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Continental will Arbeit flexibler gestalten

Veränderte Arbeitswelt Continental will Arbeit flexibler gestalten

Der Continental-Konzern will die Möglichkeiten für mobiles Arbeiten massiv ausweiten. Unternehmen und Betriebsrat stehen kurz vor dem Abschluss einer Vereinbarung, die eine Beschäftigung frei von Raum und Zeit ermöglicht – wenn beide Seiten dies für möglich erachten. 

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Er hat alles hinter sich gebracht: Flucht über das Mittelmeer, Balkanroute – alles auf eigene Faust. Nun kann Check Badri Kone aus Mali (rechts; neben seinem Kollegen Oronco Turi) von sich sagen, angekommen zu sein. Der 20-Jährige ist einer von rund 30 Flüchtlingen, die bei der Conti mit einer Einstiegsqualifikation ins Berufsleben gestartet sind. Insgesamt 50 Plätze hat der Konzern ausgeschrieben – doch der Findungsprozess gestaltet sich vor allem wegen der Sprachbarriere noch schwierig. Nicht so bei Kone: Er kann nach zehn Monaten im Land schon fließend Deutsch.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Für mobiles Arbeiten solle es grundsätzlich keine Beschränkung mehr auf den Wochentag oder die Zahl der Tage geben, teilte der hannoversche Autozulieferer am Montag mit. Conti geht damit noch weiter als etwa Volkswagen oder Bosch, die schon Vereinbarungen zu dem Thema geschlossen haben.

„Die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt sorgt für eine neue Dynamik, die in keine Schablone mehr passt“, sagte Arbeitsdirektorin Ariane Reinhart. „Mit flexiblen Arbeitsbedingungen gewinnen unsere Mitarbeiter und Continental gleichermaßen.“ Konzernbetriebsratschef Frank Michael Hell begrüßte, dass damit die Freiheit der Beschäftigten bei der Arbeitseinteilung zunehme.

Sofern es die betrieblichen Abläufe erlauben, sollen Mitarbeiter und Führungskraft künftig untereinander klären können, wann der Beschäftigte von unterwegs tätig ist. Die tarifliche Arbeitszeit bleibt davon unberührt. Der Beschäftigte führt eigenständig Buch darüber, wann er gearbeitet hat. Das Unternehmen erfasst keine anderen Daten – etwa wann sich jemand ins System eingeloggt hat. Man habe großes Vertrauen in die Selbstorganisation der Mitarbeiter, heißt es aus dem Konzern.

Die Angebote sollen für alle Beschäftigten – unabhängig von Position und Arbeitsstelle – gelten. Viele Konzerne beschränken die Möglichkeit, mobil zu arbeiten, bisher auf bestimmte Beschäftigtengruppen oder Hierarchieebenen. Selbst in der Produktion gebe es inzwischen mit Ausnahme der Mitarbeiter am Band viele Kollegen, die davon Gebrauch machen könnten, meinte Hell.

Beide Seiten verhandeln zudem über sogenannte Sabbaticals – also den Ausstieg aus dem Job auf Zeit. Dies soll für bis zu zwölf Monate möglich sein. Der Beschäftigte spart für die Auszeit eine Gehaltssumme an, die er während der Freizeitphase ausgezahlt bekommt. Wer beispielsweise zwei Jahre lang für den halben Lohn arbeitet, könnte ein Jahr daheimbleiben.

Reinhart sieht einen Wettbewerbsvorteil für Continental beim Werben um die besten Köpfe, wenn sich das Unternehmen schneller und flexibler als andere auf die Veränderungen in der Arbeitswelt einstellt. Sie hat deshalb ein weltweites Programm zur Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen aufgelegt, das für mehr als 90 Prozent der 215 000 Beschäftigten gelten soll. Dabei will Reinhart auch in Deutschland bereits geltende Angebote etwa für Gleit- und Teilzeitarbeit auf 20 weitere Länder übertragen. Sie sollen bis zum Ende des Jahres ausgearbeitet und „passgenau“ an den regionalen Bedürfnissen und rechtlichen Rahmenbedingungen ausgerichtet werden.

Am Konzernsitz in Hannover, wo die meisten der mehr als 8500 Beschäftigten unter den Bedingungen des Chemie-Flächentarifs arbeiten, gilt derzeit ein Arbeitszeitkorridor von 6.30 Uhr bis 19 Uhr, in dem die Beschäftigten weitgehend selbst bestimmen können, wann sie arbeiten. Auch dies könnte ausgeweitet werden, hieß es.

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