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Niedersachsen Belegschaft soll von Arbeit 4.0 profitieren
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Belegschaft soll von Arbeit 4.0 profitieren
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16:48 11.07.2018
Bei Continental haben sich Betriebsräte und Vorstand auf Grundsätze für die Arbeitswelt 4.0 verständigt. Quelle: picture-alliance/ dpa
Hannover

Die Vereinbarung ist weder sonderlich lang noch sehr konkret – doch wenn es nach den Arbeitnehmervertretern geht, könnte das Papier den Produktionsalltag bei Continental nachhaltig verändern. In einer „Gemeinsamen Erklärung“ hat der Gesamtbetriebsrat der Gummi-Sparte mit dem Vorstand Leitlinien für die Arbeitswelt von morgen vereinbart . „Das ist eine Aufforderung zum Tanz für alle Personalleitungen der einzelnen Standorte“, sagt Gesamtbetriebsratschef Michael Deister. „Das Thema ’Arbeit 4.0’ steht damit auch offiziell auf der Tagesordnung“.

Das Schlagwort ist abgeleitet von der sogenannten vierten industriellen Revolution, die den Einzug digitalisierter Prozesse in die Betriebe umschreibt. „Wer vor 30 Jahren in der Reifenproduktion angefangen hat, brauchte eigentlich nur eins: starke Unterarme“, erinnert sich Deister. Das sei jetzt völlig anders: „Schon heute dreht sich in unseren Hightech-Fertigungsanlagen vieles um Daten und Vernetzung – und wir stehen bei dieser Entwicklung erst am Anfang.“

Als sicher gilt, dass der Anteil einfacher manueller Tätigkeiten weiter sinkt. Die Beschäftigten werden künftig stärker Abläufe koordinieren, die Kommunikation mit den Maschinen steuern und mehr Entscheidungen in eigener Verantwortung treffen. Zugleich wachsen die Anforderungen an die Flexibilität bezogen auf den Arbeitsplatz und die Arbeitszeit. „Für die Kollegen ist dabei wichtig, dass die Flexibilität keine Einbahnstraße wird“, sagt Deister. „Die Belange des Unternehmens dürfen nicht wichtiger sein als die Bedürfnisse der Beschäftigten.“

In der „Gemeinsamen Erklärung“ haben Betriebsrat und Vorstand die „Stärkung der Vereinbarung von Privatleben und Beruf“ festgeschrieben – und die „Arbeitszeitautonomie“ als konkretes Ziel vorgegeben. „Wir wollen vermeiden, dass nur die Angestellten in der Verwaltung oder anderen produktionsfernen Bereichen von flexiblen Arbeitszeitmodellen profitieren“, sagt Deister. „Auch ein Schichtarbeiter muss die Chance bekommen, mal eher nach Hause zu gehen, wenn das in Abstimmung mit den Kollegen möglich ist.“

Parallel dazu will man bei Conti den Blick stärker auf die Arbeitsbelastung der Belegschaft richten. Im oberen Management werde darauf bereits geachtet, heißt es beim Betriebsrat: „Auf den unteren Ebenen ist das noch nicht überall angekommen.“ Im gemeinsamen Papier mit dem Vorstand ist deshalb vom „Achtsamkeitsprinzip“ die Rede, das fortan größere Beachtung finden soll.

Zunächst gilt die Vereinbarung mit dem Vorstand nur für die auf 21 Standorte verteilten knapp 24.000 Mitarbeiter der Gummi-Sparte (Rubber Group) in Deutschland. Ob davon später auch die Beschäftigten im Automotive-Bereich profitieren können, sei noch offen, heißt es im Konzern. Technologien und Geschäftsmodelle veränderten sich derzeit ebenso tiefgreifend wie Berufsbilder, Arbeitsabläufe und Prozesse, sagt Arbeitsdirektorin Ariane Reinhart: „Mit dem Positionspapier Arbeit 4.0 haben wir wichtige Rahmenbedingungen geschaffen, um die Chancen der Digitalisierung für unser Unternehmen und jeden unserer Mitarbeiter optimal nutzen zu können.“

Von Jens Heitmann

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