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Brauchen wir ein Rückkehrrecht auf Vollzeit?

Frage und Antwort Brauchen wir ein Rückkehrrecht auf Vollzeit?

Immer mehr Menschen haben eine Teilzeitstelle. Sollen sie ein Rückkehrrecht in Vollzeitarbeit bekommen? Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles will noch in dieser Legislaturperiode einen entsprechenden Gesetzesvorschlag vorlegen.

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Typisch Teilzeitarbeit: Vor allem Frauen im Einzelhandel haben oft keine volle Stelle.

Quelle: dpa/Jan Woitas

Hannover. Der Arbeitsmarkt brummt. In Niedersachsen ist wie bundesweit die Arbeitslosenquote seit 2006 von über 10 auf unter 6 Prozent gefallen. Doch nicht alle freuen sich über diese Zahlen: „Das sogenannte Beschäftigungswunder basiert zum erheblichen Teil auf einer Zunahme der atypischen Beschäftigung“, betont der DGB Niedersachsen. Gemeint sind vor allem Teilzeitjobs.

Menschen in Teilzeit verdienen weniger, haben schlechtere Karrierechancen und müssen im Alter mit weniger Rente auskommen. Deshalb steht das Thema auf der Liste von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Sie will noch in dieser Legislaturperiode durchsetzen, dass Arbeitnehmer ein Rückkehrrecht auf den Wechsel aus Teilzeit in Vollzeit erhalten. Das soll in allen Betrieben mit mehr als 15 Angestellten gelten. Die CDU/CSU will die Untergrenze allerdings dem Vernehmen nach bei 50 bis 200 Beschäftigten ziehen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Debatte:

Wie viele Menschen arbeiten in Teilzeit?

In Niedersachsen sind es 815 000, das entspricht 28 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. 2001 waren es erst 18 Prozent. Wenn man auch Minijobs und Beamte berücksichtigt, sind es heute bundesweit sogar 39 Prozent aller Beschäftigten, im Vergleich zu 18 Prozent im Jahr 2001.

Warum ist der Teilzeitanteil so stark gestiegen?

Mittlerweile arbeiten mehr Frauen als früher, allerdings meist in Teilzeit, wegen der Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen. Der Trend liegt an zusätzlichen Teilzeitbeschäftigten - nicht daran, dass Vollzeit- in Teilzeitstellen umgewandelt wurden, betont der Arbeitsforscher Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das zur Bundesagentur für Arbeit gehört.

Was meinen Sie?

Sollen Teilzeitarbeitnehmer ein Rückkehrrecht zur Vollzeit bekommen?

Arbeiten auch mehr Männer in Teilzeit als früher?

Ja. 2001 arbeiteten erst rund 5 Prozent der Männer in Teilzeit, mittlerweile sind es rund 10 Prozent. Bei Frauen ist der Anteil allerdings immer noch deutlich höher, er liegt bei rund 45 Prozent.

Wie ist die Situation in Niedersachsen?

Niedersachsens Teilzeitquote liegt leicht über dem Bundesdurchschnitt. Das liegt daran, dass hier Wirtschaftsbereiche stark vertreten sind, in denen besonders viele Frauen arbeiten: zum Beispiel der Einzelhandel, der Gesundheits- und Pflegebereich, Erziehung und Unterricht sowie die Nahrungsmittelindustrie.

Wie viele der Teilzeitbeschäftigten wollen mehr arbeiten?

Hier weichen die Umfrageergebnisse stark voneinander ab. Laut statistischem Bundesamt arbeiten nur 13 Prozent der Menschen in Teilzeit, weil sie keine Vollzeitstelle gefunden haben. In einer Umfrage der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) lag dieser Wert hingegen bei 24 Prozent. Außerdem gaben dort 35 Prozent der Teilzeitbeschäftigten an, dass sie nun gerne mehr arbeiten wollen.

Was plant Arbeitsministerin Andrea Nahles genau?

Bislang haben Arbeitnehmer nur das Recht, zeitlich unbegrenzt in die Teilzeit zu wechseln. Einen Anspruch auf Rückkehr in Vollzeit gibt es nicht. Nahles will, dass Arbeitnehmer künftig das Anrecht erhalten, für einen im Voraus bestimmten Zeitraum in Teilzeit zu gehen und danach wieder zur normalen Arbeitszeit zurückzukehren. Danach sollen sie mindestens ein Jahr voll arbeiten, bevor sie erneut eine Teilzeitphase verlangen können.

Was sagen Gewerkschaften und Arbeitgeber zum Recht auf Rückkehr in Vollzeit?

Der Deutsche Gewerkschaftsbund Niedersachsen ist dafür. Er argumentiert, dass nicht nur viele Teilzeitbeschäftigte mehr arbeiten wollen, sondern auch viele Vollzeitbeschäftigte befristet reduzieren wollen: „Eine große Mehrheit der Mütter und Väter wünscht sich eine partnerschaftliche Arbeitszeitverteilung.“ Das Rückkehrrecht würde das ermöglichen.

Der Dachverband der niedersächsischen Arbeitgeber, UVN, ist dagegen: „Das Rückkehrrecht in Vollzeit macht eine vorausschauende Personalplanung gerade für Mittelständler unmöglich“, sagt UVN-Geschäftsführer Volker Müller. Er betont, dass die wachsende Teilzeitbeschäftigung mehrere Gründe hat: Viele Kommunen böten immer noch keine ausreichende Kinderbetreuung, außerdem erschwerten starre Arbeitszeitregeln die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Der Arbeitsforscher Enzo Weber vom IAB befürwortet das Rückkehrrecht. Vor allem Frauen bräuchten mehr Flexibilität, sagt er. „Für die Betriebe bedeutet diese Flexibilität allerdings zusätzliche Einschränkungen.“ Die Politik müsse die Bedingungen deshalb mit Augenmaß formulieren.

Von Christian Wölbert

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