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Hannovers App-Erfinder mit Weltruf

Softwareschmiede Hacon Hannovers App-Erfinder mit Weltruf

Manchmal werden innovative Firmen in der weiten Welt stärker beachtet als vor der Haustür. Die Softwareschmiede Hacon aus Hannover hat die DB-Navigator-App entwickelt und wird dafür international geschätzt. Die Firma hat mittlerweile Büros in Paris und London und ist in New York aktiv. 

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Firma mit Ausblick: Die Hacon-Mitarbeiter haben ihre Büros im hannoverschen Podbi-Park. Die Firma ist dort der größte Mieter.

Quelle: Hacon

Hannover. Fast jeder hat sie mittlerweile auf seinem Handy: die Applikation mit dem schlichten Titel DB-Navigator. Doch der Name trügt. Mit dem kleinen Programm lassen sich nicht nur Bahnverbindungen herausfinden. Man kann zum Beispiel eingeben, dass man zu einem S-Bahnhof bei München möchte, und das Gerät sucht die bequemste Verbindung heraus - inklusive Fußweg zur Bushaltestelle und Umsteigemöglichkeiten im hannoverschen Straßenbahnnetz. Oder in dem von Köln oder Berlin. Wer hat das Programm entwickelt? Das Unternehmen Hacon aus Hannover.

Manchmal werden innovative Firmen in der weiten Welt stärker beachtet als vor der Haustür. Die Eliteuniversität Massachusetts Institute of Technology (MIT) kürt jedes Jahr die 50 „smartesten“ Unternehmen. Apple war 2015 dabei und Google, Tesla, Netflix und Alibaba aus China. Große Namen stehen auf der Liste. Aus Deutschland sind zwei Firmen vertreten: Thyssen Krupp aus Essen und Hacon aus Hannover. „Das hat uns schon stolz gemacht“, sagt Geschäftsführer Michael Frankenberg.

Uni-Mitarbeiter gründen Unternehmen vor 31 Jahren

Das Unternehmen ist vor 31 Jahren von drei Uni-Mitarbeitern aus dem Institut für Massivbau gegründet worden, das sich auch um Eisenbahntechnik kümmert. Die junge Firma hat Simulationen für den Bahnverkehr erarbeitet, Fahrpläne am Computer auf Konflikte überprüft. Vor gut zehn Jahren gab es einen Generationswechsel. Die neuen Mehrheitsgesellschafter Peter Talke, Michael Frankenberg und Werner Sommerfeld haben aus dem Unternehmen eine Softwareschmiede mit internationalen Ambitionen gemacht.

Hacon hat mittlerweile 250 Mitarbeiter, der Anteil der Promovierten beträgt 15 Prozent, Firmensitz ist der Podbi-Park in Hannover. Seit 2013 gibt es eine Niederlassung in London, seit 2014 in Paris - mit der französischen Bahngesellschaft SNCF werden inzwischen mehr Projekte abgewickelt als mit der Deutschen Bahn. Ende 2014 wurden Anteile an einem Start-up in den USA übernommen, nächstes Jahr wird die Stadt Austin als Erste das Fahrgastinformationssystem von Hacon nutzen. „In Amerika ist der öffentliche Nahverkehr stark im Kommen“, sagt Frankenberg.

Im Berliner Szenestadtteil Prenzlauer Berg hat Hacon sein eigenes Start-up installiert: eine kleine Firma, die die Metromobilen erforscht. So nennen Planer jene Verkehrsteilnehmer in Großstädten, die nicht mehr auf ein Hauptverkehrsmittel festgelegt sind, sondern heute Rad fahren und morgen Stadtbahn, vormittags zu Fuß zur Arbeit gehen und abends ein Teilauto nutzen. „Wir erproben dort neue Ansätze, machen Befragungen in U-Bahn-Stationen, überprüfen, wie nahtlos die Angebote vernetzt sind und ob die Integration der Verkehrsmittel funktioniert“, sagt Frankenberg. Mobility-Lab heißt das Projekt; dort arbeiten nicht nur Softwareentwickler, sondern auch Designer und Angehörige anderer Kreativberufe.

