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Niedersachsen Wolters verliert Feldschlößchen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Wolters verliert Feldschlößchen
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08:46 23.01.2014
Von Carola Böse-Fischer
Flaschenabfüllung bei der Privatbrauerei Wolters: Im nächsten Jahr soll die umfangreiche Erneuerung der Anlagen abgeschlossen sein. Quelle: Archiv
Hannover

Es ging ums Geld. Wegen stark gestiegener Produktionskosten unter anderem für Energie habe sich Wolters gezwungen gesehen, den Preis für die produzierten Biermengen „sehr gering“ anzuheben, erklärte Lehna. Das habe die Feldschlößchen-Mutter nicht akzeptieren wollen und den Vertrag per Ende Februar gekündigt. Nach Einschätzung von Wolters hätte sich der Preis der zweiten Braunschweiger Traditionsmarke im Handel „lediglich um 2,5 Prozent erhöht“ oder um 15 Cent je 30er-Kasten.

Aber es fand sich schnell ein Konkurrent, der – trotz steigender Kosten – offensichtlich ein billigeres Angebot machte. Das zeigt einmal mehr, mit welch harten Bandagen der Wettbewerb auf dem seit Jahren schrumpfenden Biermarkt geführt wird. Den Lohn- und Abfüllauftrag für Feldschlößchen hat sich das Einbecker Brauhaus gesichert, wie am Mittwoch in der Branche zu hören war. Wolters wollte sich dazu nicht äußern.

Spannend wird es zu sehen, wie die Konsumenten sich verhalten, wenn Feldschlösschen nicht mehr aus Braunschweig kommt, wie Wolters-Chef Lehna sagte. Viele Biertrinker, denen in der Region Braunschweig eine starke Markentreue nachgesagt wird, reagierten auf solche Veränderungen allergisch. Bisher haben die beiden Traditionsmarken in Koexistenz gelebt. Wolters ist laut Lehna Marktführer in Braunschweig, Feldschlößchen werde „nahezu vollständig rund um Braunschweig und im östlichen Niedersachsen“, etwa in Wolfsburg, Helmstedt und Königslutter, vertrieben.

Möglicherweise kann Wolters längerfristig sogar von dem Verlust des Lohnauftrags für Feldschlößchen profitieren – wenn sich düpiert fühlende Verbraucher die Biermarke wechseln. Die kurzfristigen Erlöseinbußen könne Wolters durch „starke Zuwächse im Exportgeschäft“ mehr als wettmachen, erklärte Lehna. Zum Glück habe man die Risiken „auf viele Beine verteilt“, sodass „wir uns nicht erpressen lassen müssen“.

Alle anderen Geschäfte der Privatbrauerei entwickeln sich „ausgesprochen positiv“. Das gelte für den Inlandsabsatz der Marke Wolters und insbesondere für den Export. 2013 habe die Ausfuhr der Wolters-Marken um mehr als ein Fünftel zugelegt. Wichtigste Exportmärkte sind China, Japan, die USA, Südamerika und Litauen. Auf dem Heimatmarkt stieg der Verkauf der Wolters-Marken laut Lehna um 1,5 Prozent, verglichen mit einem Minus von 2 Prozent der Branche in Norddeutschland.

Insgesamt wuchs der Absatz von 850.000 auf gut 923.000 Hektoliter. Ein Drittel entfiel auf die Marke Wolters, die anderen zwei Drittel auf Lohnbraumengen, wie Lehna berichtete. Größter Kunde sei die niederländische United Dutch Breweries (UDB). Für UDB stellt Wolters rund 20 Marken und Sorten her, die die Holländer in Asien und Afrika vertreiben. Für den größten niedersächsischen Getränkefachgroßhändler Ahlers in Achim braut Wolters mehrere Sorten der Bremer Marke Hemelinger. Der Umsatz legte von 34 auf 37,7 Millionen Euro. Zahlen zum Gewinn nannte Lehna nicht, er sei aber höher als im Vorjahr.

Brauerei wird technisch runderneuert

Mit einem Investitionsprogramm in Höhe von rund 13 Millionen Euro ist die Privatbrauerei Hofbrauhaus Wolters  dabei, ihre technischen Anlagen rundzuerneuern. Begonnen hat das Projekt, das sich insgesamt über etwa fünf Jahre erstreckt, 2011. Abgeschlossen wurden bereits die Bereiche Energieversorgung, Wärmerückgewinnung, Gärung und Lagerung sowie Sudhaus, wie das Braunschweiger Traditionsunternehmen mitteilte. Zurzeit werde die Flaschenabfüllung komplett erneuert. Der Einbau einer neuen Flaschenwaschmaschine, die die Tochter KHS des Stahlkonzerns Salzgitter liefere, sei in vollem Gang. Die Investition kostet den Angaben zufolge in diesem Jahr allein rund 3,5 Millionen Euro. Dadurch könnten allerdings über 30 Prozent Wasser und Energie eingespart werden. Die Waschmaschine werde stündlich bis zu 50.000 Mehrwegflaschen reinigen. Im vierten Quartal 2014 soll zudem ein sogenannter Pasteur für 1,5 Millionen Euro angeschafft werden. Mit diesem Aggregat wird Bier kurzzeitig erhitzt, um es haltbar für den Export zu machen.

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