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Bosch tüftelt am rollenden Wohnzimmer

Auftragswachstum Bosch tüftelt am rollenden Wohnzimmer

Die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung von Fahrzeugen spielt der Hildesheimer Bosch-Sparte Car Multimedia in die Karten. Starke Auftragszuwächse etwa für interaktive Bedienungsoberflächen oder Multimedia-Cockpits lassen Umsätze und Personalbedarf wachsen.

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„Das Fahrzeug wird zum zentralen Lebensbereich“: Bosch-Geschäftsführer Manfred Baden - hier mit Mitarbeiterin Katharina Langheim - arbeitet am virtuellen Schreibtisch, während das Auto allein steuert. Foto: Kaiser

Quelle: Kaiser

Hildesheim. Gleichzeitig bringt sich die Sparte in Stellung für vollautomatisch fahrende Autos. „Wir sind zur strategischen Säule im Konzern gewachsen“, sagte Geschäftsführer Manfred Baden am Mittwoch in Hildesheim.

Im vergangenen Jahr übersprang Bosch Car Multimedia mit einem Plus von 15 Prozent erstmals die Umsatzmarke von 2 Milliarden Euro. Auch für 2016 und 2017 sagte Baden zweistellige Zuwächse voraus. Vor allem in den USA und in Asien habe das Unternehmen viele Kunden hinzugewinnen können. Die gute Auftragslage hat die Zahl der Beschäftigten um mehr als 100 auf fast 1500 steigen lassen. Derzeit seien allein in Hildesheim 60 Stellen zu besetzen, sagte Baden.

Vernetzte und selbstlenkende Autos gelten als zentraler Zukunftstrend der Branche. Er lässt Internet- und IT-Riesen wie Google und Apple an Autos tüfteln, und die klassischen Autobauer stärken sich mit Software- und Entwicklungs-Know-how. Gleichzeitig bringen sich große Zulieferkonzerne wie Bosch und Continental als Rundum-Dienstleister ins Spiel.

Baden sieht seine Sparte im Wettstreit mit neuen Konkurrenten im Vorteil: Schließlich verfüge man nicht nur über weit mehr Automobil-Erfahrung, Bosch beherrsche auch die Verbindung von Soft- und Hardware sowie die Integration der Komponenten ins Gesamtsystem. Die zunehmende Digitalisierung hat den Standort Hildesheim wieder stärker in den Bosch-Fokus rücken lassen. Wo einst Millionen Autoradios und Navigationsgeräte vom Band liefen, tüfteln die Entwickler heute an Konzepten für die rollenden Wohnzimmer der Zukunft. „Das Fahrzeug wird neben der Wohnung und dem Arbeitsplatz zum dritten zentralen Lebensbereich“, meinte Baden.

Die Hildesheimer sind dabei vor allem für den Datenkontakt zur Außenwelt, Bedien-Komponenten und Software-Dienstleistungen verantwortlich. Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas haben sie den Autoherstellern ihre Vision für die Zukunft vollautomatisch fahrender Autos präsentiert, deren Durchbruch die Branche für 2025 erwartet.

Beim Projekt „TechX202x“, das Bosch in einer Werkshalle ganz tief im Hildesheimer Wald vorantreibt, fungiert das Auto gleichzeitig als persönlicher Assistent seines Fahrgastes. Das Fahrzeug erfasst biometrische Daten und passt im Zweifel die Klimaanlage an. Es organisiert Termine, schaltet den Insassen mit Kollegen zu einer Videokonferenz zusammen oder lässt ihn einen Kinofilm anschauen - als Bildschirm fungiert die komplette Fensterfront auf der Fahrerseite.

Um zuzuschauen, muss man sich nicht verrenken, die erste Sitzreihe ist komplett drehbar. Als Arbeitstisch lässt sich ein weiterer Bildschirm ausklappen, auf dem man Dokumente und Filme bearbeiten kann. Und am Ende des Tages schlägt das Auto noch ein Restaurant für das Abendessen vor - das es anschließend selbst ansteuert.

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