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Cebit will wieder Publikumsmagnet werden

Künftig im Juni Cebit will wieder Publikumsmagnet werden

Die Computermesse Cebit geht neue Wege. Nur vier Jahre nach der Konzentration auf ein reines Fachpublikum wollen die Veranstalter die IT-Messe komplett umgestalten und ihre Tore erneut auch für Privatleute öffnen. Zudem findet die Cebit künftig nicht mehr im Frühjahr statt, sondern im Sommer.

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Besucher auf der IT-Messe Cebit.

Quelle: dpa

Hannover. „Das ist die größte Veränderung seit der Ausgründung aus der Hannover Messe 1986“, sagte Messechef Oliver Frese gestern in Hannover.

Mit der Neuausrichtung soll die Cebit für ein breiteres Publikum attraktiv werden. Für Geschäftsleute ist künftig der Bereich „d!conomy“ reserviert, in dem der digitale Wandel der Wirtschaft im Mittelpunkt steht. Im Sektor „d!tec“ werden sich junge Start-up-Unternehmen und Entwickler treffen – auch Trendsetter-Themen wie autonomes Fahren oder virtuelle Realitäten will die Cebit dort präsentieren. Und bei „d!talk“ sollen alle mitreden dürfen – ein Konferenzprogramm für Politiker, Unternehmenschefs und Technikbegeisterte gleichermaßen.

Rückblick: Die CeBIT von 1986 bis heute.

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Der Schwenk der Veranstalter kommt überraschend – auch für die Aufsichtsräte der Deutschen Messe AG. Obwohl Messechef Frese nach eigenen Angaben bereits seit Monaten mit den Ausstellern über den Umbau der Cebit verhandelt, wurde das Kontrollgremium erst am Dienstagabend über die Entscheidung informiert. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) habe als Aufsichtsratschef sehr verärgert reagiert, berichteten Teilnehmer der Telefonkonferenz. „Offenbar steht der Cebit das Wasser bis zum Hals“, so ein Aufsichtsrat.

Die IT-Messe hat nach dem Rekord von 840 000 Besuchern im Jahr 2001 stetig an Zuspruch und Relevanz verloren – parallel dazu ist es Konkurrenten gelungen, ihre Veranstaltungen für Teile der Branche attraktiver zu machen. „Wir müssen der Cebit ein klares Profil zurückgeben“, sagte Messechef Frese. Die nächste IT-Schau startet am 11. Juni 2018 und dauert offiziell weiterhin fünf Tage – der erste davon ist jedoch ausschließlich für die Medien gedacht, der letzte wird zu einem „allgemeinen Publikumstag“ erklärt, vermutlich mit reduzierten Eintrittspreisen. Zuletzt hatten die Veranstalter die Tickets deutlich verteuert, um Privatleute abzuschrecken.

Der neue Mittelpunkt der Cebit soll das Holzdach auf dem Freigelände werden, das zur Weltausstellung Expo errichtet wurde. Geplant sind auch Open-Air-Konzerte und Partys. „Die neue Cebit macht mehr Spaß“, sagte Frese.

Die Mehrheit der Aussteller stellt sich hinter das veränderte Konzept. „Die Cebit braucht jetzt ein solches, starkes inhaltliches Zeichen“, sagte der Vorsitzende des Messeausschusses, Heiko Meyer. Der digitale Wandel vollziehe sich nicht nur in der Wirtschaft, sondern in der gesamten Gesellschaft: „Deshalb müssen wir bei der Cebit alle zusammenbringen.“

Kommentar von Jens Heitmann

Nur die nackten Zahlen zählen

Als die Cebit im vergangenen Jahr mit der geringsten Besucherzahl seit Langem zu Ende ging, war das für den Branchenverband Bitkom trotzdem ein Grund für volle Zufriedenheit – sein Hauptgeschäftsführer sprach sogar von der „besten Cebit, die wir je hatten“. Heute sieht Bernhard Rohleder die Dinge etwas anders: Es sei „die Zeit für eine tiefgreifende Veränderung gekommen, ein Facelift ist nicht mehr ausreichend“. Mit tiefgreifenden Veränderungen der Branche innerhalb der letzten zwölf Monate lässt sich der offensichtliche Widerspruch zwischen den beiden Äußerungen nicht erklären.

Offenbar haben zuletzt nicht nur die Messemacher in Hannover den direkten Draht zu ihren Kunden verloren, sondern auch der Verband. Die Aussteller lassen sich vom „d!conomy“-Geschwurbel und dem penetranten Eigenlob der Veranstalter nicht mehr beeindrucken: Sie schauen ausschließlich auf die nackten Zahlen.

Der Messeerfolg bemisst sich nach Besucherkontakten und den Kontrakten, die daraus folgen. Bleiben die Geschäftsabschlüsse aus, stellen Unternehmen die Teilnahme an der nächsten Veranstaltung schnell infrage – auch große Konzerne schauen sehr nüchtern auf das Verhältnis von Aufwand und Ertrag. Die Loyalität zu bestimmten Veranstaltungen schwindet schnell, die Entscheidungen für oder gegen einen Messeauftritt werden von Jahr zu Jahr neu getroffen. Dass bei der Cebit zuletzt immer weniger Aussteller auf ihre Kosten gekommen sind, haben offenbar weder die Veranstalter noch der Branchenverband rechtzeitig bemerkt.

 

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