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Chipkarten-Posse bei der Deutschen Messe

Folge des Tarifstreits Chipkarten-Posse bei der Deutschen Messe

Der Tarifstreit mit Betriebsrat und Gewerkschaft hat bei der Deutschen Messe die Rückkehr zu einem antiquierten Arbeitszeitmodell zur Folge: Mitarbeiter müssen für jede Minipause ausstempeln. Und weil die Lesegeräte nur im Erdgeschoss stehen, sind derzeit viele Umwege an der Tagesordnung. 

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Das Convention Center auf dem Messegelände.

Quelle: Christian Werner

Hannover. Zur Cebit im März macht die Deutsche Messe wieder auf hypermodern: „d!conomy: join - create - succeed“. Mit diesem Motto rücke man den Menschen und seine Rolle als Entscheider und Gestalter der digitalen Transformation in den Mittelpunkt, trompeten die Veranstalter. „Die Devise zum Beginn des digitalen Zeitalters heißt: mitmachen, gestalten, erfolgreich sein.“ Dass die Messemacher selbst wieder so arbeiten müssen wie 1988, verschweigen sie lieber - der Tarifstreit mit Betriebsrat und Gewerkschaft hat die Rückkehr zu einem antiquierten Arbeitszeitmodell zur Folge.

Seit Jahresbeginn sind die Aufzüge im Messe-Hochhaus noch öfter unterwegs. Denn nur im Erdgeschoss stehen die Lesegeräte, die per Chipkarte die Arbeitszeit erfassen. Auch wer nur kurz in die Cafeteria im dritten Stock will, um einen Kaffee oder Brötchen zu holen, muss neuerdings diesen Umweg nehmen.

Bis Ende Dezember wurde den Mitarbeitern jeden Tag eine Viertelstunde von der Arbeitszeit abgezogen, um pauschal kürzere Abwesenheiten vom Arbeitsplatz abzugelten. Mit der Regelung seien eigentlich alle recht zufrieden gewesen, heißt es. Aber die Betriebsvereinbarung gilt nicht mehr. Der Grund: Der Vorstand und die Arbeitnehmervertreter liegen im Clinch. Das ist bei der Messe seit Längerem eher die Regel als die Ausnahme, diesmal aber geht es ums große Ganze - das Management hält die Mitarbeiter für überbezahlt. Die Personalkosten lägen mit 80 Millionen Euro um 40 Prozent über dem Niveau der Wettbewerber, so die Analyse. Pro Kopf mache das bis zu 20.000 Euro aus.

Eskaliert ist der Streit, weil die IG Metall den Beschäftigungssicherungsvertrag gekündigt hat. Dieser wurde 2008 geschlossen, als es der Messe schlecht ging. In der Folge stieg die Arbeitszeit ohne Lohnausgleich von 35 auf 38,5 Stunden; im Gegenzug verpflichtete sich der Vorstand, bis Ende 2015 auf betriebsbedingte Kündigungen und Ausgründungen von Unternehmensteilen zu verzichten.

Da diese Garantien ausgelaufen wären, ohne dass sich die Arbeitszeit automatisch verkürzt hätte, hatte die Gewerkschaft den Vertrag fristgerecht gekündigt. Die Verhandlungen über eine neue Vereinbarung sind vor Weihnachten gescheitert, deshalb gilt jetzt der Manteltarifvertrag der IG Metall Niedersachsen/Sachsen-Anhalt - und im Kern das Arbeitszeitmodell von 1988, als die Cebit noch gänzlich ohne Glamour als „Centrum der Büro- und Informationstechnik“ firmierte. Nur die festen Kernarbeitszeiten von damals (9 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 15 Uhr) gelten nicht mehr, der Gleitzeitpuffer schrumpfte jedoch von 150 auf 35 Stunden.

Während sich Vorstand und Gewerkschaft weiter belauern, plant die Personalabteilung eine digitale Transformation der eigenen Art: Sie will jetzt auch vor der Cafeteria Lesegeräte zur Arbeitszeiterfassung aufstellen. Das Problem: Der Betriebsrat müsste dem zustimmen.

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