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Niedersachsen Contidrom wächst um 20 Hektar
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Contidrom wächst um 20 Hektar
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00:15 19.10.2015
Von Lars Ruzic
Das Contidrom heute: Links neben dem Oval soll ein Parcours hinzukommen. Nicht nur die Conti, auch viele Autohersteller nutzen das Testgelände. Quelle: Simon Eymann
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Hannover

Der Autozulieferer kalkuliert nach HAZ-Informationen mit einem mittleren einstelligen Millionenbetrag, den ihn die größte Geländeerweiterung seit mehr als 20 Jahren kosten wird.

Noch muss die Conti die umliegenden Gemeinden für ihr Vorhaben gewinnen. Bei ersten Informationsveranstaltungen habe es jedoch keine größeren Kontroversen gegeben, sagte ein Sprecher. Für die Teststrecke müsste der Wald gerodet werden. Der Konzern wolle jedoch „mindestens in gleichem Ausmaß“ Ausgleichsflächen schaffen, betonte der Sprecher. Die nächste Ortschaft Jeversen ist etwa 750 Meter entfernt. Für die Bewässerung soll Grundwasser entnommen werden. In der für das Contidrom verantwortlichen Reifensparte hofft man, die neue Teststrecke 2017 in Betrieb nehmen zu können - das käme dann auch passend zum 50-jährigen Bestehen des Contidroms. Der so genannte Nasshandling-Kurs wäre der zweite auf dem insgesamt 160 Hektar großen Gelände. Die Erweiterung sei dringend notwendig, sagte der Conti-Sprecher. „Die Kapazität der alten Strecke ist erschöpft.“ Aktuell würden dort im Jahr nahezu 11 000 Reifentests gemacht, mehr sei nicht drin. Die Nass-Strecke habe sich inzwischen zum „Flaschenhals“ für das gesamte Gelände entwickelt. Das Contidrom wird nicht nur von der Conti selbst genutzt. Auch nahezu alle Autohersteller drehen in der Heide Testrunden, bevor sie die Freigabe für Reifen erteilen. Hinzu kommen Automobilklubs wie der ADAC und diverse Fachmedien. Nur rund 20 Prozent der Tests entfallen auf die Reifendivision von Continental.

In den vergangenen Jahrzehnten hat der Konzern auf dem streng abgeschirmten Gebiet eine kleine Straßenwelt für sich geschaffen. Dort kann auf Asphalt, Beton oder Kopfsteinpflaster genauso gefahren werden wie im Aquaplaning-Becken, Offroad, auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke mit mehr als 250 Stundenkilometern oder in Steilkurven. Fast 100 Beschäftigte sind auf dem Gelände in der Nähe der Autobahnabfahrt Schwarmstedt im Einsatz.

Die letzte große Flächenerweiterung des Contidroms fand 1992 statt. 2012 kam auf dem bestehenden Gelände für 20 Millionen Euro eine 300 Meter lange Halle hinzu, auf der die Conti-Ingenieure unbemannte Fahrzeuge vollautomatisch testen lassen können. Hierbei werden die Autos - ähnlich wie Gondeln in der Achterbahn - auf bis zu 120 Stundenkilometer beschleunigt und dann standardisiert abgebremst, um den Bremsweg zu bestimmen. Nicht nur die Temperaturbedingungen können in der Halle zwischen minus 10 und plus 25 Grad variiert werden. Auch die Straßenbeläge sind austauschbar.

Tests unter Extrembedingungen

Reifentests müssen auch unter Extrembedingungen stattfinden – deshalb unterhält die Conti neben dem Contidrom noch andere Prüfgelände. Im schwedischen Arvidsjaur nahe dem Polarkreis etwa sind nicht nur monatelang Testfahrten auf Schnee möglich, sondern auch auf einem zugefrorenen See. Das andere Extrem findet sich im texanischen Uvalde unweit der Grenze zu Mexiko. Die Temperaturen auf dem 1959 von der heutigen Conti-Tochter General Tire gegründeten Gelände erreichten leicht mehr als 40 Grad. Es ist zudem zwölfmal so groß wie das Contidrom. Der Untergrund stammt aus der Heimat: Die Teststrecken bestehen aus den gleichen Harzer Steinen wie die des Contidroms.

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