Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
Conti-Tech-Chef: „Wir werden uns neu erfinden“

Interview Conti-Tech-Chef: „Wir werden uns neu erfinden“

Conti-Tech-Chef Hans-Jürgen Duensing spricht im Interview über Partnerschaft in der Autoindustrie und Pläne, von ihr unabhängiger zu werden. Helfen soll dabei das Thema Industrie 4.0 – die Vernetzung der Industrie. In ihr sieht Duensing  eine unglaubliche Bandbreite an Chancen - auch für den Standort Deutschland.

Voriger Artikel
Tourismus in Niedersachsen
 verliert an Dynamik
Nächster Artikel
Wegen VW-Abgasskandal: Kommunen bitten zur Kasse

„Die Vernetzung der Industrie bietet Chancen“: Conti-Tech will auf das Know-how im Konzern zurückgreifen. Foto: dpa

Quelle: Ole Spata

Herr Duensing, Volkswagen hat in der vergangenen Woche die Bänder in der Golf- und Passat-Fertigung anhalten müssen. Wie hart hat das Conti-Tech als Zulieferer getroffen und wie haben Sie reagiert?

Flexibel, wie immer bei unvorhergesehenen Ereignissen unterschiedlichster Art. Unser primäres Interesse liegt darin, die Logistikkette zu allen unseren Kunden aufrechtzuerhalten, damit die Produktion von Maschinen und Fahrzeugen weltweit gewährleistet ist. Deshalb stellen wir unsere Fertigungsstandorte so auf, dass wir nicht ausschließlich nur für einen Kunden produzieren. Damit schaffen wir es, gelegentliche Schwankungen gut zu kompensieren.

Den Lieferstopp haben viele Zulieferer mit mehr oder weniger offener Sympathie für ihre Branchenkollegen verfolgt, weil sich viele von den Autoherstellern ausgepresst fühlen wie eine Zitrone. Können Sie das nachfühlen?

Unsere Erfahrung zeigt, dass Kunden den Dialog auf Augenhöhe schätzen und innovative Technologien honorieren. Wie in jeder guten Beziehung gibt es auch in einer guten Partnerschaft zwischen Kunden und Zulieferer unterschiedliche Meinungen und Interessen. Das ist normal.

Conti-Tech will sich unabhängiger von der Autoindustrie machen und hat deshalb Anfang vergangenen Jahres den US-Konkurrenten Veyance für 1,4 Milliarden Euro erworben, der auch stark im Geschäft mit der Öl- und Rohstoffindustrie ist. Prompt fielen beide Branchen in eine tiefe Krise.

Im Nachhinein war der Zeitpunkt der Übernahme aufgrund der Branchensituation nicht der glücklichste. Aber das ändert nichts an ihrer strategischen Logik. Beide Firmen ergänzen sich bei den Produkten und regional hervorragend. Durch die Investitionsstopps in der Öl- und Rohstoffbranche waren wir gleich nach der Fusion gezwungen, schnell und konsequent zu handeln. Wir mussten Kapazitäten reduzieren und Standorte stilllegen. Wir haben deshalb insgesamt rund 400 Arbeitsplätze abbauen müssen. Weil wir viele Mitarbeiter innerhalb der Standorte auf andere Bereiche verteilen konnten, ist die Zahl nicht noch höher ausgefallen.

Sehen Sie Chancen der Besserung?

Frappierend ist, dass die Nachfrage nach Öl und Rohstoffen ja nicht zurückgegangen ist. Trotzdem tut sich nichts bei den Preisen. Das hat in den betroffenen Industrien zu einer großen Verunsicherung und Investitionszurückhaltung geführt. Wann die vorbei sein wird, lässt sich heute nicht seriös vorhersagen. Knapp ein Fünftel unseres Geschäfts wird gerade richtig durchgeschüttelt. Aber wir als Experte für Schwingungstechnik kennen uns da ja aus.

Dafür läuft es bei Schläuchen, Folien oder Antriebsriemen für die Autoindustrie derzeit ja deutlich besser.

Das ist der große Vorteil unseres Geschäftsmodells. Wir wollen unseren Umsatz je zur Hälfte mit der Auto- und mit anderen Industrien erwirtschaften. Das Zusammenspiel unterschiedlichster Kunden gibt uns Sicherheit, aber auch Flexibilität. Als reiner Autozulieferer würde ich mich heute sicherlich himmelhoch jauchzend fühlen, morgen aber womöglich zu Tode betrübt.

Und deshalb suchen Sie derzeit vor allem außerhalb der Autoindustrie Firmen, die Sie übernehmen können?

Grundsätzlich stimmt das. Das hat allerdings nicht allein mit Strategie, sondern auch mit einer größeren Fülle an Möglichkeiten zu tun. In der Autoindustrie sind potenzielle Übernahmekandidaten oft große Schlachtschiffe, in anderen Branchen gibt es viel mehr Opportunitäten und ganz andere Größenordnungen. Größe allein ist jedoch nicht entscheidend, sinnvoll müssen sie sein.

