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Der Butterkeks wird 125

Geburtstag bei Bahlsen Der Butterkeks wird 125

Seit 125 Jahren stellt Bahlsen seinen Butterkeks her. Seit der Gründung 1911 ist die Produktion zwar moderner geworden, das Rezept ist jedoch geblieben - die berühmten 52 Zähne auch. Ein Besuch am Fließband.

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2000 Kekse pro Stunde laufen im Werk in Barsinghausen von diesem Band.

Quelle: Samantha Franson

Barsinghausen. Barsinghausen. „Wie Sie sehen, Butter ist tatsächlich drin.“ Tino Reyser deutet auf vier große gelbe Blöcke, die halb in blaue Folie eingewickelt in der Nähe des Teigmischers stehen. Drei davon wandern in den Metallbehälter mit den großen Rührstäben, die den Teig anmischen. Nur einen Knopfdruck später beginnen sich die Stäbe wie Propeller zu drehen. Fast wie zu Hause, sagt Reyser, der bei Bahlsen die Keksproduktion im Auge behält. „Hier müssen Sie sich das einfach in XXL vorstellen.“

Was im Bahlsen-Werk in Barsinghausen von Reyser und seinen Kollegen angemischt wird, gibt es schon sehr lange. 1891 - also vor 125 Jahren - verkaufte Firmengründer Hermann Bahlsen seine „Leibniz Cakes“ zum ersten Mal. Aus einem Besuch in Großbritannien hatte er die Idee mit zum Bahlsen-Stammsitz nach Hannover gebracht. Als Namensvorbild wählte er einen der bekanntesten Söhne der Stadt: Gottfried Wilhelm Leibniz. Im Laufe der Zeit wurden aus den Cakes schließlich der Keks. Das Rezept aber ist bis heute weitgehend gleich geblieben.

Bahlsen produziert inzwischen in sechs Werken. Vier stehen in Deutschland, zwei in Polen. Am Standort in Barsinghausen beschäftigt das Unternehmen etwa 500 Mitarbeiter, gebacken werden nicht nur der berühmte Butterkeks, sondern auch viele andere Marken der Firma. Der Klassiker ist aber der rechteckige Keks mit den 52 Zähnen. Teigmacher Erik Tesch weiß genau, was drin ist, die Mengenabmischung bleibt aber ein Geheimnis. Das richtige Zutatenverhältnis kennen nur ein Computer und einige wenige Eingeweihte.

Ist der Teig fertig geknetet, geht es durch einen Trichter abwärts - eine ganze Etage. In der Halle, in der es riecht wie in der heimischen Küche kurz vor Weihnachten, übernimmt Bäcker Marco Wagner die Teigmasse. Er überwacht eine Walzmaschine, die den Teig zunächst ausrollt und dann in mehreren Schichten über­einander legt. Über ein Fließband rattert der gelbliche Teigteppich schließlich durch weitere Walzen, bis er von anfangs mehreren Zentimetern auf eine dünne Schicht geschrumpft ist. Eine weitere Walze mit mehreren Ausstechformen in Reihe sticht schließlich die Kekse aus dem Teig, bevor sie im Schlund der Backöfen verschwinden.

Was heute in Barsinghausen entsteht, produzierte Hermann Bahlsen ursprünglich in der Oststadt in Hannover, 1911 wurde der Stammsitz an der List bezogen. Dass der Keks auch heute noch so beliebt ist, erstaunt sogar Kenner. „Es gibt nicht viele Produkte, die seit über 100 Jahren Marktführer im Regal und Herzen der Verbraucher sind“, sagt der Düsseldorfer Markenexperte Frank Dop­heide. Er bescheinigt dem Gebäck- und Süßwarenhersteller, sein Traditions-Image erfolgreich angepasst zu haben: „Den Verantwortlichen ist es 125 Jahre lang gelungen, diesen Wirkmechanismus gegen alle Veränderungen zu verteidigen und behutsam in die neue Welt zu tragen.“ Zwar haben mittlerweile moderne Produktvariationen dem Keksriesen zahlreiche neue Zielgruppen erschlossen. Bahlsen setzt auf neue Produkte, neue Verpackungskonzepte und zuletzt sogar auf ein neues Logo - alles basiert aber weiterhin auf dem rechteckigen Leibniz-Keks. Einen Werbeeffekt hatte wohl auch der spektakuläre Diebstahl des vergoldeten Kekses im Januar 2013 von der Fassade der Firmenzentrale an der Podbielskistraße. Die Geschichte mit dem Krümelmonster ging um die Welt.

