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"Zölle und Mauern sind der falsche Weg"

Bundespräsident Steinmeier in Hannover "Zölle und Mauern sind der falsche Weg"

Zum ersten Mal seit vier Jahren findet die Werkzeugmaschinen-Messe EMO wieder in Hannover statt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier betonte bei der Eröffnung den Wert des freien Handels und ermahnte die deutschen Maschinenbauer, mit der Zeit zu gehen.

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Deutsche Mittelständler müssten moderner werden, um Bewerber zu überzeugen, mahnte Steinmeier.

Quelle: Peter Steffen

Hannover. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat bei der Eröffnung der Werkzeugmaschinen-Messe EMO in Hannover für den freien Welthandel geworben. Dieser bringe Menschen zueinander und mache ihnen bewusst, wie sehr sie sich gegenseitig brauchen. "Auf der EMO ist das greifbar", sagte Steinmeier am Montag auf dem Messegelände. Die EMO ist die weltweit wichtigste Messe für metallbearbeitende Maschinen wie Bohrer, Fräsen und neuerdings auch 3D-Drucker.

Steinmeier kritisierte die protektionistische Haltung von US-Präsident Donald Trump: "Leider müssen wir in diesen Zeiten gerade jene daran erinnern, die uns nach 1945 den Weg in die freie Welt gewiesen haben." Er forderte die anwesenden Maschinenbauer auf, ihre Stimme für eine offene Welt und die internationalen Institutionen zu erheben. Auch die EU benötige „starke Fürsprecher“ aus der Wirtschaft. Zölle und Mauern seien der falsche Weg, betonte er.

Außerdem forderte Steinmeier die Ingenieure auf, sich dem technischen Wandel zu stellen. Klassische Produktentwicklung sei nicht mehr genug; auch datenbasierte Geschäftsmodelle seien nötig. Vor diesem Hintergrund lobte Steinmeier ein Programm, mit dem die Industrie "Fachkräfte für digitale Fertigungsprozesse" ausbildet.

Mittelstand muss "quirliger" werden

Die Unternehmen müssten sich aber auch wandeln, um überhaupt genügend Nachwuchs zu finden, mahnte der Bundespräsident. Fachkräfte seien knapp, und ihre Ansprüche hätten sich geändert. Viele junge Menschen interessierten sich nicht mehr für gut ausgestattete Dienstwagen, klassische Büros und feste Arbeitszeiten. Stattdessen wünschten sie sich von ihren Arbeitgebern eine "quirlige Atmosphäre zwischen Sitzsack und Salatbar". Das sei besonders für deutsche Mittelständler eine "kulturelle Herausforderung" – eine Bemerkung, bei der das Publikum zustimmend murmelte.

Der Ausrichter der EMO, der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW), konzentrierte sich in seiner Eröffnungsveranstaltung allerdings auf eine technische Herausforderung: Er will mit seinen Mitgliedsunternehmen eine einheitliche Daten-Schnittstelle für Werkzeugmaschinen. Diese müssten mit den Netzwerken der Firmen kommunizieren können. Dafür gebe es bisher nur eine Reihe konkurrierender, inkompatibler Schnittstellen. "Wir benötigen hier einen Standard wie ihn die Computerindustrie mit USB geschaffen hat", sagte VDW-Vorstand Heinz-Jürgen Prokop. Wie auf der größeren Hannover Messe ist auf der EMO die Vernetzung der Maschinen das zentrale Thema.

Deutscher Export legt zu

Für die deutschen Werkzeugmaschinenbauer läuft das Geschäft zurzeit wie geschmiert, betonte der VDW. Im ersten Halbjahr sei die Produktion um 3 Prozent gestiegen, die Zahl der Arbeitsplätze um 2 Prozent auf gut 70 000. Der Export stieg sogar doppelt so stark wie die Produktion, dank hoher Nachfrage aus Asien und Amerika. Auch die Aussichten sind positiv: "Alle Ampeln stehen auf Grün", sagt Prokop.

Die EMO (Exposition Mondiale de la Machine Outil) ist eine der größten Messen in Hannover: Bei der jüngsten Auflage 2013 kamen rund 145 000 Besucher nach Hannover, in diesem Jahr will der Veranstalter VDW diese Zahl erneut erreichen. Zum Vergleich: Zur Hannover Messe kamen im Frühjahr rund 225 000. Die Zahl der Aussteller auf der EMO stieg von 2100 auf 2200. Der VDW will die EMO in den Jahren 2019, 2023 und 2025 erneut in Hannover ausrichten, 2021 ist Mailand an der Reihe.

Von Christian Wölbert

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