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Niedersachsen Chinesischer Konzern baut Batteriezellen in Deutschland
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19:47 09.07.2018
Der Bedarf wächst: Mehr E-Autos werden verkauft, dazu brauchen die Hersteller dringend Batteriezellen. Quelle: dpa
Hannover/Berlin

Die deutsche Automobilindustrie intensiviert ihre Zusammenarbeit mit China. Der chinesische CATL-Konzern baut bei Erfurt in Thüringen eine der größten Fabriken für Elektroauto-Batteriezellen in Europa. BMW vergab am selben Tag einen Milliarden-Auftrag an die Chinesen. Die Hoffnung des Herstellers ist, dass Autokonzerne wie VW und Daimler folgen.

Der Vertrag für das Projekt wurde am Montag am Rande der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen in Berlin unterzeichnet. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, die Technologie werde von deutschen Anbietern nicht angeboten, sodass die deutsche Autobranche auch chinesische Produkte kaufen dürfe. „Wenn wir es selbst könnten, wäre ich auch nicht traurig“, sagte Merkel.

Niedersachsen fordert eigene Batterie-Fertigung

Politik und Gewerkschaften drängen auf eine Fertigung in Deutschland, weil sie Abhängigkeiten von ausländischen Lieferanten fürchten. „Niedersachsen sollte nicht nur Forschungsstandort bleiben, sondern auch die Bedingungen schaffen, als Fertigungsstandort attraktiv zu werden“, sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). „Dies könnte die Wettbewerbsposition der niedersächsischen und deutschen Industrie massiv stärken.“

Niedersachsens IG-Metall-Chef Thorsten Gröger kommentierte: „In Thüringen zeigen sie, dass es geht: Die Ansiedlung einer Batteriezellenproduktion ist ein wichtiger Schritt für die Zukunft der Automobilindustrie in Deutschland.“

CATL will bis 2022 rund 240 Millionen Euro in Erfurt investieren und 600 Arbeitsplätze schaffen. Langfristig könnten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur bis zu 1000 Jobs entstehen.

BMW kündigte an, Zellen im Wert von 1,5 Milliarden Euro aus der Fabrik zu beziehen. Man habe eine Produktion näher bei den deutschen BMW-Werken haben wollen, sagte Einkaufsvorstand Markus Duesmann. Mit Subventionen, „politischem Goodwill“ und halbwegs günstigen Lohnkosten klappe das.

Die deutschen Hersteller kaufen die Zellen für ihre E-Autos bislang von asiatischen Zulieferern. Eine Produktion in Deutschland sei aufgrund der Strom- und Lohnkosten kaum wirtschaftlich umsetzbar, hatten unter anderem VW und Continental argumentiert. Beide Konzerne prüfen noch, ob sie künftig selbst Zellen herstellen. VW hat dafür eine kleine Pilotfertigung in Salzgitter aufgebaut.

Wirtschaft sieht Risiken

Kanzlerin Merkel und der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang beraten in Berlin auch über die Abschottungspolitik von US-Präsident Donald Trump und gemeinsame Reaktionen darauf. Die deutsche Wirtschaft sieht allerdings auch Risiken im Verhältnis zu China. Die Verbindungen nach China seien für niedersächsische Firmen unverzichtbar und deutlich ausbaufähig, sagte Volker Müller, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen. Wichtig sei aber auch „gegenseitige Fairness“, zum Beispiel ein besserer Schutz des Know-hows deutscher Firmen in China und weniger Eigentumsbeschränkungen bei Investitionen dort.

Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Niedersachsenmetall, warnte: „Wir dürfen nicht der Versuchung erliegen, einseitig den Blick in Richtung Asien zu richten.“ China sichere seine Interessen mit strategischem Kalkül, wie die Investitionen in Banken, Roboterhersteller oder nun Batteriezellen zeigten. Bei allem Frust über Trumps ungerechtfertigte Zölle blieben die USA ein natürlicher Partner. „Es gibt eben auch ein Amerika jenseits von Donald Trump und seiner Administration“, betonte Schmidt.

Von Christian Wölbert und Roland Losch

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