Zurück in die Fabrik: Damit die Qualität beim Keks gleich bleibt, müssen die fertigen Stücke am Ende der Backstraße einer genauen Prüfung standhalten. Nach einer Gewichtskontrolle legt Bäcker Wagner einige Kekse in ein spezielles Messgerät, das auf den ersten Blick an einen kleinen Schraubstock erinnert. Mit diesem lassen sich Höhe und Breite bestimmen - und somit abschätzen, ob alle Kekse in ihre Verpackung passen werden. Sind sie zu leicht oder zu schwer, muss Wagner über einen kleinen Touchscreen nachbessern. Dieser steuert, wie stark die Walzen am Beginn der Backstraße auf den Teig einwirken.

Nicht nur Wagner behält die Kekse genau im Auge, denn nicht nur Größe, Gewicht und Farbe müssen bei der Kontrolle vor Ort stimmen. In den Neunzigerjahren und Anfang des Jahrtausends warb die Firma Bahlsen vor allem mit dem Knackgeräusch, das die Kekse beim Zerbeißen erzeugen. Weil nicht nur das Auge, sondern auch das Ohr mitisst, überwachen Sounddesigner den Klang des Butterkekses. Gemessen wird beim Abbeißen und beim Kauen im Mund.

Wie die Kekse sich im Mund anfühlen sollen, weiß Kerstin Trute ganz genau. Sie überwacht die Kekse, die nach dem Backen von einer Maschine mit einem kleinen Luftschuss auf mehrere metallene Rutschen verteilt werden. So werden die Kekse für die Maschinen vorbereitet, die sie schließlich in ihre bekannten Verpackungen hüllen, bevor sie in den Verkauf gehen.

Seit 25 Jahren arbeitet Trute bereits im Werk. Liegt einer der 2000 Kekse, die pro Stunde aus dem Ofen kommen, auf der falschen Seite, greift sie sich ihn mit flinken Fingern und sortiert ihn an die richtige Stelle. „Anfassen und sortieren, das ist der Job“, sagt sie. Das Auge esse schließlich mit. Sehen könne sie die Kekse immer, so Trute. „Essen kann man sie aber nur noch, wenn man wirklich Hunger drauf hat.“

Weltweit ist das Gebäck ein gefragter Snack. Zwei Milliarden Butterkekse hat Bahlsen im vergangenen Jahr verkauft. Das Gebäck zählt damit zu den beliebtesten Süßigkeiten überhaupt - auch noch nach 125 Jahren.

400 Milliarden für eine Packung Kekse

Technischer Vorreiter: Firmengründer Hermann Bahlsen (Foto), darauf verweist man im Unternehmen gerne, habe die erste Fließbandanlage in Europa eingeführt. Im Jahr 1905 war das – und damit acht Jahre vor dem Automobilbauer Henry Ford. „Hermann Bahlsen hat immer auch Innovationen mit auf den Weg gebracht“, sagt Tino Reyser von Bahlsen. Die Idee für die Bandanlage etwa brachte er aus einer New Yorker Fleischfabrik mit, wo er eine ähnliche Produktionslinie gesehen hatte.
Nicht verhindern konnte aber auch Bahlsen, dass eine Packung Leibniz-Kekse auf dem Höhepunkt der Inflation im Jahr 1923 etwa 400 Milliarden Mark kostete. 1944 muss die Produktion sogar eingestellt werden, weil die Butterzuteilung reduziert wurde. Das Original war erst wieder ab 1948 zu haben.     

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