Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen DGB kritisiert Missbrauch bei Leiharbeit
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen DGB kritisiert Missbrauch bei Leiharbeit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:17 25.05.2016
Der Missbrauch beim Einsatz von Leiharbeitern und Werkvertrags-Beschäftigten hat aus Sicht des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) in Niedersachsen zugenommen. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Gleichzeitig kritisiert der DGB, dass es zudem immer öfter zu Missbrauch beim Einsatz von Leiharbeitern und Werkvertrags-Beschäftigten kommt. „Es gibt keine Branche, in der noch nicht massiv versucht worden ist, Tarifverträge zu unterlaufen“, sagte der Vorsitzende des DGB Niedersachsen-Bremen, Hartmut Tölle. So setzten Unternehmen nach wie vor etwa Leiharbeiter aus dem Ausland als Streikbrecher ein. Der Lohn von Leiharbeitern liege im Durchschnitt rund 20 Prozent unter dem Entgelt der Stammbelegschaft mit vergleichbaren Aufgaben. Immer wieder würden zudem Aufgaben aus dem Kernbereich eines Unternehmens über Werkverträge ausgelagert. Die Betriebsräte hätten dabei kaum Mitspracherecht, sagte der Betriebsratschef des Nutzfahrzeugzulieferers Wabco aus Hannover, Jens Schäfer.

Als ein Beispiel von vielen kritisierte der DGB das Vorgehen des Dienstleistungsunternehmens Arvato Ecommerce in Hannover - dabei handelt es sich um eine Tochterfirma des Bertelsmann-Konzerns aus Gütersloh. Der DGB wirft dem Unternehmen vor, dass Leiharbeiter über sehr lange Zeiträume von bis zu fünf Jahren eingesetzt würden. Zudem habe Arvato Ecommerce in zwei Fällen während der vergangenen Monate Leiharbeiter gezielt als Streikbrecher eingesetzt.

Ein Arvato-Sprecher wies die Vorwürfe zurück. Über die Arbeitsniederlegungen sei das Unternehmen im Vorfeld nicht oder nur sehr kurzfristig informiert worden. „Die Zahl der eingesetzten Zeitarbeiter war an den Streiktagen nicht höher als an anderen Tagen“, teilte der Sprecher mit. Nach eigenen Angaben arbeiteten rund 2500 Mitarbeiter an fünf Standorten im Großraum Hannover für Arvato. Saisonabhängig würden zusätzlich bis zu 600 Zeitarbeiter beschäftigt.

Die Bundesregierung hatte sich Mitte Mai auf eine neue rechtliche Grundlage beim Thema Leiharbeit und Werkverträge geeinigt. Der Gesetzentwurf sieht unter anderem gleiche Bezahlung nach neun Monaten Einsatzzeit und eine Höchsteinsatzdauer von 18 Monaten für Leiharbeiter vor.

Während die Branchenverbände die Einigung weitgehend unterstützen, kritisierten die Gewerkschaften das Vorhaben. „Es liegt ein Entwurf vor, der alles beim Alten lässt, ohne Verbesserungen. Das Thema bleibt deshalb auf unserer Tagesordnung“, sagte der DGB-Bezirksvorsitzende Tölle.

Von Matthias Arnold

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Arbeitgeber und Gewerkschaft bei VW haben in nächtlichen Gesprächen einen Kompromiss für den neuen Haustarif erzielt. Neben einem Plus für die Einkommen geht es auch um die Altersteilzeit. Die Tarifeinkommen steigen in einem ersten Schritt von September an um 2,8 Prozent und ab August nächsten Jahres um weitere 2 Prozent. 

20.05.2016

Zielgerade oder neue Warteschleife? Bei den Verhandlungen für den VW-Haustarif mit seinen 120 000 Beschäftigten steht am Donnerstag eine wichtige Weichenstellung an. Ein Angebot von Arbeitgeberseite könnte die Gespräche über Nacht entscheidend voranbringen.

19.05.2016

Die Norddeutsche Landesbank begräbt die Hoffnung auf eine baldige Erholung der Schifffahrtsmärkte - und zieht daraus die Konsequenz. Die Bank schreibt im großen Stil faule Kredite ab und rutschte daher im ersten Quartal des Jahres in die roten Zahlen.

Albrecht Scheuermann 21.05.2016
Anzeige