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Niedersachsen Auma Obamas Warnung an die Digital-Entscheider
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Auma Obamas Warnung an die Digital-Entscheider
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00:32 14.06.2018
Befürchtet eine wachsende Kluft zwischen dem digitalisierten Teil der Welt und abgehängten Entwicklungsländern: Entwicklungshelferin und Halbschwester des ehemaligen US-Präsidenten Barak Obama. Quelle: dpa
Hannover

Fliegende Taxis, eine virtuelle Messehalle und Roboter, die im Krankheitsfall für ihre Besitzer zur Arbeit gehen. Es ist eine fantastische, digitale Zukunft, die den Besuchern der Cebit von einer selbstbewußt auftretenden IT-Branche präsentiert wird. Doch wer profitiert eigentlich von technologischem Fortschritt und Digitalisierung? „In Afrika droht eine wachsende Digitale-Kluft besonders die Armen weiter abzuhängen“, sagt Auma Obama. Die Halbschwester des ehemaligen US-Präsidenten warnte am Eröffnungstag die Entscheider der Branche vor den Folgen einer ausbleibenden oder unbedachten Digitalisierung in anderen Teilen der Erde.

„Auf Bäume klettern“

„Entwicklungshelfer in Kenia müssen auf Bäume klettern, um eine Whatsapp-Nachricht zu versenden“, berichtete die Vorsitzende der deutsch-kenianischen Stiftung Sauti Kuu über Probleme aus ihrem Arbeitsalltag. Als Repräsentantin der NGO sprach die 58-Jährige Entwicklungshelferin ein Thema an, das auf der Cebit praktisch nicht vorkommt. Technologien oder Ideen um Ungleichheit abzubauen, Hunger zu bekämpfen oder andere computergestützte Entwicklungshilfen kommen praktisch nicht vor. „Dabei sind gerade die Möglichkeiten, die diese Technik zur Selbstbildung bietet in Afrika besonders wichtig“, sagt Obama. Ihre Stiftung sei gerade dabei, ein neues Lernzentrum in Kenia mit Hochgeschwindigkeits-Internet und einem IT-Zentrum auszustatten. Umsichtig implementiert, könne etwa der Anschluss an das Internet Menschen in Afrika eine Stimme geben. „Yes, they can. Jeder Instagram-Post, jeder Beitrag zu einer Diskussion im Netz verleiht eine Stimme“, zitierte Obama den Wahlspruch ihres berühmten Bruders. Der hatte bereits 2006 in einer Rede zur Kunst- und Technikmesse South by Southwest in Texas von einer Digitalen Kluft (“Digital Devide“) gesprochen. Er meinte damit allerdings nicht die Zustände in Kenia, sondern die Ungleichheit im eigenen Land, wo etwa lateinamerikanische Haushalte etwa deutlich schlechteren Zugang zu digitalen Techniken haben als die weiße Mehrheitsbevölkerung.

Es ist erstaunlich, wie zurückhaltend auch die Unternehmen auftreten, die auf eigene Weltverbesserungs-Technologien wenigstens hinweisen. So verbirgt sich etwa hinter SAP´s auffälligem „Riesenrad der Innovation“, dem Wahrzeichen der Cebit 2018, ein kleines Infoterminal. Es soll Naturschutzprojekte vorstellen, die Mitarbeiter in ihrer Freizeit –mit Unterstützung des Unternehmens –vorantreiben. Weiterführende Informationen gibt es keine. Dafür kann der Besucher ein Selfie mit dem Bild einer Elefantenherde machen, SAP-Logo inklusive. Ganz ähnlich am Faceboo-Stand. Lediglich ein Infotext weist auf ein Digitales Lernzentrum in Berlin hin, dass auch NGO-Mitarbeiter nutzen können. „Wir müssen uns fragen, wie unsere Entscheidungen andere beeinflußen“, resümiert Obama am Ende ihres Impulsvortrags. Skeptische Worte an einem Ort, der alle Hoffnungen in den digitalen Fortschritt setzt.

Von Mario Moers

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