Der schwäbische Folienspezialist Hornschuch, den Sie angeblich für 400 Millionen Euro erwerben wollen, beliefert sowohl die Auto- wie auch die Möbelbranche. Klingt, als passt das ins Konzept.

An Spekulationen beteiligen wir uns grundsätzlich nicht.

Ihr Ziel, den Conti-Tech-Umsatz bis 2022 auf 10 Milliarden Euro nahezu zu verdoppeln, werden Sie aber nur mit Zukäufen erreichen.

Nicht nur. Wir werden auch aus uns heraus wachsen. Indem wir uns neue Technologien und Kundengruppen erschließen, stärker auf Digitalisierung, Software, Vernetzung und Service setzen. Wir werden uns ein Stück weit neu erfinden.

Die gute, alte „Gummibude“ Conti-Tech als Vorreiter von Industrie 4.0?

Warum denn nicht? Schon heute liefern wir Transportbänder mit integrierten Sensoren und der passenden Überwachungssoftware. Und bei Bedarf übernehmen wir auch die Auswertung. Wir werden in Zukunft nicht nur das physische Produkt verkaufen, sondern Intelligenz. In diese Richtung bewegt sich die gesamte Industrie. Unser Vorteil ist, dass wir auf das große Know-how im Continental-Konzern zurückgreifen können. Es wäre ja töricht, das nicht zu nutzen. Denn es verschafft uns einen echten Wettbewerbsvorteil. Die Vernetzung der Industrie bietet eine unglaubliche Bandbreite an Chancen - auch für den Standort Deutschland.

Wie das?

Wir müssen uns insgesamt von dem Gedanken trennen, dass die Industrie allein von dem leben kann, was die Fabrikhallen verlässt. Produkte „made in Germany“ werden immer weniger an den Werkbänken, jedoch immer mehr in den Entwicklungs-, Software- und Serviceabteilungen entstehen. Neue Arbeitsplätze werden in Deutschland vor allem in diesen Bereichen wachsen, weniger an der Maschine. Schauen Sie sich die Entwicklung der Continental in Hannover an. Seit Jahren wächst hier die Belegschaft. Aber vor allem in Bereichen außerhalb der klassischen Produktion.

„Büro-Produktioner“ sind bei der Wahl ihres Arbeitgebers recht anspruchsvoll, wünschen sich eine ansprechende Arbeitsumgebung. Die Conti-Hauptverwaltung will deshalb am hannoverschen Pferdeturm einen „Campus“ bauen. Bekommt Conti-Tech dann eine eigene Zentrale mit schicken Büros?

Ehrliche Antwort: Das kann ich heute noch nicht sagen. Die Entscheidung für die neue Hauptverwaltung ist noch so frisch, dass wir alle anderen Fragen erst jetzt angehen werden.

Interview: Lars Ruzic

Zur Person

Hans-Jürgen Duensing ist der Lokalmatador im Conti-Konzernvorstand. In Hannover wurde er nicht nur geboren, hier hat er auch seine Lehre bei der Conti abgeschlossen und Wirtschaftswissenschaften studiert. Innerhalb von 30 Jahren ist er vom Serviceleiter zum Chef des Kautschukspezialisten Conti-Tech mit seinen 42 000 Mitarbeitern aufgestiegen. Das Amt hat der 58-jährige verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder seit Mai 2015.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Niedersachsen

Der Abgasskandal erschüttert den Volkswagen-Konzern. Lesen Sie hier alle Berichte und Hintergründe zur Diesel-Affäre. mehr

Aktienkurse regionaler Unternehmen

CEWE STIFT.KGAA... 80,23 -0,31%
CONTINENTAL 178,22 +3,69%
DELTICOM 17,11 +3,03%
HANNO. RÜCK 104,12 +1,22%
SALZGITTER 34,53 +5,55%
SARTORIUS AG... 67,82 -0,47%
SYMRISE 54,80 -0,31%
TALANX AG NA... 31,42 +1,63%
TUI 12,42 +0,73%
VOLKSWAGEN VZ 126,50 +4,08%
DAX
Chart
DAX 10.988,50 +1,98%
TecDAX 1.717,00 +0,98%
EUR/USD 1,0752 +0,33%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

THYSSENKRUPP 23,44 +6,32%
VOLKSWAGEN VZ 126,50 +4,08%
CONTINENTAL 178,22 +3,69%
RWE ST 11,56 -3,54%
MERCK 91,66 -1,45%
FMC 73,82 -1,44%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 159,95%
Crocodile Capital MF 122,39%
Stabilitas GOLD+RE AF 113,23%
Fidelity Funds Glo AF 91,70%
Morgan Stanley Inv AF 91,29%

mehr