Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Das Ende für die EEV AG rückt näher
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Das Ende für die EEV AG rückt näher
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 29.11.2015
Von Jens Heitmann
Kein Zugriff mehr auf die wichtigste Einnahmequelle: Biomassekraftwerk in Papenburg. Foto: dpa Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Damit hat das Mutterunternehmen, in das rund 2400 Anleger mehr als 25 Millionen Euro investiert haben, keinen Zugriff mehr auf seine wichtigste Einnahmequelle. Ob dies auch zur Zahlungsunfähigkeit der EEV AG führen wird, wollte Vorstand Bernhard Faber nicht sagen: „Kein Kommentar“, erklärte er am Donnerstag auf Anfrage der HAZ und von NDR Info.

Als vorläufiger Insolvenzverwalter der EEV-Tochter wurde der Hamburger Anwalt Dietmar Penzlin bestellt, der bereits die Pleite des Windkraftunternehmens Prokon begleitet hat. Das Itzehoer Unternehmen hatte bei 75 000 Anlegern über die Ausgabe von Genussrechten 1,4 Milliarden Euro eingesammelt. Prokon firmiert inzwischen als Genossenschaft - die Genussscheininhaber können einen Teil ihrer Forderungen in Mitgliedsrechte an der Genossenschaft umwandeln.

Penzlin sagte, er habe die Mitarbeiter der EEV-Gesellschaft bei einer Betriebsversammlung in Papenburg informiert. Der Kraftwerksbetrieb laufe in vollem Umfang weiter, erste Sanierungsmaßnahmen habe man eingeleitet. Bereits im Mai hatte das dortige Amtsgericht die Zwangsversteigerung des Kraftwerks angeordnet - auf Betreiben des früheren Eigentümers Etanax.

Hinter letzterer Gesellschaft steht die Familie des ostfriesischen Windkraftpioniers Günter Eisenhauer, der im September bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen ist. Von der Etanax hatte die EEV 2012 das Papenburger Biomassekraftwerk und die Planungsgesellschaft für einen Offshore-Windpark erworben. Zur Finanzierung der Objekte gab die EEV AG Genussrechte aus, die eine Rendite von bis zu 9 Prozent abwerfen sollten - später wurde noch eine Festzins-Kapitalanlage mit bis zu 6,75 Prozent aufgelegt.

Als Kaufpreis für das Kraftwerk und die Windparkgesellschaft waren ursprünglich rund 26 Millionen Euro vereinbart; die EEV konnte jedoch ihre Zahlungsziele mehrfach nicht einhalten. Die Etanax habe die Raten mehrfach gestundet, hieß es im Umfeld der EEV. Noch immer stehe aber ein zweistelliger Millionenbetrag aus.

Im Sommer hat die EEV ihre Firmenzentrale in Göttingen geschlossen und den Genussrechteinhabern mitgeteilt, dass man für das vergangene Jahr einen Verlust erwarte und daher „nach aller Wahrscheinlichkeit“ mit einer Zinszahlung nicht gerechnet werden könne. Grund sei unter anderem ein technisch bedingter längerer Stillstand des Kraftwerkes. Die Darlehensgeber hingegen würden Geld bekommen, hieß es.

Von der angeordneten Zwangsversteigerung erfuhren die Anleger nichts. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt seit Längerem gegen frühere leitende Mitarbeiter der EEV. Laut Anklagebehörde geht es um „Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Geschäftsbetrieb“. Bei der Staatsanwaltschaft sind dem Vernehmen nach Strafanzeigen eingegangen, in denen unter anderem der Verdacht auf Kapitalanlagebetrug geäußert wird.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach zwei Jahren mit rückläufigen Patentanmeldungen in Niedersachsen ist die Zahl 2014 wieder gestiegen. Mehr als 3000 Innovationen wurden im vergangenen Jahr angemeldet. Die wohl erfolgreichste Erfindung wurde schon vor über 30 Jahren zum Schutz eingetragen: ein Kryptographiechip.

26.11.2015

Der Reifenhersteller Continental sucht in Hannover einen Standort für seine neue Firmenzentrale. Im Interview spricht Conti-Chef Elmar Degenhart über die geplante neue Zentrale, selbstfahrende Autos, den VW-Skandal und Jobabbau bei Deutschlands Zulieferern.

Lars Ruzic 28.11.2015
Niedersachsen Versicherungsunternehmen - Talanx-Konzern streicht 600 Jobs

Beim Talanx-Konzern steht ein größerer Abbau von Arbeitsplätzen bevor. Zunächst geht es um 600 Jobs im Geschäftsbereich Privat- und Firmenkundenversicherung Deutschland. Wie stark dies den Standort Hannover betrifft, ist noch unklar.

Albrecht Scheuermann 27.11.2015
Anzeige