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Niedersachsen Das Ende von Homann ist besiegelt
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11:53 01.07.2017
Von Albrecht Scheuermann
Auch ein emotionaler Verlust: Dass das alte Werk in Dissen heutigen Ansprüchen nicht mehr genügt, war schon länger klar – aber auch ein neues Grundstück konnte die Unternehmensgruppe Theo Müller nicht zum Bleiben bewegen. Quelle: dpa
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Hannover/Dissen

Freitag Nachmittag kam die Nachricht, dass die Homann Feinkost GmbH ihre Werke vom Jahr 2020 an am Standort Leppersdorf in Sachsen zusammenführt. Dies habe der Aufsichtsrat des Unternehmens entschieden. Dort betreibt die Unternehmensgruppe Theo Müller, zu der Homann gehört, bereits eine der größten Molkereien Europas.

„Die in der Zwischenzeit mit den Betriebsräten, der Gewerkschaft NGG sowie der Politik geführten Gespräche haben zu keinem anderen Ergebnis geführt“, teilte das Unternehmen mit. „Auch die von den Arbeitnehmervertretern gemeinsam mit externen Fachleuten entwickelten Alternativkonzepte haben sich betriebswirtschaftlich als nicht dauerhaft tragfähig erwiesen.“

Protest mit Menschenkette

Der Konzern hatte bereits am 21. April seine Absicht mitgeteilt, die Homann-Werke dichtzumachen, um in Sachsen für eine halbe Milliarde Euro ein neues Werk zu errichten. Danach hatte es zahlreiche Proteste und Gespräche gegeben, um die Konzernführung umzustimmen. Anfang Mai kam es zu einer Großdemonstration in Dissen am Teutoburger Wald: Mehr als 4000 Teilnehmer nahmen daran teil und bildeten eine Menschenkette um das Homann-Werk – den bei Weitem wichtigsten Arbeitgeber in der Gemeinde.

Auch Niedersachsens Landesregierung hatte sich eingeschaltet, um den Konzern zu einer Änderung seiner Pläne zu bewegen. Vor einigen Wochen gab es deswegen ein Gespräch in der Staatskanzlei, an dem Ministerpräsident Stephan Weil, Wirtschaftsminister Olaf Lies (beide SPD) und der Aufsichtsratsvorsitzende der Unternehmensgruppe Theo Müller, Heiner Kamps, teilnahmen. Allerdings war dabei schon klar geworden, dass die Entscheidung wohl nicht mehr revidiert wird. Teilnehmer nannten das Treffen hinterher „enttäuschend“.

"Wir konnten damit rechnen."

Die Homann-Geschäftsleitung kündigte Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan für die betroffenen Mitarbeiter an. Diesen solle „vorrangig ein Wechsel an den Standort Leppersdorf angeboten werden“.

Wenig überrascht von der Entscheidung zeigte sich Dissens Bürgermeister Hartmut Nümann. „Wir konnten damit rechnen“, sagte er. Es sei allerdings „schlechter Stil“, dass er erst durch die Medien davon erfahren habe. Homann sei seit 140 Jahren in dem Ort ansässig, deshalb habe der Verlust auch eine stark emotionale Bedeutung. „Dissen ist Homann, Homann ist Dissen“, sagte der Bürgermeister. Allerdings gab er sich optimistisch, dass die Stadt den Aderlass verkraften kann. Sie sei ein interessanter Standort für Neuansiedlungen. Es gebe bereits entsprechende Anfragen, zudem suchten viele Firmen in der Region Arbeitskräfte.

Die Homann-Werke in Dissen hatte Fritz Homann 1876 als eine Fabrik für Wurst- und Fleischkonserven gegründet. Im Laufe der Zeit wurde das Produktspektrum um eine Vielzahl weiterer Lebensmittel erweitert. Heute liefert das Unternehmen Brotaufstriche, Salate, Soßen und Fischkonserven.

Dass das alte Werk heutigen Ansprüchen nicht mehr genügt und deshalb eine Neuinvestition nötig ist, war schon länger klar. Die Stadt Dissen hatte dafür ein 20 Hektar großes Grundstück zur Verfügung gestellt und einen Bebauungsplan aufgestellt.

Die Unternehmensgruppe Theo Müller ist aus einer Molkerei im bayerischen Aretsried entstanden. Sie gehört heute mit zahlreichen Tochtergesellschaften im In- und Ausland zu den größten Lebensmittelkonzernen Europas. 

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