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Darum holt sich der TÜV Hacker ins Haus

Datensicherheit Darum holt sich der TÜV Hacker ins Haus

Für den TÜV in Hannover wird die Datensicherheit von Produkten zunehmend ein Thema. Nun hakt der Konzern die Prototypen seiner Kunden, damit die fertigen Produkte später gegen böse Hacker abgesichert sind. 

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„Datensicherheit von Produkten in den Blick nehmen“: Beim TÜV Nord arbeiten inzwischen rund 90 Hacker.

Quelle: Udo Geisler

Hannover. Beim Thema TÜV denkt man an korrekte Ingenieure mit Klemmbrett und Kuli statt an kreative Hacker mit Tastatur und Lötkolben. Doch genau von diesen gibt es bei der TÜV-Nord-Gruppe, die ihren Hauptsitz in Hannover hat, immer mehr. Im Bereich TÜV-IT arbeiten mittlerweile rund 90 „gute“ Hacker. Zu ihnen gehören sogenannte Penetrationstester - sie versuchen, von ihrem PC aus in die Systeme von TÜV-Kunden einzubrechen. Außerdem gibt es Hacker, die zum Beispiel Kreditkarten-Chips mit Lasern beschießen, um sensible Daten auszulesen.

All das geschieht im Dienste der Sicherheit. Der TÜV hackt die Prototypen seiner Kunden, damit die fertigen Produkte später gegen böse Hacker abgesichert sind. „Wir sehen unsere Aufgabe zunehmend darin, die Datensicherheit von Produkten bereits bei deren Entwicklung in den Blick zu nehmen“, erklärte Vorstandschef Dirk Stenkamp am Freitag bei der Vorstellung des Geschäftsberichts 2016.

Der im Januar als Konzernchef angetretene Stenkamp präsentierte gute Zahlen: Der Umsatz stieg um 3,3 Prozent auf 1,15 Milliarden Euro, der Gewinn erhöhte sich um 27 Prozent auf 43 Millionen Euro, was auch mit den relativ hohen Pensionsrückstellungen 2015 zusammenhängt. Der Konzern absolvierte das dritte Wachstumsjahr in Folge. Stenkamp hat also von seinem Vorgänger Guido Rettig beste Voraussetzungen für künftige Erfolge geerbt.

Digitalisierung ändert viel

Er ging jedoch auf die Zahlen kaum ein. Stattdessen konzentrierte er sich auf die Herausforderungen durch die Digitalisierung. Als Beispiel nannte er einen „smarten“ Schnuller mit Temperatursensor und zugehöriger Smartphone-App, die den Eltern die Körpertemperatur ihres Kindes anzeigt. Früher habe man nur prüfen müssen, ob der Schnuller verschluckbare Kleinteile enthält. Mittlerweile gehe es auch darum, die Online-Schnittstellen solcher Produkte abzusichern. Im Fall von vernetzten Insulinpumpen für Diabetiker sei das sogar lebenswichtig, denn Hacker könnten die Insulindosis aus der Ferne manipulieren. „Der Prüfauftrag hat sich durch die Digitalisierung deutlich erweitert“, sagte Stenkamp.

Der Bereich TÜV-IT mit seinen 130 Mitarbeitern ist aktuell zwar noch der kleinste in dem Konzern mit weltweit über 13 000 Angestellten. Doch Stenkamp betonte, dass auch die großen Bereiche Industrie und Mobilität sich schnell verändern, zum Beispiel durch immer stärker vernetzte und autonome Autos. „Klassische und digitale Technologien wachsen im TÜV-Nord-Konzern immer weiter zusammen.“

Wie die meisten großen Unternehmen sucht der TÜV deshalb dringend IT-Spezialisten - auch für den Hauptsitz in Hannover. Personalvorstand Harald Reutter räumte ein, dass man zwar genügend Ingenieure finde, IT-Experten jedoch nicht in ausreichender Zahl. Er kündigte eine hauseigene Akademie an, die alle Beschäftigten für „die digitale Transformation des Bestandsgeschäfts“ fit machen soll.

Industrie wichtigster Bereich

Rund die Hälfte des Konzernumsatzes erwirtschaftete der Industriebereich, gefolgt von den Bereichen Mobilität, Bildung, Rohstoffe, Luftfahrt und IT. In der Luftfahrt sank der Umsatz im Vergleich zu 2015 leicht, alle anderen Bereiche legten zu. Für 2017 hofft der TÜV auf ein ähnlich gutes Ergebnis.

Der Umsatz des internationalen Geschäfts wuchs von 284 auf 310 Millionen Euro. In Indonesien, China und Indien gingen neue Labore in Betrieb. Der Konzern ist in über 70 Ländern aktiv.

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