auf, den Standort „zukunftssicher“ zu machen. „Bosch darf ihn nicht immer weiter herunterfahren.“

Nachdem die Geschäftsführung den Mitarbeitern die Situation am Freitag auf einer Betriebsversammlung erläutert hatte, zogen rund 600 Beschäftigte in einem Protestmarsch vor das Werkstor im Hildesheimer Wald. „Hier soll abgeholzt werden“, wetterte der niedersächsische IG-Metall-Chef Hartmut Meine. Scheibchenweise würden Aufgaben aus Hildesheim abgezogen. „Damit blutet der Standort aus.“

Meine erinnerte an das zweite große Hildesheimer Bosch-Standbein Car Multimedia: „Dort gibt es Planung, Entwicklung - aber keine Produktion mehr. Das darf sich im Starterwerk nicht wiederholen.“ Zudem protestierten die Mitarbeiter dagegen, dass Bosch eventuell nicht alle Auszubildenden übernehmen will.

Schon vor einem Jahr hatte der Konzern in der HAZ angekündigt, große Teile seiner Starterproduktion ins billigere Schwesterwerk nach Ungarn zu verlagern. Rund 400 Stellen sollen bis 2018 gestrichen werden - ohne betriebsbedingte Kündigungen. Dieses Konzept beinhaltete allerdings die Möglichkeit, gut die Hälfte der Betroffenen auf andere Aufgaben am Standort vermitteln zu können - unter anderem in die Lenkmotoren-Fertigung. Doch mit dem Wegfall dieses Produkts muss sich der Konzern nun Gedanken über den Verbleib von weiteren 200 Beschäftigten machen.

Auch hier ist von sozialverträglichem Personalabbau die Rede - IG Metall und Betriebsrat sorgen sich aber, dass es für die Betroffenen schlicht nichts mehr zu tun gibt. Sie werfen dem örtlichen Management Konzeptlosigkeit vor. „Die Werkleitung ist sich bewusst, dass es Beschäftigungslücken in den nächsten Jahren geben kann“, sagte ein Sprecher. Die könnten womöglich aber gefüllt werden - etwa, indem die Starterproduktion langsamer als geplant nach Ungarn umgesiedelt werde, um das Hildesheimer Werk länger ausreichend auszulasten.

Möglich sei auch, dass Produktionslinien aus anderen Werken nach Hildesheim verlagert würden, um den Verlust der Lenkmotoren aufzufangen, sagte der Sprecher. Zudem setze man darauf, dass der Aufschwung im Bereich Elektromobilität komme, wenn auch etwas später als kalkuliert. Der Standort baut seit wenigen Jahren Elektromotoren für Hybrid- und E-Autos, inzwischen in einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem Hauptkunden Daimler.

Starter seit 77 Jahren

Traditionsreicher Standort: Das Bosch-Werk in Hildesheim wurde 1937 gegründet und produzierte schon damals Starter und Generatoren, 1953 holte Bosch die Tochter Blaupunkt von Berlin in den Hildesheimer Wald. Die Produktion von Elektronikteilen führte den Standort zwischenzeitlich weit in die fünfstelligen Beschäftigtenzahlen. Ebenso rasant machte das Werk den Niedergang der Produktion einfacher elektronischer Bauteile in Deutschland mit. 1999 wurde in Hildesheim das letzte Autoradio in Großserie produziert, 2009 das letzte Navigationsinstrument. Heute arbeiten am Standort 3300 Menschen – 1300 davon für den Bereich Car Multimedia; weitere 1500 sind mit Entwicklung, Produktion und Service von Startern, elektronischen Lenkungen und elektrischen Maschinen beschäftigt. 200 Mitarbeiter übernehmen übergreifende Funktionen. Die einstige Tochter Blaupunkt beschäftigt in Hildesheim nur noch 80 Mitarbeiter.

Von Tarek Abu Ajamieh?und Lars Ruzic

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