Denn der Softwaremarkt schläft nicht. Während Hacon für SNCF in Frankreich auch die Planungssoftware für das Verkehrsunternehmen liefert, ist man in Deutschland auf die Fahrgastinformation beschränkt. Aber auch die hat es in sich. 30 Millionen Mal wurde die kostenlose App DB-Navigator heruntergeladen (alle Apps von Hacon: 200 Millionen mal), täglich rechnet das System mehr als 100 Millionen Fahrgastverbindungen aus. Im Durchschnitt. „Wir dürfen die Technik aber nicht auf den Durchschnittswert auslegen, sondern müssen für die Spitzennachfrage gerüstet sein“, sagt Frankenberg. Etwa wenn im Nahverkehr gestreikt wird. „Pendler fragen ja in der Regel keine Verbindungen ab, die kennen die Zeiten - aber im Streikfall verarbeiten wir die dreifache Menge an Anfragen“, heißt es bei Hacon.

Firmenimperium wächst stetig

Die neueste Technik ist der DB-Zug­radar. Auf der ebenfalls kostenfreien App lässt sich der Zugverkehr im deutschen Gleisnetz verfolgen - weitgehend in Echtzeit, wie man es vom Flightradar für Flugzeuge kennt. Frankenberg schätzt die Technik nicht so sehr. „Die Darstellung ist noch nicht realistisch, weil sich die Züge nur an bestimmten Punkten an- und abmelden - dazwischen müssen wir die Standorte interpolieren.“ Mit dem Busverkehr ist Hacon da in einigen Testregionen schon weiter. Etwa im Schwarzwald: Dort hat jeder Busfahrer ein GPS-Ortungsgerät, mit der entsprechenden App lässt sich so der Standort jedes Busses immer exakt bestimmen. Entwickelt wurde die App, um Auskünfte zu Verspätungen und Anschlüssen kundengerechter erteilen zu können. „Die Technik ist ausgereift“, sagt Frankenberg.

Das Firmenimperium wächst. Neuerdings kann man im hannoverschen Großraumverkehr (GVH) Online-Tickets nutzen - an der Hamburger Firma Eos-Uptrade, die die Technik bietet, ist Hacon jetzt zu 62 Prozent beteiligt. Zu der Frage, was er von der verstaubten „ Elektronischen Fahrplanauskunft“ des GVH hält, äußert sich Frankenberg nicht: „Die ist nicht von uns.“ Aber er hat eine Alternative parat. „Mit dem DB-Navigator lassen sich alle Verbindungen bequem heraussuchen, auch im Stadtbahn- und Busnetz von Hannover.“ Man muss nicht einmal seinen Abreisestandort eingeben, sondern kann einfach „Aktuelle Position“ anwählen.

So funktioniert der Navigator

Kleiner Tausendsassa: Das Handyprogramm (in der Regel Applikation oder App genannt) lässt sich auf dem Smartphone installieren und macht sich dort als universeller Helfer verdient. Es vereint Fahrplaninformationen mit Störungs- und Verspätungswarnungen, vereinfacht den digitalen Ticketkauf inklusive grafischer Sitzplatzreservierung und macht auch die Planung von Anschlussverbindungen leichter: Sogar den Fußweg von der letzten Haltestelle bis zum Ziel berechnet die App und ermöglicht so ziemlich präzise Zeitplanungen.

Für Pendler interessant sind die Push-Dienste, die nach einmal erteilter Freigabe aktuelle Nachrichten aufs Handy spielen – etwa wenn sich auf der ausgewählten Strecke plötzlich Unfälle ereignen. Inzwischen nutzen auch Schaffner und Zugbegleiter von Nahverkehrsunternehmen wie der Bahn die App, weil sie schnell über Änderungen informiert werden.

Auch alle Üstra-Routen und sonstige Nahverkehrsverbünde sind mit Fahr­plandaten verfügbar, sodass die App universell einsetzbar ist. Bei Hacon kann man sich auch den umgekehrten Informationsweg vorstellen: Mithilfe von App-Erweiterungen könnten künftig Nahverkehrskunden den Unternehmen signalisieren, wohin sie fahren und wo sie aussteigen wollen.

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